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Karlsruhe -  01.07.2026
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Sons of Sounds: Drei Brüder aus Ettlingen mit der Lebensaufgabe Heavy Rock

Ettlingen/Waldbronn. Unternehmer, Bandkollegen und Familie: Die Beselts gründeten vor fast 20 Jahren die Sons of Sounds und 2013 den Club „Soundcheck One“.

Lange Haare, ernste Blicke, große Herzen: Roman (von links), H. (Hubert) und Wayne Beselt von den Sons of Sounds widmen ihr Leben dem Heavy Rock.
Lange Haare, ernste Blicke, große Herzen: Roman (von links), H. (Hubert) und Wayne Beselt von den Sons of Sounds widmen ihr Leben dem Heavy Rock. Foto: Dühnen

Was machen drei Söhne einer aus Sibirien eingewanderten Musikerfamilie – die Mutter Konzertpianistin und Dirigentin – im Alter von 21, 15 und 13 Jahren nach der Schule? Sich schlagen, streiten oder eine Heavy-Rock-Band gründen? Letzteres stimmt, trotz Altersunterschied. Das Jahr ist 2006 und die Brüder Roman (42), Wayne (35) und Hubert (H., 33) Beselt aus der Region Karlsruhe/Ettlingen gründen die Sons of Sounds.

Iron Maiden in Waldbronn

Heavy-Metal-Fans kennen das Trio auch als die Betreiber des „Soundcheck One“ in Waldbronn. Der Rock-Club erfreut sich so großer Beliebtheit, dass die Beselts die Kapazität nun von 150 auf 1000 Personen erweitern, wie Roman, Sänger und Bassist der Band, im Proberaum auf dem Gelände des Musikclubs erzählt. „Wenn mir mit 16 jemand gesagt hätte, dass ehemalige Iron-Maiden- und Judas-Priest-Sänger einmal in unserem Club auftreten würden, hätte ich ihn für verrückt erklärt“, lacht der älteste Beselt.

Der kreative Kopf übernimmt das Storytelling – cool, reflektiert und visionär –, unterstützt vom Mittelkind Wayne, dem lustigen und offenen Organisator der Band. Eher still, aber keineswegs zu unterschätzen, wirft H., der Jüngste, immer wieder kürzere Kommentare ein. Auffallend ist: Sie fallen sich kaum ins Wort. Ein eingespieltes Team eben. Und alle tragen lange Haare, nur Roman hat sie zu einem Zopf gebunden. Ganz typisch Heavy Metal. So böse, wie die Musiker auf der Bühne oder in ihren Videos wirken, sind sie allerdings gar nicht. Zur Begrüßung und Abschied stehen die drei lächelnd und winkend vor dem „Soundcheck One“.

Drei Brüder, ein Team

Innerhalb von 20 Jahren Bandgeschichte und mehr als einem Jahrzehnt „Soundcheck One“ haben sie sich nicht zerstritten. Vielleicht gerade, weil sie Brüder sind. „Das Vertrauen ist wahrscheinlich der größte Vorteil. Wir verstehen oft ohne viele Worte, was der andere meint“, sagt H. Auf die Frage nach den Schattenseiten antwortet Wayne, dass man, gerade weil man sich so gut kennt, auch schnell aneinandergeraten kann. „Außerdem lassen sich Band und Familie nicht wirklich voneinander trennen“, findet er. So oder so habe die Band die Brüder näher zusammengebracht, sind sich alle einig.

Von Klassik zu Heavy Rock

Begonnen hat alles mit Geige und Klavier, erzählt Roman. Zuhause war klassische Musik angesagt. Der Vater arbeitete in Russland als Musiker und Entertainer in Lokalen und auf Veranstaltungen und konnte sich eher mit dem Stilwechsel anfreunden. Die Mutter – Leiterin einer Musikhochschule in Nowosibirsk – hat sich laut Roman als deren strengste Kritikerin entpuppt. „Sie hört jeden falschen Ton sofort heraus.“ Der Vater arbeitete in Russland als Musiker und Entertainer in Lokalen und auf Veranstaltungen und konnte sich eher mit dem Stilwechsel anfreunden. „Musik war bei uns zu Hause immer präsent. Überall standen Instrumente herum: Klavier, Mandoline, Akkordeon und vieles mehr.“ Klar sei, ohne die Unterstützung der Eltern, wären die Sons of Sounds nicht so weit gekommen, betont Roman.

Wayne und H. hatten bereits zusammen musiziert, bevor Roman dazukam, der damals noch in einer anderen Band spielte. Die Brüder probten zunächst im Wohnzimmer der Eltern.

