Schömberg in Aufregung: Frau verschanzt sich in Wohnung und droht mit Gewalt
Schömberg. Große Aufregung am Mittwochmorgen in Schömberg: Was zunächst nach reiner Routine für die Feuerwehr aussah, entwickelte sich zu einem Großeinsatz für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst, bei dem die Ortsdurchfahrt gesperrt werden musste. Eine Frau mittleren Alters, die sich wohl in einer Ausnahmesituation befand, hielt die Kräfte in Atem.
Sie hatte sich in ihrer Dachgeschosswohnung in einem Mehrfamilienhaus am Ortsrand parallel zur Ortsdurchfahrt verbarrikadiert, warf Töpfe und Tonscherben aus dem Fenster, setzte Dinge in Brand und drohte mit Gewalt, sollte jemand versuchen, in ihre Wohnung zu kommen: Dabei war auch von einem Messer die Rede.
Deeskalation als erster Schritt
Die Polizei setzte auf Deeskalation und hatte schließlich Erfolg: Die Frau gab auf, wurde von der Polizei in Gewahrsam genommen und in ein Krankenhaus gebracht.
„Wir sind froh, dass alles glimpflich ausgegangen ist“, so der Schömberger Feuerwehrkommandant Rainer Zillinger.
Er informierte mit Bürgermeister Matthias Leyn und dem Calwer Kreisbrandmeister vom Dienst, André Weiss, am späteren Vormittag in einem Pressegespräch über den Großeinsatz, an dem 70 Feuerwehrleute, zwölf Polizisten und zwölf Kräfte des Rettungsdienstes beteiligt waren. Wie Zillinger weiter mitteilte, sei gegen 7.30 Uhr die Meldung eines besorgten Nachbarn eingegangen, dass aus dem Dachfenster des Hauses am Ortsausgang Richtung Schwarzenberg Rauch komme, eine Person stehe am Fenster. Vor Ort wurde den Feuerwehrleuten schnell klar, dass das kein normaler Einsatz werden würde, so Zillinger. Die Frau, die in geordneten Verhältnissen lebe und bisher nicht auffällig geworden sei, habe suizidale Gedanken geäußert. Außerdem drohte sie den Einsatzkräften.
Deshalb wurden Polizei und Rettungsdienst informiert, so Zillinger weiter. Auch der Kreisbrandmeister und der Bürgermeister waren schnell vor Ort. Zillinger lobte die reibungslose Zusammenarbeit aller Beteiligten. Die Polizei wollte eine weitere Eskalation vermeiden und habe das Gespräch mit der Frau gesucht. Die Feuerwehr positionierte Drehleitern von beiden Seiten und bereitete im Haus alles vor, sollte der Brand sich ausbreiten. Außerdem kümmerte sie sich um die anderen Bewohner: Eine Mutter mit Kleinkind wurde bei Nachbarn in der Straße untergebracht. Eine gehbehinderte ältere Dame ließ man im Haus, weil sie zwei Stockwerke unter der Dachwohnung lebt – im Notfall hätte man schnell eingreifen können.
Ortsdurchfahrt gesperrt
Da man auf alles vorbereitet sein wollte, wurde die Ortsdurchfahrt vom Kreisel bei der Kirche bis zum Abzweig nach Oberlengenhardt von 8 bis zum Einsatzende um 10.30 Uhr gesperrt. „Wir haben alle Vorbereitungen getroffen, sollte sich die Lage ändern“, sagte Kreisbrandmeister Weiss. Die Feuerwehrleute hatten sich sogar die Baupläne des Hauses beschafft, um bei Bedarf den Überblick zu haben.
„Ich bin seit zehn Jahren Bürgermeister, aber so einen Einsatz gab es hier noch nie“, betonte Bürgermeister Leyn. Auch er lobte das gute Zusammenspiel aller Beteiligten, auch die Absprache mit dem Kreis Calw habe bestens funktioniert. „Wir sind dankbar, dass es so ausgegangen ist.“
Nachdem die Frau aufgegeben hatte, löschte die Feuerwehr die brennenden Gegenstände in der Wohnung. Die Frau hatte unter anderem Zeitungen, Bekleidung und Kleinmöbel angezündet, damit viel Rauch entsteht, so Zillinger. Ein größerer Brandschaden sei nicht entstanden, das Haus sei bewohnbar. Zu den Gründen, die für den Ausnahmezustand der Frau gesorgt hatten, lägen derzeit keine Erkenntnisse vor.
