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Schömberg -  20.03.2026
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Nach Unfall mit zwei Toten: Kommt jetzt ein Blitzer nach Schömberg?

Schömberg. Nach dem Verkehrsunglück mit zwei Toten bei Oberlengenhardt fordert eine Petition Maßnahmen rund um die Unfallstelle. Wie hoch stehen die Chancen für einen Blitzer und eine Temporeduzierung?

Unfallstelle L346 Oberlengenhardt
An der oberen Kreuzung kam der Wagen von der Straße ab, schleuderte gegen einen Laternenmast und einen Baum. Die Bremsspuren sind aus der Luft gut zu sehen. Foto: Meyer

Nach dem tödlichen Unfall vor drei Wochen bei Oberlengenhardt ist die Anteilnahme weiter groß. Ein zweites Holzkreuz ist nun an dem Baum dazugekommen, wo ein 38-jähriger Autofahrer und seine 18-jährige Beifahrerin noch im Wrack starben sowie zwei weitere Insassen (19 und 24 Jahre) schwer verletzt wurden. Auf dem Querbalken steht in großen weißen Lettern der Name des Mannes. Darunter etwas kleiner sein Geburts- und Todesjahr. Auf dem zweiten schlichteren Kreuz ist nun das Geburts- und Todesdatum der jungen Frau dazugekommen. Darunter stehen weiter viele Kerzen und noch mehr Blumen.

In Schömberg sind die beiden Opfer immer wieder auf Fotos zu sehen. Der dreifache Vater, der laut ersten Erkenntnissen der Polizei vermutlich deutlich zu schnell mitten in der Nacht war, sogar im Kreise seiner Familie. Mit Plakaten wird auf die Spendenaktion für die Hinterbliebenen aufmerksam gemacht. Damit sich ein solcher schrecklicher Unfall nicht mehr wiederholt, fordert eine Schömbergerin nun einen Blitzer und eine Temporeduzierung an der Strecke. Sie hat eine Petition gestartet. Was können die Unterschriften bewirken?

Juliane Heinecke kannte die 18-jährige junge Frau, die auf dem Beifahrersitz des hochmotorisierten Audi starb. Am Telefon sagt sie Anfang dieser Woche: „Es reicht nicht nur, zu reden. Es muss etwas passieren.“ Schon vor Jahren habe es Bemühungen gegeben, das Tempo auf der Landesstraße zu drosseln. Sie will die Strecke zwischen Oberlengenhardt und Schömberg wieder in den Fokus rücken und eine Diskussion darüber entfachen. Denn dort und an der jetzigen Unglücksstelle sei es bereits mehrfach zu schweren Unfällen gekommen – auch mit Todesfolge. Viele Autofahrer würden die Kurve mit starkem Gefälle in Richtung Schömberg und auch die Fahrt aus entgegengesetzter Richtung unterschätzen und daher zu schnell fahren. Allein in ihrem Bekanntenkreis habe es dort bereits dreimal gekracht, erzählt Heinecke. „Zum Glück ist das alles glimpflich abgelaufen.“ Auch Oberlengenhardts Ortsvorsteher Friedbert Stahl sagte kurz nach dem tödlichen Unfall zur PZ: „Die Strecke ist insgesamt unfallträchtig.“ Er erinnert sich an zwei verstorbene Motorradfahrer.

Dazu sind laut Heinecke an der Strecke regelmäßig Touristen, Wanderer und Anwohner unterwegs, die in die Natur, zum Aussichtsturm, Spielplatz oder Jugendhaus wollten und die Straße an verschiedenen Stellen überqueren würden. „Das führt häufiger zu gefährlichen Situationen.“

Die Physiotherapeutin, die in Schömberg eine eigene Praxis betreibt, und ihre Mitstreiter fordern daher: Das Tempo auch bis nach der ersten Abzweigung nach Oberlengenhardt auf 70 Stundenkilometer zu reduzieren. Und dort auch einen stationären Blitzer für beide Fahrtrichtungen zu installieren. Ein Verkehrsschild reiche nicht aus, so Heinecke. „Viele Fahrer reagieren erst dann, wenn es spürbar ins Portemonnaie geht und zu schnelles Fahren tatsächlich Geld kostet.“

37 Unterschriften sind bis Freitagnachmittag innerhalb von sechs Tagen zusammengekommen. Darunter Gemeinderat Tino Bayer (MUZ) und Bürgermeisterkandidat Matthias Stepan, der die Strecke als Maisenbach-Zainer sicher bestens kennt. „Der Bürgermeisterkandidat Michael Hopf hat mich vor zwei Wochen auf die Idee zu der Petition gebracht“, erzählt Heinecke.

Nicht einmal ein Drittel der Unterstützer kommen aus Schömberg. Dafür aus vielen umliegenden Gemeinden, einzelne aus Stuttgart, Heidelberg, Frankfurt oder Berlin. „Um die Petition bekannter zu machen, haben wir Flyer drucken lassen und diese werden jetzt am Wochenende in Oberlengenhardt verteilt und in Schömberg ausgelegt“, sagt die Initiatorin.

Doch wie geht es jetzt weiter? Was können Heinecke und Co. mit ihrer Petition erreichen? Sie habe diese an das Schömberger Rathaus geschickt, das weiter an das Landratsamt in Calw verwiesen habe. Bis dorthin ist aber noch nichts durchgedrungen, so Sprecherin Mara Müssle. Die hatte vor kurzem noch klar gemacht, dass an dem Unfallort keine schnellen Maßnahmen ergriffen werden. Der Streckenverlauf sei dort nicht unübersichtlich und es bestehe keine erhöhte Unfallhäufigkeit. Experten würden den Abschnitt aber sicher noch einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Wenn die Petition im Landratsamt ist, werde der Straßenabschnitt neu überprüft und neu bewertet, teilt Müssle an diesem Freitag nun mit. Aber: „Es ist zu erwarten, dass das Ergebnis gleich bleibt, da die Kriterien der Bewertung dieselben sind.“

Stationäre Blitzer stelle die Behörde auf, wenn bei mobilen Messungen oder Auswertungen von Verkehrsdisplays überdurchschnittlich viele Fahrzeuge zu schnell seien. Wenn eine Strecke nicht baulich entschärft werden könne. Oder eine besondere Relevanz hinsichtlich der Verkehrssicherheit bestehe.

Und in welchen Fällen wird das Tempo auf einer Strecke reduziert? Unter anderem, wenn es vermehrt zu Unfällen vor Ort kommt, so Müssle. Wenn es nach der Einschätzung vieler Oberlengenhardter geht, wäre dies an der Landesstraße bei ihrem Ort definitiv der Fall.