Kult-Cocktailbar "koktelostore" verlässt Ladenzeile: Hier zieht sie in Bad Wildbad hin
Bad Wildbad. Am Bad Wildbader Kurparkeingang räumen die Händler ihre Geschäfte. Die Vorbereitungen für den millionenschweren Umbau beginnen.
Bad Wildbad. Noch deutet im Inneren der Cocktailbar koktelostore von Christopher Müller kaum etwas darauf hin, dass die Tage der Bad Wildbader In-Bar am bisherigen Standort gezählt sind. Doch vor wenigen Tagen wurde bereits Abschied gefeiert – mit 200 Leuten. Auch wenige Meter weiter, im Taschenparadies von Frank Nemetz, wird noch verkauft. Aber nicht mehr lange. Ende November ist auch dort vorerst Schluss. Den Mietern der acht kleinen Geschäfte in der Bad Wildbader Ladenzeile wurde zum 31. Dezember gekündigt. Sie müssen ausziehen, damit die Ladenzeile am Kurparkeingang ihr Schattendasein endlich beenden kann. Nur die Eisdiele von Assunta De Simone mit ihrem großzügigen Außenbereich bleibt geöffnet. Sie befindet sich in einem neueren Anbau, der von der Sanierung nicht betroffen ist.
Baustart im Frühjahr
Fünf Millionen Euro investiert das Land Baden-Württemberg, um aus dem hässlichen Entlein Ladenzeile einen repräsentativen Eingang zum historischen Kurpark zu machen. Baustart ist im Frühjahr 2027, die Arbeiten sollen zwei Jahre dauern. Bis es dort endlich schöner wird, stehen Bad Wildbad allerdings einige Einschränkungen bevor. Für die Geschäftsführerin der Touristik Bad Wildbad GmbH, Stefanie Bott, geht mit dem Umbau einerseits ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Andererseits muss sie sich darauf einstellen, dass die Bauarbeiten auch Auswirkungen auf Veranstaltungen haben werden.
Die Ladenzeile wird mit einem Bauzaun vom Rest des Kurparks abgetrennt. Weil auch die öffentliche Toilette umgebaut wird, müssen Toilettencontainer aufgestellt werden. Selbst die Enzbeleuchtung, die größte Veranstaltung der Stadt, ist betroffen: Im vorderen Kurparkbereich muss umgeplant werden. Doch trotz aller Einschränkungen überwiegt bei Bott die Freude:
„Ich bin dankbar, dass das Land hier fünf Millionen Euro investiert. Das ist ein klares Bekenntnis zum Staatsbad.“
Künftig sollen Glas und Lichtelemente die Ladenzeile heller und freundlicher machen, aufs Dach kommt eine Photovoltaikanlage. Der Baustil der 1960er-Jahre bleibt allerdings erhalten. Bott hofft, dass sich die Geschäfte nach dem Umbau besser vermieten lassen. Denn einige Flächen stehen schon länger leer und wurden bisher etwa vom Heimat- und Geschichtsverein genutzt oder dienten als Werbefläche für die Rossini-Festspiele.
Trotz der guten Lage bietet die Ladenzeile Einzelhändlern bislang wenig Anreize: Die Verkaufsflächen sind klein, die Heizungen funktionieren nicht. Im Winter bleiben deshalb die meisten Geschäfte geschlossen.
Und wenn alles fertig ist? Die bisherigen Mieter können zurückkehren. Doch Bott hat auch neue Ideen für die künftige Flaniermeile:
„Ich kann mir einen bunten Mix vorstellen aus Gastronomie und Einzelhandel“, sagt sie und denkt etwa an eine Tapas-Bar oder hochwertige Kleiderläden.
Auf Mietersuche geht sie allerdings noch nicht: „Da fließt noch viel Wasser die Enz hinunter.“
Frank Nemetz vom Taschenparadies will sich dagegen anderweitig orientieren. Er führt bereits Gespräche mit Ladenvermietern in der König-Karl-Straße. Und was wird aus dem kultigen koktelostore, der Fans weit über die Grenzen der Bäderstadt hinaus hat? Der bleibt Bad Wildbad erhalten, vergrößert sich sogar und zieht ab Mitte Februar ins ehemalige Café am Bad, direkt neben dem Rathaus.
„Ich bin zwar traurig, dass ich ausziehen muss, aber ich freu mich auf das, was kommt“, sagt Inhaber Christopher Müller, der vor allem die „Urlaubsvibes“ am Kurparkeingang geschätzt hat.