Aus eigener Überzeugung

Auf russische Komponisten und slawische Folklore folgten laute Schlagzeugbeats, harte Gitarrenriffs, Iron Maiden und Dio. Eines Tages trat ein Nachbar, der sich schon öfter über die Lautstärke beschwert hatte, die Haustür ein, erinnert sich Wayne. Danach suchten sie sich einen Proberaum.

Besonders wichtig war Roman, dass die beiden Jüngeren nicht einfach mitmachten, weil er der große Bruder war. „Ich wollte, dass sie aus eigener Überzeugung Teil der Band werden.“ Überzeugt waren sie. Einen Bandcontest in Ettlingen gewannen sie 2007 direkt in der Vorrunde und anschließend auch die nächste Runde. Von da an wurden die Ferien mit Proben verbracht. „Die ersten Konzerte wurden mehr, dann kamen Festivals, Touren und später die ersten Alben“, sagt Wayne.

Geoff Tate und Nazareth

Auf die drei Brüder kamen turbulente Zeiten zu. 2024 waren die Beselts noch mit dem weltweit bekannten US-amerikanischen Metal-Sänger und Songwriter Geoff Tate unterwegs. Gerne erinnert sich Roman an Open-Air-Festivals wie Rock of Ages oder das Knock Out Festival. Für Wayne waren die großen Touren im Nightliner ein Highlight – die Tourbusse mit Schlafkabinen, etwa als die Band als Vorgruppe von Nazareth unterwegs war.

Übrig von dieser Zeit bleiben viele Geschichten, sagt Roman. „Nach fast 20 Jahren verschwimmt vieles auch. Gerade in den Anfangsjahren haben wir natürlich alles sehr intensiv gelebt“, “Natürlich wurde viel gefeiert. „Man war jung, ständig unterwegs und ständig passierte irgendetwas Kurioses“, spricht der Älteste für die Bandmitglieder, die mittlerweile teilweise eigene Familien haben und beruflich neben dem „Soundcheck One“ sehr eingespannt sind – alle im musikalischen Bereich etwa als Gitarrenlehrer oder Veranstaltungstechniker.

„Die Tour, die keine war“

Ein Abenteuer, an das sich die Brüder bis heute mit einem Lachen erinnern, war ihre erste USA-Tour – oder, wie Wayne sie nennt: „Die Tour, die keine Tour war“. Über einen Kontakt aus der Metalszene sollte eine rund 20 Konzerte umfassende Tour zustande kommen, erzählt Roman. Flüge waren bereits gebucht, die Vorfreude groß. Doch kurz vor der Abreise verschwand der Organisator plötzlich von der Bildfläche.

Statt die Reise abzusagen, flogen die damals 21-, 17- und 15-Jährigen trotzdem nach Seattle und organisierten sich mithilfe von Verwandten und eigenen Kontakten kurzfristig einige Auftritte. Aus der geplanten großen Tour wurde zwar nicht der große Wurf, dafür aber eine Lektion fürs Leben. „Alle paar Meter entdeckte man neue Bands. Da wurde uns klar, wie klein wir eigentlich noch waren und wie groß die Konkurrenz in einer echten Musikmetropole ist“, lautet Romans Fazit.

Dort lernten die Brüder, dass Talent allein nicht reicht. „Ohne Kontakte, Strukturen, Promotion und die richtigen Leute im Hintergrund wird es unglaublich schwer“, haben sie gemerktSo sind die Sons of Sounds heute keine Mainstream-Band, aber in der deutschen und europäischen Rock- und Metal-Szene durchaus etabliert. Mehr als 350 Konzerte, sieben Studioalben, 36 Musikvideos auf YouTube, von denen mehrere die Marke von 100.000 Aufrufen überschritten haben, und viele treue Fans zeugen davon.

Musik und Texte stammen meistens von Roman. „Das Arrangement und die endgültige Ausarbeitung machen wir dann gemeinsam“, sagt er. Die Ideen entstehen oft durch Beobachtungen, Begegnungen oder Situationen, die ihn beschäftigen.

„Back to the roots“

Nächstes Jahr feiern die Sons of Sounds ihr 20-jähriges Jubiläum, nachdem sie in den vergangenen Jahren vor allem wegen des Hallenumbaus weniger Zeit zum Proben hatten. „Die ersten Songs für das neue Album sind bereits fertig“, sagt Roman. Dabei besinnen sie sich wieder auf ihre musikalischen Wurzeln. Mit Klavier und Geige möchten sie einige besondere Shows spielen. Der klassische musikalische Einfluss der Eltern sei aber nie ganz verschwunden, weiß Roman. „Manchmal schreibt man eine Melodie und merkt erst später, dass sie einen an etwas aus der Kindheit erinnert.“