Pforzheimer Firma Acandis will mit Implantaten die USA erobern
Pforzheim. Das Pforzheimer Unternehmen Acandis steht für Hightech-Medizinprodukte zur akuten und präventiven Schlaganfallbehandlung. Bei einem Firmenbesuch hat sich Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch in Begleitung von Oliver Reitz, Direktor des städtischen Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP) und Markus Epple, Geschäftsbereichsleiter der WSP-Wirtschaftsförderung, selbst ein Bild gemacht.
Die Acandis Geschäftsführer Andreas Schüßler und Kirsi Schüßler sowie Mitarbeiter Martin Strobel führten die Besucher durch den Betrieb. Die beiden Geschäftsführer haben das Unternehmen, das heute in mehr als 60 Ländern operativ vertreten ist, im Jahr 2006 gegründet. Aktuell laufen die Vorbereitungen für die erste FDA-Studie, denn die Produkte sollen auch in den USA auf den Markt gebracht werden.
„Das ist die Richtung, in die wir gehen möchten, weil es auch der größte Medizintechnik-Markt der Welt ist“, erklärte Andreas Schüßler.
Weniger interessiert sei man am chinesischen Markt, obwohl das Krankheitsbild, das Acandis bediene, dort weit verbreitet sei. „Die politische Unsicherheit lädt nicht dazu ein“, so Unternehmer. Großen Wert lege die Firma auf neue Entwicklungen. Dafür seien im Hause sämtliche benötigten Technologien vorhanden. Außerdem wird eng mit Kliniken zusammengearbeitet. Hinderlich für das weitere Wachstum seien fehlende Fachkräfte.
Beim Rundgang erfuhren die Gäste, dass die Stents entweder mit Lasertechnik aus dünnen Metallröhren geschnitten oder aus hauchdünnem Draht geflochten werden. „Gut, dass es das gibt, in der Hoffnung, dass ich es nie brauche“, so OB Boch. „Die Schlaganfall-Wahrscheinlichkeit nimmt mit dem Alter zu“, warnte Andreas Schüßler. „Auch wenn man gesund lebt, kann man das nicht ausschließen.“ Vorbei an Laboren und Reinräumen trafen die Besucher im Testlabor auf Manuela Stoll, die einige Fakten zum Thema Schlaganfall parat hatte.
„Weltweit gibt es etwa 15 Millionen Schlaganfälle pro Jahr, einer der Hauptgründe von Sterblichkeit und Behinderung neben dem Herzinfarkt“
Manuela Stoll
Zu beobachten gab es etwa einen Test an einem durchsichtigen Modell, das Gehirngefäßen nachgebildet ist, an dem auch Ärzte das Einbringen von Stents über Katheter trainieren können. In der abschließenden Gesprächsrunde berichtete Andreas Schüßler, dass der zweite Anbau am Standort dieses Jahr fertig wird. Für die Zukunft wurde bereits eine gegenüberliegende Fläche gekauft und dort auch ein Nachbargrundstück in den Blick genommen.
Neue Verordnung belastet
Das Unternehmerpaar machte auf schwierige Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa aufmerksam, nicht zuletzt durch die MDR, die europäische Medizinprodukte Verordnung. Andreas Schüßler erklärte, dass die MDR für viele mittelständische Medizintechnikfirmen problematisch sei, vor allem weil auch für bestehende Produkte neue Studien gefordert werden, die aufwendig und teuer seien. Auch in den USA gebe es eine vergleichbare Gesetzgebung, die aber besser einzuschätzen sei. Zudem seien die USA der weitaus größere und lukrativere Markt. „Es ist eigentlich ein Bürokratiemonster“, sagte er und fürchtet, dass mittelständische Unternehmen dies nicht stemmen könnten. „Wir sind in unserer Branche der letzte europäische Hersteller.“
