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Kreis Calw -  01.02.2024
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Schüler im Kreis Calw haben mehr Probleme: Psychologen sollen näher ran

Kreis Calw. Die Verantwortlichen im Kreis Calw schlagen Alarm. In einer vom Bildungs- und Sozialausschuss des Kreistags einstimmig beschlossenen Resolution an das Zentrum für Schulqualität und Lehrerfortbildung Baden-Württemberg (ZSL) wird die Einrichtung eines Dienstsitzes der schulpsychologischen Beratungsstelle im Landkreis Calw gefordert. Bisher ist Pforzheim dafür zuständig.

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Schülerinnen und Schüler haben vermehrt mit Ängsten, Depressionen und anderen psychischen Auffälligkeiten zu kämpfen. Christin Klose/picture alliance/dpa/dpa-tmn Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn

Mit klaren Worten wird in dem Schreiben die dramatische Situation aufgezeigt: „Im Kreis Calw ist es seit längerem nahezu aussichtslos, die notwendigen Therapiemöglichkeiten zu vermitteln.“ Außerdem heißt es: „Vermehrt nehmen besonders starke Auffälligkeiten zu. In den Grundschulen: Trennungsängste, Schulangst beim Übergang von der Kindertagesstätte, aggressives Verhalten, Selbstverletzungen und Depressivität. In den weiterführenden Schulen: Essstörungen, Schulabsentismus (also häufiges Fernbleiben oder gar Schulverweigerung), selbstverletzendes Verhalten, Suizidgefahr und diverse Süchte.“

Zugleich werden in der Petition Argumente gegen Pforzheim genannt: „Über eine Autostunde vom südlichen Kreis Calw entfernt. Eltern können aus verschiedenen Gründen diese Möglichkeit nicht wahrnehmen. Das können fehlende finanzielle Mittel sowie familiäre oder organisatorische Gründe sein.“ 

Außenstelle der schulpsychologischen Beratungsstelle

Kreisverwaltung und Kreisräte verlangen deshalb unter anderem „eine fest verortete Außenstelle der schulpsychologischen Beratungsstelle mit jeweils mindestens einer Dienststelle in den Bereichen Calw und Bad Wildbad.“ Zudem sollen die in Pforzheim dem Kreis Calw zugeordneten Fachkräfte auch dorthin verlegt werden. Das Beratungsangebot, so der dringende Wunsch, soll an festgelegten Schulen zu festen Tagen und Uhrzeiten vorgesehen werden.

Unterstützt wird die Forderung durch die Ergebnisse einer Umfrage an 67 Schulen im Kreis Calw. Sozialdezernent Tobias Haußmann listete auf: „77 Prozent der Schulleitungen verneinen, dass die Angebote zeitnah und in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen.“ Noch eindeutiger ist das Meinungsbild, wenn es um eine Verlegung des Dienstsitzes in den Kreis Calw geht: 96 Prozent der Befragten sehen darin eine Verbesserung. 

Schon vor einem Dreivierteljahr hatten sich Landrat Helmut Riegger und im Namen der Bürgermeister im Landkreis der Wildberger Rathauschef Ulrich Bünger an die ZSL gewandt und dabei eine Abfuhr erhalten. Die Erreichbarkeit in Pforzheim wird in dem Antwortschreiben als „durchaus geeignet“ geschildert. Außerdem, so schreibt der ZSL-Sprecher, stünden im Kreis Calw 21 Beratungslehrkräfte zur Verfügung.

Im Ausschuss kritisierte SPD-Kreisrat Lothar Kante, dass die ZSL „verstärkt auf Möglichkeiten der Online-Beratung“ verweist: „Das ist bei Krisensituationen weltfremd.“ Noch deutlicher wurde sein Kreisrats-Kollege von den Freien Wählern und Arzt Dr. Eberhart Bantel: „Was die ZSL schreibt, ist leicht unverschämt.“ 

Autor: Bruno Knöller