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Pforzheim -  19.06.2026
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Pforzheim beim Deutsch-Polnischen Forum: Warum Netzwerken fast zum Vollkontaktsport wird

Pforzheim. Beim Deutsch-Polnischen Forum in Berlin hat Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch hochrangige Politiker getroffen. PZ-Redakteur Constantin Hegel beobachtet dabei einen ganz eigenen Wettbewerb. Denn nach dem offiziellen Programm beginnt für viele erst der eigentliche Kampf um Aufmerksamkeit und Kontakte.

Oberbürgermeister Peter Boch (rechts) im Gespräch mit dem Polen-Beauftragten der Bundesregierung, Knut Abraham.
Oberbürgermeister Peter Boch (rechts) im Gespräch mit dem Polen-Beauftragten der Bundesregierung, Knut Abraham. Foto: Hegel

Im Büro von Staatsminister Gunther Krichbaum (CDU) in Berlin hängt eingerahmt ein Trikot des VfB-Stuttgarts mit sehr vielen Unterschriften. Fast Vis-à-Vis, im Büro des Außenministers, hängt eins von Hertha BSC, wenn man den ministerialen Mitarbeitern glaubt, obwohl der Herr Minister ursprünglich aus Husum ganz im Norden der Republik stammt und qua Geburt ja mindestens zum Verein Holstein Kiel tendieren sollte. Aber das nur nebenbei. So beliebt die beliebteste Freizeitbeschäftigung der Deutschen auch im Auswärtigen Amt ist: Der wirkliche Vollkontaktsport findet bei hochpolitischen Zusammentreffen wie dem des Polnisch-Deutschen-Forums am Mittwoch statt. Nicht auf der Bühne, nicht während der Podiumsdiskussion, nicht beim schlagkräftigen Applaudieren. Erst dann, wenn der offizielle Programmteil endet und alles, was Rang und Namen hat – oder den Körperbau dazu – in den Pulk um den Außenminister strömt, damit Hände geschüttelt werden können, damit man dem Machtzentrum wenigstens für den Moment so nah wie irgend möglich kommt.

Modisch gekleidete Herren und Damen schieben sich – so durchsetzungsstark es die High-Heels zulassen – im Gänsemarsch hinter dem Minister her, zwängen sich an Menschen verschiedenster Funktionen und Ämter vorbei, alle am Small Talken, alle am Netzwerken. Die Zeit ist knapp, das Programm „eng getaktet“, wie die Moderatorin gebetsmühlenartig wiederholt. Dazwischen Reporter, die die Hände in die Höhe reißen, um DAS Foto zu schießen. Getrieben vom eigenen Instagram-Feed machen es ihnen die Politiker gleich, was das Hauen und Stechen noch einen Ticken uneleganter erscheinen lässt. Ein Paar Ellenbogenschoner wären jetzt Gold wert, denkt der PZ-Reporter mit geballter Faust, weil er gerade den Handshake zwischen Oberbürgermeister und Außenminister DAS ZWEITE MAL nicht vor die Linse bekommt. Warum muss die polnische Kulturministerin diesen Hauch einer Sekunde zu früh loslaufen und die geschichtsträchtige Aufnahme verunmöglichen?

Erfahrene Hasen wie Gunther Krichbaum, seit über 20 Jahren im Berliner Polit-Business unterwegs, bleiben tiefenentspannt. Auch Oberbürgermeister Peter Boch hat sich auf diesem ganz anderen politischen Parkett wohlgefühlt, wie er sagt. Mit Vollkontakt hat der begabte Tänzer keine Berührungsängste. Sollte ihn der nächste Ruf aus Berlin dann direkt aus dem Kanzleramt ereilen, kann er ja immer noch Uwe Hück als Vorstopper verpflichten.

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