Riss vom Dach bis zum Boden: Mühlacker Gemeinderat besiegelt Aus der Käppele-Turnhalle
Mühlacker. Die Käppelehalle darf wohl nur noch bis zu den Sommerferien genutzt werden. Danach drohen neue Engpässe für Vereine und Schulen.
Ein Riss zieh sich bereits vom Dach bis zum Boden. Für die Käppele-Turnhalle in Mühlacker ist das ein alarmierendes Zeichen – und nun das endgültige Aus: Der Gemeinderat hat am Montagabend mehrheitlich beschlossen, die marode Sporthalle in der Rappstraße nach den Sommerferien dauerhaft zu schließen. Der Abriss soll nach derzeitiger Planung im kommenden Jahr folgen. Die Entscheidung fiel mit 21 Ja- und drei Gegenstimmen aus der SPD-Fraktion. Schon vor der Sitzung war vielen Vertretern des Gremiums klar gewesen, wie ernst die Lage ist. Mitglieder des Gemeinderats hatten die Halle zuvor besichtigt. „Jeder, der es sieht, erkennt die Vielzahl der Mängel“, sagte Freie-Wähler-Chef Rolf Leo. CDU-Fraktionsvorsitzender Günter Bächle sprach von einem „Stück Heimat“, das verschwinde. Doch die Verantwortung lasse keine andere Entscheidung zu.
Nutzung nicht garantiert
Wie massiv die Schäden inzwischen sind, schilderte Joachim Dick, Leiter der Hochbauabteilung, eindringlich. Die gesetzlich vorgeschriebene Bauwerksprüfung habe einen „ungenügenden Zustand“ festgestellt. Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit seien „erheblich beeinträchtigt, teilweise nicht mehr gegeben“. Besonders problematisch seien zahlreiche vertikale Risse in den Außenwänden und Schäden am tragenden Mauerwerk. Die Ursache reicht offenbar Jahrzehnte zurück. Die Halle war im Zweiten Weltkrieg überwiegend zerstört und 1949 wieder aufgebaut worden. „Darin liegt die Ursache der heutigen Mängel begründet“, sagte Dick. Frühere Sicherungsmaßnahmen hätten letztlich keinen Erfolg gebracht. So seien etwa 1988 eingebaute Verstärkungen wirkungslos geblieben, die Rissbildung habe sich fortgesetzt. Besonders kritisch: Nach Angaben der Verwaltung zieht sich an einer Stelle bereits ein Riss vom Dach bis zum Boden. Die betreffenden Stellen werden inzwischen mit sogenannten Gipsmarken überwacht und alle zwei Wochen kontrolliert. Nur wenn sich die Risse nicht wesentlich vergrößern, könne die Halle voraussichtlich bis zu den Sommerferien weiter genutzt werden.
Oberbürgermeister Stephan Retter machte deutlich, wie ernst die Situation ist.
„Wenn bei der Kontrolle festgestellt wird, dass die Gipsmarke gerissen ist, dann ist die Holle morgen zu“, sagte Retter.
Ohne die engmaschige Überwachung wäre die Halle bereits jetzt geschlossen worden. Eine Sanierung hält die Stadt nicht mehr für vertretbar. Neben den massiven Problemen an der Bausubstanz gebe es auch erhebliche Schwachstellen an der technischen Ausstattung. Nach Einschätzung der Verwaltung wäre eine grundlegende Sanierung wirtschaftlich nicht darstellbar.
Die Schließung der traditionsreichen Halle ist für viele in Mühlacker dennoch ein emotionales Thema – und sorgt zum Teil auch für Unverständnis. Zahlreiche Zuhörer verfolgten die Diskussion im Ratssaal. Oberbürgermeister Stephan Retter kündigte an, das Gebäude vor dem Abriss digital dokumentieren zu lassen. Die Halle solle per 3D-Scan und Fotodokumentation erhalten bleiben.
„Das ist ein prägendes Gebäude der Stadtgeschichte“, sagte Retter.
Viele hätten dort selbst Sport gemacht und deshalb einen besonderen Bezug zu der Halle. Zugleich soll es nach der Schließung auch noch einen öffentlichen Besichtigungstermin für Bürger geben. Interessierte sollen dabei die Möglichkeit erhalten, sich selbst ein Bild vom baulichen Zustand der Halle zu machen und sich die Schäden erläutern zu lassen.
Container als Zwischenlösung
Mit dem Wegfall der Käppele- Turnhalle verschärft sich zugleich die ohnehin angespannte Hallensituation in Mühlacker weiter. Betroffen sind Schulen und zahlreiche Vereine. Die Stadt arbeitet nach eigenen Angaben bereits an neuen Belegungsplänen. „Das ist ein schwieriges Puzzlespiel“, sagte Retter. Man prüfe auch, welche Nutzungen zwingend eine Sporthalle benötigten und was möglicherweise anderweitig untergebracht werden könne. Wie das Gelände nach dem Abriss genutzt werden soll, zeichnet sich bereits ab. Nach Angaben Retters sollen dort unter anderem Containerlösungen für Umkleiden und Duschen entstehen. Diese stehen derzeit noch bei der Sporthalle in Lomersheim und sollen nach Abschluss der dortigen Arbeiten nach Mühlacker umgesetzt werden. Auch für bislang genutzte Garagen- und Lagerräume müsse Ersatz geschaffen werden. Ein großer Teil der Fläche soll zudem vorübergehend als Parkplatz genutzt werden – auch mit Blick auf die anstehende Tiefgaragensanierung in der Innenstadt und die damit verbundenen Einschränkungen.
SPD-Stadtrat Paul Renner kritisierte, dass zu viele Fragen ungeklärt seien. „Wo gehen Schulen und Vereine hin?“, fragte er. Es gebe bislang keine konkreten Lösungen für Ersatzkapazitäten. Zudem erkundigte er sich nach der 2023 erstellten Machbarkeitsstudie, in der unter anderem von Abbruchkosten in Höhe von 576.000 Euro die Rede war. Diese würden heute sicherlich nicht weniger geworden sein, antwortete Retter.
