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Pforzheim -  04.05.2021
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Land veröffentlicht Impf-Zahlen: Pforzheim mit niedrigster Quote in Baden-Württemberg

Pforzheim/Enzkreis/Kreis Calw/Stuttgart. Das Sozialministerium hat an diesem Dienstag zum ersten Mal Zahlen zu den bereits gegen Corona geimpften Personen innerhalb der baden-württembergischen Stadt- und Landkreise veröffentlicht. Pforzheim schneidet vergleichsweise schlecht ab. Lediglich 4,2 Prozent der Einwohner der Großstadt sind bereits zwei mal geimpft.

Coronavirus - Impfung von Wohnungslosen
Pforzheim schneidet beim landesweiten Impfvergleich am schlechtesten ab.

Das ist – verglichen mit allen 44 Stadt- und Landkreisen – der niedrigste Wert in Baden-Württemberg. In absoluten Zahlen sind das 5.272 Personen. Insgesamt leben in Pforzheim 126.189 Menschen (Stand: 31.12.2020). 11,9 Prozent, also 15.007 Personen, sind immerhin mindestens einmal geimpft. 

Enzkreis schneidet beim Impfen besser ab

Für den Enzkreis hat das Sozialministerium eine Quote von 6,5 vollständig Geimpfter errechnet. Das entspricht 12.899 Personen – mehr als doppelt so viele wie in Pforzheim. Ende 2020 zählte das Statistische Landesamt noch 199.928 Einwohner in dem Landkreis, die dieser Rechnung zugrunde liegen. Inzwischen sind es aber mehr als 200.000 Einwohner, wie der Enzkreis zuletzt bekanntgab. Insgesamt 22,5 Prozent, also 44.980 Menschen, haben mindestens eine Impfung erhalten.

Im Kreis Calw liegt die Quote der komplett Geimpften bei 5,6. Bei insgesamt 160.218 Einwohnern entspricht das 8.914 Menschen. Mindestens die Erstimfpung haben wiederum 30.459 Personen, beziehungsweise 19 Prozent aller Einwohner erhalten.

Die Zahlen sind im Zeitraum zwischen dem 27.12.2020 und dem 02.05.2021 berechnet worden. Arztpraxen sind nicht mit in die Berechnung eingeflossen.

Besonders gut schnitten demnach der Rhein-Neckar-Kreis (10,8 Prozent der Einwohner sind zwei mal geimpft) und Freiburg im Breisgau ab. Dort haben 10,5 Prozent bereits die komplette Impfung erhalten. Insgesamt sind in Baden-Württemberg knapp zweieinhalb Millionen Menschen mindestens einmal geimpft.

Die PZ versuchte am späten Dienstagnachmittag auch seitens des Landratsamts eine Einschätzung zum Thema zu bekommen. Pressesprecher Jürgen Hörstmann betont, dass ein Blick auf die Zahlen deutlich zeige, dass der Enzkreis im Mittelfeld liege, was die Impfquoten betreffe. Und er sagt:

„Wenn wir mehr Impfstoff zur Verfügung haben, können wir auch mehr verimpfen. Organisatorisch stellt das kein Problem für uns dar.“

Jürgen Hörstmann, Sprecher des Enzkreis-Landratsamtes

Im Pforzheimer Rathaus habe man die Impfstatistiken genau im Blick, so Oberbürgermeister Peter Boch gegenüber PZ-news. „Das KIZ Pforzheim ist, was die Gesamtzahl der Impfungen angeht, genauso leistungsstark wie vergleichbare Einrichtungen und - wie alle Impfzentren - von den Impflieferungen des Landes abhängig“, sagt der OB. Allerdings sei Pforzheim altersmäßig eine junge Stadt mit vielen Jugendlichen und Kindern, die noch gar nicht impfberechtigt seien. 

„Wir beobachten die Zahlen sehr genau und steuern schon dagegen beziehungsweise gehen mit den Impfungen in die Breite – zum Beispiel durch Aktionen, wie wir sie jetzt in den Ortsteilen durchführen. Zum Beispiel, indem wir verstärkt Migrantenorganisationen und weitere vermittelnde Akteure einbinden wollen. Es gibt insgesamt einen sehr regen Austausch verschiedenster Akteure in dieser Frage, weitere Aktionen werden folgen“, so Boch.

Kritik von der FDP

Unterdessen kritisierten die beiden FDP-Politiker Hans-Ulrich Rülke Erik Schweickert die niedrigen Impfquoten in Pforzheim und dem Enzkreis. „Wir haben seit Monaten zwei toll ausgestattete Impfzentren in der Pforzheimer St. Maur-Halle sowie in Mönsheim, die aber immer noch nicht unter Volllast laufen“, so Rülke und Schweickert. Die beiden Abgeordneten bewerten das Impf-Management von Gesundheitsminister Manne Lucha als „katastrophal“. 

Sozialministerium: „Impfstoff ist knapp“

Das Sozialministerium will mit der Veröffentlichung der Zahlen mehr Transparanz schaffen, betonte aber in einer Pressemitteilung, dass der Impfstoff knapp sei. „Deshalb konzentrieren wird uns bei den Impfungen in den kommenden Wochen weiter auf die besonders schützenswerten Personengruppen und deshalb gilt bis auf Weiteres auch die Priorisierung“, so Uwe Lahl, Amtschef des Ministeriums. Ziel sei, im Sommer jedem Erwachsenen in Baden-Württemberg ein Impfangebot machen zu können. 

Hintergrundinformation des Sozialministeriums im Wortlaut:

Die Grundgesamtheit aller Impfungen sind die im Dokumentationsprogramm esQlab dokumentierten Impffälle für Baden-Württemberg. Die Fallzahlen der Impfstatistik werden über die Postleitzahl des Geimpften dem jeweiligen Land- oder Stadtkreis zugeordnet. Die Zuordnung der Postleitzahl zu den Landkreisen erfolgt auf Grundlage einer offiziellen Postleitzahlliste mit entsprechender Zuordnung von der Deutschen Post AG. Für wenige Postleitzahlbereiche gibt es dabei gewisse Unsicherheiten, weil diese in zwei oder mehr Landkreisen liegen. Die so ermittelten Fallzahlen pro Land- bzw. Stadtkreis bezieht das Gesundheitsministerium auf den Stand der Bevölkerung im jeweiligen Land- bzw. Stadtkreis vom 31.12.2020. Impfungen der Arztpraxen sind in den ausgewerteten Daten nicht enthalten.

Impftermine gibt es unter der Hotline 116117 oder unter www.116117.de. Eine Übersicht über freie Termine in Baden-Württemberg gibt es auch auf der von einem Schüler aus Ostfildern entwickelten Webseite unter www.impfterminübersicht.de

Autor: nig