Pforzheimer Trainer Gökhan Gökce empfiehlt Türkischer Elf Veränderungen
Pforzheim/Santa Clara. Bei Trainer Gökhan Gökce wäre Kerem Aktürkoglu erst einmal nicht mehr erste Wahl. Und womöglich hätte der türkische Fußball-Nationalspieler seinen letzten WM-Einsatz bereits hinter sich.Nach dem 0:2 zum Auftakt gegen Australien am vergangenen Sonntag ist ja durchaus denkbar, dass für die Türken bereits nach der Vorrunde der Weltmeisterschaft Schluss ist. Und falls sich nun überzeugende Leistungen und Erfolgserlebnisse einstellen, gäbe es wohl keinen Grund, die Mannschaft noch einmal umzubauen.
Fürs Spiel gegen Paraguay an diesem Samstag (5 Uhr/Magenta TV) in Santa Clara in den USA sagt der Pforzheimer Gökce auf jeden Fall Veränderungen voraus. Er hält eine andere Besetzung im Sturmzentrum für erforderlich. Von Kerem Aktürkoglu spricht er als „der kleine Stürmer“. Der habe im ersten Spiel die Bälle „nicht festmachen“ können. Allerdings sei es auch nicht sinnvoll gewesen, den Ball immer wieder hoch in den Strafraum zu bringen.
Impulse Richtung gegnerisches Tor gab es ganz überwiegend von der Türkei. 72 Prozent Ballbesitz und 30 Torschüsse waren zu verzeichnen. Doch das Team, das das Spiel überlegen gestaltete, handelte sich dann erst ein billiges Gegentor ein und kassierte per Weitschuss noch einen Treffer. Der 20-jährige Nestory Irankunda vom FC Warford (27. Minute) und der 26-jährige St.-Pauli-Profi Connor Metcalfe (75.). schossen die „Socceroos“ in Vancouver zum Sieg.
Ob 1,72 Meter klein oder durchschnittlich ist, liegt wohl im Auge des Betrachters. Klar ist aber, dass es der 27-jährige Fenerbahce-Spieler Aktürkoglu mit Verteidigern zu tun hatte, die etwa einen Kopf größer waren. „Er ist eigentlich ein Konterspieler“, stellt Gökce zudem fest.
Klare Linie fehlt
„Es hat sich Vieles widersprochen“, hebt der bisherige Coach der GU-Türkischer SV Pforzheim hervor. Mit dieser Aussage meint er in jedem Fall die Spielweise. Möglicherweise betrifft das auch die Aufstellung. Jedenfalls habe er von Anfang an kein gutes Gefühl gehabt, sagt Gökce. Allerdings weiß er, dass Trainer schon einmal Abstriche machen müssen. Vielleicht habe ja Kenan Yildiz von Juventus Turin nicht gespielt, weil er verletzt gewesen war.
Grundsätzlich wäre dieser 1,87 Meter große gebürtige Regensburger der Mann, der nun als Neuner eingesetzt werden sollte, meint Gökce. Wer noch infrage komme, kann der 42-Jährige nicht genau sagen. Auch er kennt nicht alle Spieler des Kaders in- und auswendig. In der Schlussphase für Aktürkoglu eingewechselt wurde jedenfalls der in Stockholm geborene 1,92 Meter große Deniz Gül. Der trägt das Trikot des FC Porto, spielte beim Erfolg der Portugiesen im Europa-League-Achtelfinale gegen den VfB Stuttgart aber keine große Rolle.
Einen der türkischen Nationalspieler kennen die Fans aus der Region in jedem Fall: Spielmacher Hakan Çalhanoğlu (32) von Inter Mailand. Gökce hat hin und wieder mit dem Vater des gebürtigen Mannheimers gekickt. Unvergesslich ist aber vor allem eine Begegnung im Verbandspokal. Da hat die von Gökce trainierte U 19 des 1. CfR Pforzheim ein KSC-Team um Çalhanoğlu im Halbfinale mit 4:2 geschlagen. Beim Außenseiter machte insbesondere Vincenzo Grifo Eindruck. Der Italiener wechselte daraufhin fürs letzte Jugendjahr nach Karlsruhe.
Dass es im Fußball immer wieder Überraschungen gibt, ist fürs türkische Team während der laufenden ersten WM-Phase eher von Nachteil. Zwar scheint die Gruppe D recht ausgeglichen besetzt, aber wohl jeder erwartet, dass es die Türkei in die K.o.-Runde schafft. Jeder türkische Fan sowieso.
„Im Grunde genommen hat man die bessere Mannschaft gegenüber den anderen“, sagt Gökce. Gemessen an den hohen Erwartungen kam gegen Australien in jedem Fall zu wenig. In der Schule gäbe es von Gökce allenfalls eine 4–. Er vermisste Variabilität und schlicht eine Spielidee. Diese Kritik betrifft unter anderem Çalhanoğlu, aber auch dessen ebenfalls hoch verlangten Mittelfeld-Kollegen Arda Güler von Real Madrid.
Genug Potenzial ist vorhanden
Anders als das Auftaktspiel will Gökce die am Samstag noch früher angesetzte Partie gegen Paraguay nicht in der Pforzheimer Moschee ansehen. Trotz der ersten Enttäuschung ist die Zuversicht ja auch nicht vollkommen weg. Wenn sich die Türken steigern und besser harmonieren sollte es auch ohne Stoßgebete gen Himmel gelingen, die erste WM-Phase zu überstehen.
