Gemeinden der Region
Enzkreis -  09.10.2019
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp
Anzeige

Scheinehen vor Gericht: Angebliche Ehemänner lebten in Wohngemeinschaften im Enzkreis

Enzkreis/Pforzheim. Unübersichtlich, weil komplex: Der Prozess gegen einen 38-jährigen Pakistaner, der für seine Landsleute Scheinehen mit osteuropäischen Frauen vermittelt haben soll, ging am Mittwoch im Amtsgericht Pforzheim in die zweite Runde. Dabei wurde unter anderem die Sachbearbeiterin vom Amt für Migration des Landratsamts befragt, der die Ungereimtheiten der vermeintlich frisch Verliebten aufgefallen waren. „Es kamen so viele Zuzüge an die gleiche Adresse nach Ispringen“, sagte sie als Zeugin vor Richter Patrick Stemler aus.

Symbolbild: dpa
Symbolbild: dpa

Eine weitere Sammeladresse lag in Königsbach-Stein. Dabei fiel ihr ein gewisses Muster auf, das viele Fälle zwischen 2018 und 2019 betraf. Fast immer handelte es sich um Ehemänner aus Pakistan oder Indien – die Frauen kamen fast ausschließlich aus Bulgarien.

In solchen Fällen überprüft das Amt zunächst die Arbeitsverträge der Verdächtigen. Außerdem ist es berechtigt, bei Bedenken die Eheleute zu einem Gespräch vorzuladen. Im Falle einer mit einem Inder verheirateten Österreicherin wurde die Sachbearbeiterin stutzig – und informierte die Polizei.

Anzeige

Bei der Durchsuchung der Adressen in den zwei Gemeinden fanden die Beamten dann alles andere als eine Pärchen-Wohnung vor. Stattdessen lebten dort augenscheinlich drei Männer in unterschiedlichen Zimmern als WG zusammen – jeweils einzeln gemietet vom Angeklagten, den sie in bar bezahlt haben sollen. Von Gegenständen, die auf eine weibliche Mitbewohnerin schließen lassen, fehlte jede Spur. Auf Nachfrage gab ein Bewohner an, seine bulgarische Frau sei gerade in ihrem Heimatland, um die kranke Mutter zu pflegen.

Als Zeuge nicht vor Gericht erschienen ist der Chef der Pforzheimer Reinigungsfirma, bei der viele der verdächtigen Männer und Frauen – laut Staatsanwaltschaft über den Angeklagten vermittelt – einen Job als Reinigungskraft mit gültigem Arbeitsvertrag bekommen haben. Dafür wurde ihm eine Strafe von 150 Euro aufgebrummt. Auf gut Glück wagte Verteidigerin Angela Maeß während der Verhandlung den Vorschlag zu einem Gespräch unter sechs Augen mit Richter und Staatsanwältin. Davon zeigten sich die beiden Instanzen jedoch wenig begeistert. „Gegen unförmliche Gespräche habe ich generell was“, antwortete Richter Stemler. Und auch Staatsanwältin Christine Roschinski ließ wenig Hoffnung aufkommen, dass man bei der derzeitigen Faktenlage auf einen gemeinsamen Nenner komme.

Der Prozess wird am Montag, 28. Oktober, unter anderem mit der Vernehmung der Polizistin fortgesetzt, die die Finanzen des Angeklagten überprüft hat.

Autor: Constantin Hegel