Rettungsdienststatistik 2025: Fehlende Hausärzte führen zu mehr Einsätzen in Pforzheim und dem Enzkreis
Enzkreis/Pforzheim. Mehr als 41.000 Alarmierungen im Jahr 2025: Der Rettungsdienst in Pforzheim und dem Enzkreis verzeichnet steigende Einsatzzahlen – und strukturelle Probleme.
Der Rettungsdienst in Pforzheim und dem Enzkreis blickt mit über 41.000 Alarmierungen auf ein einsatzintensives Jahr 2025 zurück. In mehreren Bereichen ist das Einsatzaufkommen erneut gestiegen – insbesondere bei den Rettungswagen-Einsätzen, erklärt der DRK Kreisverband Pforzheim-Enzkreis am Dienstag in einer Pressemitteilung.
Die Rettungswagen (RTW) seien im Jahr 2025 insgesamt 35.127-mal alarmiert worden. Im Vergleich zu 2024 (34.496 Einsätze) bedeute das einen erneuten Anstieg und bestätige die anhaltend hohe Auslastung im Notfallbereich.
Die Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) kamen 6.120-mal zum Einsatz, so heißt es in der Pressemitteilung weiter. Gegenüber 2024 (6.952 Einsätze) sei dies ein deutlicher Rückgang. Diese Entwicklung stehe weiterhin im Zusammenhang mit der zunehmenden Handlungssicherheit und erweiterten Kompetenz der Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter, die im Rahmen klar geregelter ärztlicher Vorgaben eigenständig medizinische Maßnahmen durchführen.
Im Bereich Krankentransport (KTW) seien 20.294 Fahrten durchgeführt worden (2024: 20.723). Das Niveau bleibe damit konstant hoch.
Einen spürbaren Anstieg verzeichneten die ehrenamtlichen Helfer vor Ort (HvO): Sie wurden 5.338-mal alarmiert, nach 4.725 Einsätzen im Jahr 2024. Ihr schnelles Eintreffen am Notfallort, häufig noch vor dem Rettungsdienst, sei ein wichtiger Bestandteil der Rettungskette.
Die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) wurde 2025 insgesamt 173-mal angefordert.
Bei fünf SEK-Einsätzen unterstützten Rettungskräfte die Sicherheitsbehörden (2024: 10 Einsätze).
Zwischen lebensrettender Akutmedizin und strukturellem Versorgungsproblem
Auch im Jahr 2025 seien die Einsatzkräfte immer wieder mit akuten, teils lebensbedrohlichen Krankheitsbildern wie Herz-Kreislauf-Stillständen oder Schlaganfällen konfrontiert worden. Gleichzeitig zeige sich weiterhin eine Entwicklung, die den Rettungsdienst zunehmend belaste: Ein erheblicher Teil der Alarmierungen betreffe keine klassischen Notfälle, sondern medizinische Anliegen, die ursprünglich im hausärztlichen oder ambulanten Bereich zu versorgen wären.
„Wir erleben weiterhin viele Einsätze, die keine klassischen Notfälle sind. Wenn hausärztliche Anlaufstellen fehlen, bleibt vielen Menschen aus Unsicherheit nur der Notruf – das bindet unsere Rettungsmittel zusätzlich und verlängert teilweise die Anfahrtswege“, erklärt Thomas Göttenauer, stellvertretender Rettungsdienstleiter beim DRK-Kreisverband Pforzheim-Enzkreis e.V.
Die strukturellen Veränderungen im Gesundheitswesen – fehlende Hausärzte, eingeschränkte Sprechzeiten, geschlossene Notfallpraxen und stark ausgelastete Notaufnahmen – würden diese Entwicklung weiter verstärken. Der Rettungsdienst übernehme zunehmend Aufgaben, die über seinen originären Auftrag hinausgehen.
Hohe Nachfrage nach der Ausbildung zum Notfallsanitäter
Ungeachtet der steigenden Anforderungen sei das Interesse an der Ausbildung zur Notfallsanitäterin beziehungsweise zum Notfallsanitäter weiterhin hoch. Der DRK-Kreisverband Pforzheim-Enzkreis ermögliche zweimal jährlich – jeweils im April und im Oktober – den Einstieg in die dreijährige Ausbildung.
DRK-Kreisgeschäftsführer Herbert Mann betont die kontinuierlich positive Entwicklung der vergangenen Jahre:
„Im Jahr 2014 starteten wir mit einer Auszubildenden. Derzeit befinden sich 45 Nachwuchskräfte in der Ausbildung, zusätzlich fünf von der Bundeswehr. Zum kommenden Ausbildungsbeginn im April werden weitere acht Auszubildende hinzukommen. Damit zählen wir zu den größten Ausbildungsbetrieben in Pforzheim und im Enzkreis.“
