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Pforzheim -  18.09.2024
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Pforzheims junge Kunstszene lebt auf: Ausstellung in KF-Galerie präsentiert kreatives Schmuckdesign

Pforzheim. „Es ist Zeit, dass sich was dreht“ – den Titel von Herbert Grönemeyers bekanntem Song möchte man gerade gerne den Stadtoberen zurufen. Denn: Wie selten zuvor zeigen zurzeit junge Kunstschaffende aus Pforzheim, was die Stadt an großem Potenzial zu bieten hat. Ob bei der großartigen Gruppenausstellung „56A“ im Rowi-Quartier oder ab Donnerstag in der KF-Galerie. So könnte, ja sollte es weitergehen – wenn es Unterstützung gibt. Denn die Vision muss kein Traum bleiben: In den tausende Quadratmeter großen Räumen des Rowi-Gebäudes gäbe es Platz für jede Menge Ateliers – frei nach dem Motto (der KF-Galerie) „jung, fremd, anders“. Rund um die Bleichstraße könnte ein lebhaftes Kunst- und Kulturquartier entstehen – mit Pforzheim Galerie, Ausstellungen im Kollmar & Jourdan-Gebäude (wie gerade „Uncommonly Brilliant Conversations“), im Kupferdächle und vieles mehr.

Ausstellung Schmuck KF Galerie
Mia Buckley und Georg Schiller vor den Vitrinen der Schmuckausstellung. Foto: Meyer

Wie groß die Bereitschaft der Pforzheimer ist, sich mit junger Kunst zu beschäftigen, zeigen die Ausstellungseröffnungen an der Kaiser-Friedrich-Straße 64. Dort wird immer wieder Neues ausprobiert, wie jetzt die erste Ausstellung junger Schmuckkünstlerinnen und -künstler unter dem paradigmatischen Titel „Andere Wege – neuer Glanz“.

Gast aus China

Sechs ganz unterschiedliche Positionen, Intentionen und Intuitionen sind hier zu erleben – von Mia Buckley, Georg Schiller, Franziska Lyon, Paulina Mulkerrin und Johanna Galefske, die ihr Handwerk und ihre Kunst an der Fakultät für Gestaltung und der Goldschmiedschule erlern(t)en. Außerdem gesellt sich Xuling Liu eher zufällig dazu. Stadtjugendring-Mitarbeiterin Miriam Neukam, die die Ausstellung kuratiert und installiert hat, ist der jungen Chinesin im Schmuckmuseum begegnet. Und deren Arbeiten, die auf der Tradition des Miao-Silberschmucks basieren, fügen sich wunderbar in die Schau, beziehen sich doch beispielsweise die Werke von Johanna Galefske auch auf alte, manufakturelle Goldschmiedetechniken. Ihre eleganten, handwerklich perfekten Schmuckstücke basieren häufig auf der Technik des Plissierens, wie sie in der Textilindustrie Anwendung findet.

Erinnerung, Intuition, Gesellschaft, Politik: Zeitgenössischer Schmuck greift viele Themen auf. So zeigt etwa Mia Buckley, neben witzigem Scrabble-Schmuck auch eine interaktive Installation, die sich mit dem Thema „Schleckermaul“ auf ungewöhnliche Weise auseinandersetzt: Nicht mit Süßigkeiten werden die Betrachter hier gefüttert, sondern mit der eigenen Wahrnehmung des Zeitgeschehens. Buckley hat dazu eine große, schwere Decke mit einer Fotocollage gestaltet, die Themen wie Tierleid, Tod, Krieg und Sucht verarbeitet. Legt sich der Besucher diese Decke um die Schultern, kann er das Gewicht dieser aktuellen Ängste und Probleme psychisch und physisch erfahren.

Die drei in geschwärztem Silber gerahmten Broschen haben für Georg Schiller eine symbolische, zum Teil verborgene Bedeutung, wie das winzige Püppchen aus seinen Kindertagen, das das Zentrum einer der Arbeiten bildet. Zwischen Schmuck und Objekt sind die Stücke von Franziska Lyon angesiedelt. Es geht ihr um das Finden, Erkennen und Bearbeiten von Materialien aus der Natur – seien es voluminöse Ringe, Vasen aus Ton oder Skulpturen aus Wachs.

Paulina Mulkerrin verarbeitet Erinnerungen in ihrem Schmuck: an das viktorianische Elternhaus in England oder an den Vater, den Geigenbauer. Und sie greift die Installation „She Lost It“ von Louise Bourgeois aus dem Jahr 1992 auf, indem sie die Frau in einer Beziehung als Verliererin sieht, die durch zwei objekthafte Handschellen gefesselt ist.

Die Ausstellung wird am 19. September, 19 Uhr, eröffnet.