PZ-Interview mit Pforzheims Comedy-Star Nummer eins Oliver Gimber: „Mich gibt es rezeptfrei, mit heilsamer Wirkung“
Pforzheim. Er ist Pforzheims Comedy-Star Nummer eins: In den Sozialen Medien reißt Oliver Gimber munter Witze. Neuerdings unterstützt er die bundesweite „Initiative gegen Corona“ mit dem Ziel, die Bevölkerung mit aufmerksamkeitsstarken Kampagnen aufzuklären. Im Gespräch mit der PZ hat er sich darüber unterhalten, ob das Witze-Erzählen in Zeiten der Pandemie überhaupt noch okay ist.
PZ: Herr Gimber, haben Sie einen Lieblings-Corona-Witz?
Oliver Gimber: Ja, den habe ich neulich als Donnerstagskracher erzählt. Den finde ich Weltklasse.
Und wie geht der?
Kommt eine Frau in die Apotheke, total fertig. Sagt die Apothekerin: „Gute Frau, was ist denn mit Ihnen los?“ Sagt sie: „Hören Sie mal zu! Wegen dieser Corona-Krise: Mein Mann ist seit zwei Wochen daheim und der will von morgens bis abends Sex. Können Sie mir nicht irgendwas geben?“ Guckt die Apothekerin die Frau an und sagt: „Ja, meine Handynummer.“
Darf man in diesen Zeiten überhaupt noch Witze machen?
Eindeutig ja. Ich sehe das an den Kommentaren, die ich auf meinen Internet-Kanälen bekomme. Und ich lese viele Kommentare. Der Tenor: Eigentlich bräuchten wir das jeden Tag. Es ist vollkommen egal, ob Oma, Ärztin oder Unternehmerin, ob von hiesigen Fans oder aus dem Ausland – 99,5 Prozent sagen, dass dies ganz wichtig ist im Moment. Manche finden den ein oder anderen Witz nicht so gut, aber wenn ich dann lache, reiße ich sie mit. Natürlich gibt es auch theatralische Reaktionen. Leute, die meinen, es gehöre verboten, Witze zu erzählen, wenn Menschen sterben. Dann sage ich: Das erleben wir doch jeden Tag. Wenn dies das Maß der Dinge ist, würden wir gar keine Comedy mehr machen. Ich verkaufe ja kein Produkt, äußere keine politisch radikale Meinung. Ich erzähle einfach nur einen Witz. Und das ist wichtiger denn je. Beim Lachen werden Glückshormone ausgeschüttet. Mich gibt es rezeptfrei, mit heilsamer Wirkung.
Spüren Sie das auch an den Nutzerzahlen?
Absolut. Es läuft so gut wie lange nicht. Einer meiner letzten Sonntagskracher hat mehr als 880.000 Personen erreicht, etwa 292.000 haben ihn bis zum Ende angeschaut. Das ist in etwa eine Verfünffachung zu früher. Das sind Dimensionen, an denen man sieht: Es ist unglaublich wichtig, Witze zu erzählen. Und es ist wichtig, für seine Fan-Basis da zu sein. Mir ist klar: Gerade jetzt, wo ich nicht auftreten kann, muss ich liefern.
Plattformen wie Instagram und Facebook bespielen Sie ja schon lange. Aber hat sich da aktuell für Sie etwas verändert?
Ja, es geht mir darum, meine Fans zu versorgen. Aber ich rede nicht über Klopapier oder Homeoffice. Ich habe einen Freund im Elsass, der mir schreibt, es gebe Anfeindungen auf beiden Seiten. Das ist doch traurig. Überall Corona – ich versuche bewusst, das Wort nicht so häufig in den Mund zu nehmen, und will in erster Linie mit anderen Themen ablenken. Beamte, Sportler, Frauen, Männer, Alltägliches … Es gibt so vieles. Auch Menschen mit Handicap, die sind ebenso Teil der Gesellschaft. Ich habe viele Fans mit Handicap. Die schreiben mir, sie finden diese Momente des Lachens und der Freude wichtig.
Gibt es Witze, die Sie heute nicht mehr erzählen würden?
Ein oder zwei vielleicht. Die restlichen 700 auf alle Fälle wieder.
Wo liegt für Sie die Grenze?
Dort, wo ich mich nicht mehr wohl fühle. Wo mein Bauch „nein“ sagt, da springt mein Gutelaune-Generator nicht an. Witze über Politik zum Beispiel. Die dürfen andere erzählen.
Braucht es dennoch momentan mehr Fingerspitzengefühl?
Das schon, daher erzähle ich die Witze immer in Echtzeit. Am Tag der Anschläge auf das Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ hatte ich eigentlich einen Witz über Terrorismus auf dem Schirm. Da war klar: Das geht für mich nicht. Auch Unternehmerpleiten würde ich gerade ausklammern. Es gibt gute Witze, die ich aktuell nicht erzählen würde. Alles zu seiner Zeit.
Die Corona-Krise trifft Sie doch in mehrfacher Hinsicht…
Ja, als Unternehmer und Comedian. Im Augenblick lebe ich von meinem Malereibetrieb mit 30 Mitarbeitern. Dort herrscht Kurzarbeit. Kunden verschieben sehr viele Aufträge. Ich habe pro Monat Fixkosten im sechsstelligen Bereich, das geht maximal ein paar Monate gut. Außerdem benötige ich Fördergelder. Und mir fehlen natürlich die Auftritte Aber das ist jetzt eine Aufgabe und Prüfung, die uns alle betrifft. Da halte ich es mit meinem Vater, der mal gesagt hat: Gesund bleiben und nie den Humor verlieren. Sonst wird es bitterernst.
Oliver Gimber...
... wurde am 20. April 1963 in Pforzheim geboren. Comedy ist für ihn „nur“ ein Nebenjob. Als gelernter Maler- und Lackierermeister führt er seit fast 30 Jahren den von seinem Großvater 1931 gegründeten Malerbetrieb Gimber Optimaler in Pforzheim. Das Projekt „Witz vom Olli“ fing an, als ein Kumpel in Neuseeland 2011 meinte, dort könne keiner einen guten Witz erzählen. Er dachte sofort an Olli und bat ihn, über WhatsApp einen Witz als Video zu schicken. Olli hatte gerade Luft zwischen zwei Terminen, saß im Auto, stellte sein Handy aufs Armaturenbrett und begann zu filmen. Der erste Kracher erblickte das Licht der Welt.
Der Durchbruch kam Ende 2015: Olli Gimber erstellte einen Youtube-Kanal, legte ein Facebook-Profil an, vergrößerte die Whats-App-Gruppe und lud die Witze nun selbst regelmäßig hoch. Was zuvor andere ohne seine Erlaubnis taten. Rasant wuchs der Kanal, Fernseh- und Radiosender wurden aufmerksam. „Witz vom Olli“ wurde zu einem Comedy-Format. Inzwischen hat Olli über 350 Auftritte gespielt, häufig in ausverkauften Hallen.
