Mit der Sonne kommt die Hoffnung: Auferstehungsfeier auf dem Pforzheimer Wallberg
Pforzheim. Still und andächtig richtet sich der Blick in Richtung Osten. Ein rötliches Leuchten am dunkelblauen Himmel, ein Schimmern an den wenigen Wolken zeigt, dass die Sonne nicht mehr weit entfernt ist. Als sie am Horizont erscheint, wird auf dem Pforzheimer Wallberg das erste Lied gesungen.
Zwischen den fünf silbern glänzenden Stelen haben sich am frühen Morgen des Ostersonntags zahlreiche Menschen versammelt, um die Auferstehung von Jesus Christus zu feiern: mit Gebeten, mit Liedern und einer Geschichte aus der Bibel. Ausgerichtet von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Gemeinden (ACG), rückt der Gottesdienst die frohe Botschaft in den Mittelpunkt.
„Der Tod hat nicht das letzte Wort, sondern die Liebe“, sagt Christiane Quincke.
Die evangelische Dekanin leitet den Gottesdienst mit Pastor Markus Gumpfer von der evangelisch-methodistischen Kirche und mit dem leitenden Pastoralreferenten der katholischen Pfarrei Herz Jesu, Tobias Gfell. Ziel ist es, die Menschen über Konfessionsgrenzen hinweg zusammenzubringen. Ein ökumenischer Bläserkreis sorgt für Musik, der Verein „Pforzheim mitgestalten“ für einen Fahrdienst für körperlich Eingeschränkte. Mit Blick auf die Anzahl der verteilten Liedblätter schätzt Gfell, dass jedes Mal rund 140 Menschen auf den Wallberg kommen.
Dieses Jahr dürften es sogar einige mehr sein. Für den Pastoralreferenten ist die Feier immer wieder ergreifend, eine Urerfahrung, auch durch das Aufgehen der Sonne. Er ist überzeugt, dass die Botschaft bei den Menschen ankommt, dass sie empfänglich sind und innerlich mitgehen. Das zeigt für ihn auch die Art, wie sie ihm und seinen Kollegen die Hände entgegenstrecken, als sie kaltes, klares Wasser zum Befeuchten der Augen verteilen. Das alte christliche Ritual soll laut Gfell die gierigen, misstrauischen Blicke wegspülen und den Dreck des alten Jahres herausschwemmen, damit die Menschen mit den „Osteraugen“ sehen können, dass Jesus lebt.
„Ostern geschieht wie dieser Sonnenaufgang: Schritt für Schritt“, sagt Markus Gumpfer.
Der Pastor weiß, dass das Licht die Dunkelheit nicht auf einen Schlag vertreibt. Er richtet den Blick auf die Stadt, die zwar die ganze Nacht da stand, aber im neuen Licht anders erscheint. Gumpfer sagt: „Ostern verändert nicht immer sofort die Umstände, aber es verändert den Blick.“ Für ihn steht fest: „Wer dem Auferstandenen begegnet, sieht die Welt neu.“
Während die Sonne ihre ersten wärmenden Strahlen aussendet, während das dunkle Blau des Himmels immer heller wird und schließlich stellenweise einem sanften Gelb weicht, erzählt der Pastor von der Auferstehung Jesu, genauer gesagt von den Frauen, die im leeren Grab einem Engel begegnen. Wo sie den Tod erwarten, beginnt laut Gumpfer etwas Neues.
„Das Grab ist leer. Nicht, weil alles vorbei ist, sondern weil Gott einen neuen Anfang setzt.“
Während er diese Worte spricht, hören ihm die Gottesdienstbesucher aufmerksam zu. Unter ihnen ist auch Sunita Vimal. Die Grünen-Stadträtin besucht die Auferstehungsfeier, weil sie gläubig ist und den Ort ganz besonders findet. „Das gibt mir Kraft und Energie“, sagt Vimal: „Man kann diesen Tag nicht besser beginnen.“ Andreas Renner ist zum ersten Mal auf den Wallberg gekommen. Früher, als es das Klinikum Sankt Trudpert noch gab, hat der frisch gewählte CDU-Landtagsabgeordnete dort immer den Gottesdienst mit den Nonnen besucht. Auch er bezeichnet sich als gläubigen Christen, auch er findet die Auferstehungsfeier wichtig und wertvoll. Auch, weil sie Gemeinschaft stiftet. „Solche Situationen erden einen immer wieder und geben Kraft.“
