Gemeinden der Region
Enzkreis -  13.03.2026
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Neue Solarparks sollen im Enzkreis entstehen: Wie viel bringt das?

Mühlacker. Sie sind nachhaltig, produzieren jede Menge Strom und gibt es immer häufiger. Das sagt ein Experte zu Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen. Und wo stehen entstehen diese neuen Anlagen?

Ähnliche Anlagen wie diese zwischen Iptingen und Serres sollen künftig auch andere Gemeinden in der Region mit Strom versorgen.
Ähnliche Anlagen wie diese zwischen Iptingen und Serres sollen künftig auch andere Gemeinden in der Region mit Strom versorgen. Foto: Röhr

Was vor wenigen Jahren noch wie ein Zukunftsprojekt wirkte, wird auch in der Region zunehmend Realität: Während mancherorts bereits Solarparks Strom erzeugen, stecken andere Gemeinden im Enzkreis in der Planung weiterer Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Gemeinderäte beraten über Standorte, Projektleiter stellen Konzepte vor, Bürger fragen nach Auswirkungen auf Natur und Landwirtschaft. Bei Freiflächen-Photovoltaikanlagen stehen die Solarmodule nicht auf den Dächern, sondern auf Wiesen oder Ackerflächen. Sie ernten Strom aus Sonnenlicht — und das nicht gerade wenig.

Wiernsheim als Vorreiter

Seit November 2024 ist etwa der Solarpark „Zwergberg“ zwischen Wiernsheim und Serres in Betrieb. Laut Angaben der EnBW auf eine frühere Anfrage der „Pforzheimer Zeitung“ produziert die Anlage geschätzt rund 5,9 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr.

Das reicht aus, um den Strombedarf von etwa 2060 Drei-Personen-Haushalten zu decken. Zudem ist bereits seit Mai 2023 der Solarpark im Ortental zwischen den Wiernsheimer Ortsteilen Iptingen und Serres am Netz und liefert sogar mehr als elf Millionen Kilowattstunden Strom jährlich.

Das soll auch bald in Neulingen Alltag werden. Zusammen mit dem Unternehmen „Stromernte“ plant die Gemeinde einen Solarpark, der künftig auf einer 18 Hektar großen Fläche mit rund 30.000 Modulen Strom erzeugen soll. „Die Anlage kann in Zukunft 20 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr produzieren“, sagt Julian Schreder.

Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Benjamin Boy und ihrer Firma hat er bereits mehrere Solarparks realisiert. In der Regel verlaufen Bau und die Planung ohne Probleme, sagt der studierte Luft- und Raumfahrttechniker und heutige Projektleiter von „Stromernte“. Verzögerungen könne es allerdings trotzdem geben, etwa durch geopolitische Entwicklungen.

Das könne zu Lieferengpässen von einzelnen Teilen führen, sagt Schreder. Bevor eine Anlage gebaut werden kann, werde der Untergrund genau untersucht und etwa auf Steine geprüft. Die Anlagen würden nicht betoniert, sondern in die Erde gerammt. Das habe den Vorteil, dass der Boden nicht versiegelt werde und grundsätzlich erhalten bleibe. Mit Problemen, die den Bau beim geplanten Standort in Neulingen erschweren können, rechnet Schreder jedoch nicht.

Langfristige Investition

Mit Blick auf die Stromversorgung hält er solche Projekte für sinnvoll.

„Wir wissen nicht, wie es in den kommenden Jahren mit der Energie weitergeht“, Julian Schreder Projektleider bei"Stromernete".

Ein weiterer Vorteil sei, dass sich die Anlagen ganz einfach zurückbauen lassen, sollte die Fläche irgendwann anderweitig gebraucht werden oder neue und bessere Technologien entstehen, erklärt Schreder. Kritik an solchen Projekten gibt es trotzdem immer wieder: Einerseits, weil viele Menschen die Anlagen nicht sonderlich schön finden.

Andererseits, weil in der Landwirtschaft nicht alle mit den Solarparks einverstanden sind, da viele die Sorge hätten, es gehe zu viel Fläche verloren. Diese Bedenken könne er auch nachvollziehen.

Wenn man diese Fläche jedoch ins Verhältnis setze, relativiere sich das aus seiner Sicht. Biogasanlagen benötigten oft deutlich mehr landwirtschaftliche Fläche, seien bei der Stromerzeugung jedoch weniger effizient.

Weitere Anlage in Planung

Bereits vor vier Jahren hatte der Ölbronn-Dürrner Gemeinderat dem Vorhaben für einen Solarpark gegenüber des Golfplatzes entlang der Bundesstraße 294 zugestimmt. Hier möchte der Grundeigentümer Heinz Briem auf einem 4,2 Hektar großen Gebiet insgesamt 10.450 Solarmodule bauen lassen. Diese sollen bis zu 4,2 Megawattstunden Strom im Jahr erzeugen.

Trotzdem kam es bisher nicht zur Umsetzung des geplanten Projekts. Im vergangenen Jahr hatte es Probleme mit dem Starkregen-Risiko-Management gegeben. Mittlerweile laufen aber die Bauarbeiten für ein Auffangbecken, um die B 294 bei Starkregen vor einer möglichen Überflutung zu bewahren, so Bürgermeister Norman Tank. „Ich gehe davon aus, dass die Bauarbeiten in den nächsten Wochen abgeschlossen werden können.“

Auch in Großglattbach lässt der Landwirt Simon Baral aktuell auf seinem privaten Grundstück eine acht Hektar große PV-Freiflächenanlage bauen. Im Mai vergangenen Jahres schätzte er die voraussichtliche Inbetriebnahme auf 2026.

Nach aktuellem Kenntnisstand der Stadtverwaltung Mühlacker ist das auch realistisch. Sowohl der Bau als auch die Planung sind nach Angaben der Stadt bisher ohne Probleme verlaufen.

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