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Aufreger -  15.04.2026
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Können Beschäftigte in Pforzheim auf 1000-Euro-Prämie hoffen? Das sagen die Unternehmen

Pforzheim. Die Bundesregierung wärmt ein Instrument aus der Ampelzeit wieder auf: Arbeitgeber sollen ihren Mitarbeitern eine steuerfreie Prämie auszahlen können, um die hohen Energiekosten abzufedern. Maximal 1000 Euro sollen möglich sein. Doch die wirtschaftliche Lage ist angespannt. Ist eine Prämie in dieser Zeit überhaupt machbar? Die PZ hat sich bei einigen Unternehmen in der Region umgehört – und klare Antworten erhalten.

Friedrich Merz (CDU, von links), Lars Klingbeil, Bärbel Bas (beide SPD) und Markus Söder (CSU) zeigten sich mächtig stolz auf ihre geplanten Entlastungen. Viele Unternehmer können die Plänen jedoch nichts abgewinnen.
Friedrich Merz (CDU, von links), Lars Klingbeil, Bärbel Bas (beide SPD) und Markus Söder (CSU) zeigten sich mächtig stolz auf ihre geplanten Entlastungen. Viele Unternehmer können die Plänen jedoch nichts abgewinnen. Foto: Michael Kappeler/dpa

Die von Union und SPD vereinbarte Energiepreisprämie von 1000 Euro für Arbeitnehmer, die steuerfrei von Unternehmen ausbezahlt werden kann, stößt auf Kritik – auch in der Region. Die IHK Nordschwarzwald stehe der Maßnahme kritisch gegenüber, sagt Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub. Natürlich sei die Steuer- und Abgabenfreiheit zu begrüßen. „Allerdings müssen die Gelder für solche Zahlungen zunächst erwirtschaftet werden, was für eine wachsende Zahl von Betrieben aufgrund der Ertragslage schwer bis unmöglich ist“, so Traub.

Es sei zu erwarten, „dass nicht wenige Arbeitnehmende keine Prämie erhalten werden und Mitarbeiterzufriedenheit und Betriebsfrieden darunter leiden können“. Der Gesetzgeber sei gefordert, über sein Steuer- und Abgabenrecht die Arbeitnehmenden zu entlasten.

Bonuszahlungen bei Witzenmann "nicht möglich"

Hiesige Unternehmen bestätigen die Einschätzung der IHK. „Wir verstehen, dass die Bundesregierung mit der Entlastungsprämie eine Abfederung für die Beschäftigten erreichen möchte“, sagt etwa Witzenmann-Geschäftsführerin Christine Wüst. „Aufgrund der aktuell angespannten wirtschaftlichen Lage konzentriert sich Witzemann jedoch auf Kostendisziplin und die Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze. Vor diesem Hintergrund sind Bonuszahlungen derzeit nicht möglich.“

Martin Kollmar, geschäftsführender Gesellschafter bei der Nieferner Maschinenfabrik Bellmer, ist enttäuscht über den Prämien-Vorschlag. Die Bundesregierung habe eine Einigung erzielt, die auf dem Rücken der Unternehmen ausgetragen werde. Sinnvoller sei ein Aussetzen der -Steuer wie in Italien, wo der Sprit 40 Cent billiger sei. Bellmer prüfe, ob man zumindest einen Teil der Prämie an die Mitarbeiter auszahlen könne, weil man Verständnis für deren Nöte habe.

"Politik muss Hausaufgaben selbst erledigen"

„Wir als Mittelständler nehmen es so wahr, dass hier die Unternehmen in die Haftung genommen werden sollen für die Versäumnisse der Politik“, sagt Thomas Kleiner, Geschäftsführer von Kleiner Stanztechnik. „Es gibt aus unserer Sicht kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. Unser oberstes Ziel ist der Erhalt der bestehenden Arbeitsplätze und die Sicherung des Unternehmens. Die Politik muss ihre Hausaufgaben selbst erledigen.“

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