Verzweifelt Kräfte gesucht für Kämmerei: So ist die Lage im Enzkreis
Enzkreis. Wo sind sie nur – all die gut ausgebildeten Verwaltungsfachleute, die sich um die Finanzen einer Kommune kümmern? Das fragt man sich in etlichen Rathäusern der Region, denen ein Kämmerer fehlt. Monatelange Bemühungen, die Stelle neu zu besetzen, brachten keinen Erfolg: Es melden sich nur Bewerber, die nicht vom Fach sind, so die Erfahrung in Remchingen, Neuhausen, Straubenhardt und Ötisheim. Also heißt es: weiter suchen und hoffen.
So ist die Lage
In Remchingen (rund 12.000 Einwohner) ist man seit vergangenem September auf der Suche. Einer ersten Bewerbungsrunde folgte die zweite – ohne Erfolg. „Dass gerade viele andere Kommunen auch suchen, macht die Lage natürlich noch schwieriger“, so Bürgermeisterin Julia Wieland. Ähnlich sieht es in Straubenhardt (gut 11.000 Einwohner) aus. „Es ist alles schwierig, aber ich gebe den Optimismus nicht auf“, sagt Bürgermeister Helge Viehweg. Er betont, dass er grundsätzlich nichts gegen Quereinsteiger in der Verwaltung habe. „Aber im Finanzwesen sollte man vom Fach sein.“ In Neuhausen (gut 5200 Einwohner) braucht man gleich zwei Finanzexperten, betont Bürgermeisterin Sabine Wagner: Sowohl die Leitung als auch die Stellvertretung in der Kämmerei müssen neu besetzt werden. „Der Markt ist leer gefegt“, sagt sie. Sie als Bürgermeisterin könne die Aufgabe zwar mit übernehmen. „Aber das funktioniert natürlich nicht auf Dauer.“ Auch in Ötisheim (rund 4700 Einwohner) sei die Resonanz schlecht, so Rathaus-Chef Werner Henle. Er sei völlig ratlos, warum das Interesse praktisch nicht vorhanden sei. „Früher hat man sich um diese Stellen geschlagen.“ In Schömberg (rund 8000 Einwohner) muss die stellvertretende Kämmereileitung besetzt werden, bis Mitte März läuft die Bewerbungsfrist. „Wir sind noch guter Hoffnung, dass es klappt“, so Pressesprecherin Stefanie Stocker. Man habe generell die Erfahrung gemacht, dass das Bewerberfeld nicht mehr so üppig sei.
Was sind die Ursachen?
Werner Henle aus Ötisheim, der dieses Jahr in Ruhestand geht, spricht eine unbequeme Vermutung aus: „Die jungen Leute haben alle keinen Bock auf Verantwortung“, sagt er und nimmt kein Blatt vor den Mund. Nicht einmal die gute Bezahlung zwischen A12 und A13 locke mehr – das ist ein Einstiegsgehalt zwischen 4500 und 5200 Euro brutto monatlich. Er vermisse den Biss bei den jungen Menschen. Seine Kolleginnen sehen die Ursache in den finanziell angespannten Zeiten: Schulden oder leere Kassen zu verwalten, mache nicht so viel Spaß. Helge Viehweg bringt die Größe der Kommune ins Spiel. Straubenhardt sei für Anfänger vielleicht zu groß – und erfahrene Kräfte ziehe es eher in größere Städte.
Mögliche Lösungen
In Remchingen hat man sich dazu entschieden, den Haushaltsplan von einem externen Berater erstellen zu lassen. Aber das sei nicht dauerhaft tragbar, so Julia Wieland. „Ich muss auch deutlichst betonen, dass zur Kämmereileitung sehr viel mehr gehört als nur die Aufstellung eines Haushaltsplanes.“ Die Idee, sich mit anderen Gemeinden zusammenzutun, sei legitim und in Remchingen auch schon Thema gewesen. Die Gemeinde sei aber einfach zu groß und brauche deswegen einen eigenen Kämmerer oder eine Kämmerin. Das sieht auch Werner Henle so, obwohl Ötisheim deutlich kleiner ist. „Man braucht jemanden, der sich um die Aufgaben vor Ort kümmert“, betont er. Dagegen sieht Sabine Wagner in einer kommunalen Zusammenarbeit den Weg der Zukunft. Man arbeite ja auch jetzt schon auf anderen Gebieten mit Nachbarkommunen zusammen – warum also nicht auch im Finanzbereich?
Ein Beispiel
Kommunen können auch im Bereich Finanzen gut kooperieren. Diese Erfahrung macht man im Verwaltungsverband Kämpfelbachtal, dem Königsbach-Stein (rund 10.000 Einwohner), Kämpfelbach (knapp 6400) und Eisingen (rund 5000) angehören und der 1975 gegründet wurde. Im Verband kümmern sich eine Kämmerin und zwei Fachkräfte um die Finanzen der Gemeinden und der Eigenbetriebe, erklärt der Vorsitzende, Eisingens Bürgermeister Sascha-Felipe Hottinger. Der große Vorteil sei, dass man personelle Engpässe auf diese Weise gut auffangen könne. In einer größeren Einheit sei der Verdienst außerdem höher – und damit der Job attraktiver. Der regelmäßige Austausch sei natürlich wichtig, aber das sei kein Problem. Für ihn ist das auf jeden Fall der Weg der Zukunft. Im Verband arbeiten derzeit drei Beamte und 13 Beschäftigte, zum Teil in Teilzeit.
