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Pforzheim -  20.05.2026
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Sorgenkinder mit Aussicht: Türme in Hohenwart und Büchenbronn sind unbenutzbar

Pforzheim. Gleich beide großen Aussichtstürme der Pforzheimer Höhenstadtteile sind wegen Baufälligkeit außer Betrieb genommen worden – in Hohenwart in tragischem zeitlichem Zusammentreffen mit dem Todessprung dreier Schülerinnen 2024, aber offiziell ohne Zusammenhang damit. Von der mittlerweile zurückgebauten markanten hölzernen Turmkonstruktion der „Hohen Warte“ sind nur Teile in einem Neubau zu gebrauchen.

Hohe Warte Update Gemeinderat
Eine hauchdünne Mehrheit bei vielen Enthaltungen sicherte immerhin den Ideenwettbewerb für einen möglichen Neubau der Hohen Warte. Foto: Röhr

Wie dieser aussehen soll, wird nun in einem Ideenwettbewerb geklärt. Der Bauausschuss des Gemeinderats hat den Auftrag dazu am Mittwoch an die Stadtverwaltung erteilt und die Kosten von 120.000 Euro abgesegnet. Die Zustimmung war aber denkbar knapp: Drei Ja (SPD, FDP, SL) standen sechs Enthaltungen (CDU, FL, GL, GfP) und zwei Nein-Stimmen (AfD) gegenüber – aus finanziellen Gründen. Der Wettbewerb wird mit Blick auf den Etat ohnehin erst 2027 stattfinden, ein auf ein bis drei Millionen Euro Kosten veranschlagter Neubau kaum vor 2029 fertig sein.

Rost und Suizide

Zu diesem Zeitpunkt könnte der zweite der großen Aussichtstürme auf Pforzheims Stadtteilhöhen wieder geöffnet werden – die auffällige rote Stahlkonstruktion auf Büchenbronner Gemarkung. 2024 hatte ein Schlosserbetrieb den Turm begutachtet. Ergebnis: Aufgrund der Schäden an der knapp 25 Meter hohen Stahlkonstruktion – insbesondere einer stark deformierten Stütze, gebrochener Knotenpunkte sowie Rostschäden – musste der Aussichtsturm gesperrt werden und blieb es auch.

„Die Schäden betreffen nicht nur Einzelteile. Deshalb ist ein abgestimmtes Gesamtkonzept erforderlich. Vor einer Sanierung kann der Aussichtsturm daher nicht mehr geöffnet werden“, heißt es in der Präsentation an den Bauausschuss, dem die Stadtverwaltung einen Zeit- und Kostenrahmen vorlegte.

Das Ziel: Der Aussichtsturm soll wieder in einen standsicheren, betriebssicheren und dauerhaft nutzbaren Zustand versetzt werden – unter Berücksichtigung seiner historischen Bedeutung und der denkmalpflegerischen Anforderungen an das über 140 Jahre alte Bauwerk, älter als der Eiffelturm und das einzige Bauwerk seiner Art weltweit.

Zunächst wird der Turm hierfür weiter gesperrt und gesichert, dann gründlicher untersucht, schließlich ein Sanierungskonzept entwickelt. Die grobe Kostenschätzung geht für die Sanierung von 750.000 Euro aus, von denen die Hälfte als Zuschuss vom Land kommen könnte – die Sanierung könnte im Sommer 2027 beschlossen und im Sommer 2029 fertiggestellt werden. Die CDU kündigte Ablehnung an – angesichts von möglicherweise anstehenden mehreren hundert Millionen Euro an Ausgaben für Insel- und Buckenberg-Campus sei dafür möglicherweise kein Geld da, so CDU-Stadtrat Frank Johannes Lemke. Zumal der Turm wegen des Denkmalschutzes keine echte Sicherung gegen Sprünge in Selbsttötungsabsicht erhalten kann, was auch Martin Erhardt (CDU) und Sabine Zeitler (FL) thematisierten. Eine Entscheidung steht aber erst kommendes Jahr an. Kai Adam (SPD) erinnerte demgegenüber an die Bedeutung des Turms, Hans-Ulrich Rülke (FDP) an die berechtigten Interessen der Stadtteile.

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