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Pforzheim -  10.03.2024
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Nach Wintertief: Wochenmarkt auf dem Pforzheimer Turnplatz weckt Frühlingsgefühle

Pforzheim. Wer die zurückliegenden eher tristen und zähen Wochen auf dem Turnplatz miterlebt hat, erkennt den Wochenmarkt kaum wieder. Heerscharen von Frischefans und Sonnenanbetern bevölkern an diesem Samstag die bunte Meile. Unter blauem Himmel sieht man nur strahlende Gesichter. So wie jenes von Marina Platzer, die vergnügt aus ihrem Metzgerwagen schaut.

Wochenmarkt auf dem Turnplatz erstmals mit einem rollenden Supermarkt
Wochenmarkt-Neulinge und gleich Fans: Jasmin und Ben Engelhardt mit Lia (11) und Phil (5) aus Eutingen. Foto: Tilo Keller

„Bei dem Wetter haben die Leute gleich gute Laune. Super, dass alle da sind. Die Familie ist wieder komplett.“ Die große, fröhliche Marktfamilie hat offensichtlich Nachholbedarf. Besucher langen beherzt zu und haben sich viel zu erzählen. Für Gesprächsstoff sorgt natürlich die fast schon sensationelle Neuerung am Rande der Jahnstraße.

Wochenmarkt auf dem Turnplatz erstmals mit einem rollenden Supermarkt
Der Wochenmarkt soll auf dem Turnplatz bleiben.

Schlemmer stehen Schlange

Aber von vorn: Anfangs ist es noch ziemlich kühl und die Resonanz eher verhalten. Wer früh kommt, hat freie Sicht auf das, was der Markt nun wieder auftischt. Spargel aus dem Anbau unter beheizten Folien in Bruchsal. Bereits überraschend süße italiensche Erdbeeren. Deutschen Kopfsalat. Blumen aller Art für Vase oder Balkon. Kräuter im Bund oder zum Eintopfen. Weidenkätzchen und Magnolienzweige.

Cappuccino und Limo, Langos, Fleischkäse und Würstchen. Gabriel Jivanov deutet gegen 10 Uhr auf die Biertische und -bänke vor „Gabriels Grill“ und sagt: „In einer halben Stunde ist hier voll.“ Er soll recht behalten. Keine 20 Minuten später sind freie Plätze Mangelware, in der Bude kommen die Helfer ins Schwitzen. Gegenüber bei „Gentlemans Blend“ stehen Ausflügler Schlange, um an den Koffein-Kick zu gelangen.

Glücklich, wer wie Jasmin und Ben Engelhardt aus Eutingen den entscheidenden Tick früher dran war. Mit Lia (11) und Phil (5) chillen sie auf den Kisten vor dem Kaffeewagen. Eigentlich seien sie nie auf dem Markt, berichtet Ben Engelhardt, wegen des Wetters hätten sie sich spontan zu einer Visite entschieden – und sind gleich Fans geworden.

„Das ist ein Event für die ganze Familie, der Wochenmarkt bietet tolle Produkte, und man spart sich den ganzen Verpackungsmüll: Das machen wir jetzt öfter.“

Marktsprecher Jörg Müller freut sich, dass es treue Stammkunden gibt wie Andrea Hector-Müller, die an seinem Stand ihre Einkäufe einpackt und schwärmt: „Die Sonne scheint, und es ist Leben auf dem Markt. Ich bin einfach glücklich, dass es Leute gibt, die morgens ganz früh aufstehen, um uns zu bedienen.“ Und Müller ist zugleich happy über den Nachwuchs – auf Kunden- wie auf Beschickerseite.

„Da sage noch einer, die Jugend wolle nichts schaffen“, sagt er verschmitzt und deutet eben auf jenen außergewöhnlichen Neuzugang: „Aarons rollenden Supermarkt“. Dessen schwangere Frau arbeitete drüben am Grill, und der 25-Jährige fahre unermüdlich über die Lande, um die Nahversorgung aufrechtzuerhalten, sagt der Marktsprecher anerkennend: „Das ist doch toll! Man muss die Jugend unterstützen.“

Von zaghaft bis zugreifend

Unterstützung erhält Aaron Daubner bei seiner Wochenmarkt-Premiere auch von seinem Vater Michael „Langos-Michl“ Daubner, der vor dem Lastwagen steht und die Leute zum Einsteigen und Umschauen animiert. Es gibt sie alle an diesem Vormittag: die Marktpuristen, die diese Ergänzung kritisch sehen. Die Zögerlichen, die das Gefährt zunächst nur aus einiger Distanz beäugen. Aber auch – in deutlicher Überzahl – jene, die frisch vorangehen und voll des Lobes sind.

Ältere Kunden aus den beiden benachbarten Seniorenheimen, die sich Mehl, Milch, Zucker und Konserven in ihre Einkaufstrolleys und Rollatorkörbe packen lassen. „Es gibt doch kaum Lebensmittel in der Innenstadt“, seufzt einer. Oder Kundinnen wie Rosemarie Röhl, die mit einem Pfund Kaffee aus dem Supermarkt steigt und sagt: „Ganz super!“ Beim Großeinkauf vergesse man doch immer was. Das dann hier mitzunehmen, sei auf jeden Fall eine Bereicherung. „Vater und Sohn sind sehr sympathisch und können gut verkaufen“, ergänzt Röhl schmunzelnd: „Da hole ich jetzt immer wieder was.“

Einer hat da seine Einkäufe bei Daubner längst getätigt: der frühere Stadtrat und große Marktförderer Hans-Joachim Bruch. „Ich bin immer gern bei den Allerersten“, sagt er grinsend. Das wichtige Betätigungsfeld Daubners sei nicht zuvorderst der Markt, es seien die vielen kleinen Dörfer im Umland, für deren Bewohner dies die einzige Versorgungsquelle sei. „Dass ein Mittzwanziger so was wagt, finde ich klasse“, betont Bruch: „Ich habe extra eine Kappe mitgebracht, damit ich vor ihm den Hut ziehen kann.“ Spricht’s – und lässt den Worten Taten folgen.

Angst vor dem neuen Mitbewerber hat Marktsprecher Müller übrigens nicht. Im Gegenteil. „Konkurrenz belebt das Geschäft. Je mehr Auswahl, desto besser.“ Und überhaupt: „Der vielleicht einzige deutsche Wochenmarkt mit einem Supermarkt auf dem Platz – wo gibt es denn so was?“, fragt Müller: „Damit müsste man es eigentlich mal in die ,Financial Times‘ schaffen.“

Autor: erb