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Pforzheim -  24.03.2020
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Sprechstunden für Fieberpatienten: Erste Infekt-Ambulanzen starten in Huchenfeld und Maulbronn

Pforzheim-Huchenfeld/Maulbronn. Patienten mit Fieber und Infekten haben es zunehmend schwer, einen Sprechstunden-Termin zu bekommen. Damit bei länger anhaltenden Beschwerden jedoch auch diese Patienten sowie fieberhafte Patienten mit Vorerkrankungen von einem Arzt ambulant versorgt werden können, soll ab Mittwoch, 25. März, um 15 Uhr Pforzheims erste Infekt-Ambulanz in der Huchenfelder Hochfeldhalle eröffnen. Gleichzeitig geht solch eine Schwerpunktpraxis auch in der Postscheuer in Maulbronn an den Start.

In der Huchenfelder Hochfeldhalle wird die erste Infekt-Ambulanz eröffnet. Ideengeberin Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth (rechts) und die Huchenfelder Ortsvorsteherin Sabine Wagner erhoffen sich davon, die ambulante Versorgung von Fieberpatienten aufrecht zu erhalten und die Praxen und Krankenhäuser zu entlasten. Foto: Lutz
In der Huchenfelder Hochfeldhalle wird die erste Infekt-Ambulanz eröffnet. Ideengeberin Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth (rechts) und die Huchenfelder Ortsvorsteherin Sabine Wagner erhoffen sich davon, die ambulante Versorgung von Fieberpatienten aufrecht zu erhalten und die Praxen und Krankenhäuser zu entlasten. Foto: Lutz

Da viele Praxen nicht über ausreichende Schutzkleidung verfügen, werden Patienten mit Fieber und Infekten derzeit zunehmend gebeten, nicht in die Arztpraxen zu kommen. Eine neue Regelung macht die Krankschreibung auch aus der Ferne möglich. Die erste Infekt-Ambulanz in Huchenfeld ermöglicht dagegen ein direktes Gespräch. „Es geht darum, Fieberpatienten ambulant versorgen zu können", erklärt die Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth, Hausärztin in Huchenfeld und Pressesprecherin der Pforzheimer Ärzteschaft, die die Idee zur Ambulanz hatte und mit der Huchenfelder Ortsvorsteherin Sabine Wagner auf den Weg gebracht hat.

Von Ärzten aus den umliegenden Gemeinden unterstützt

Bei Buhlinger-Göpfarth liegt auch die ärztliche Leitung der neuen Ambulanz, die bei der Arbeit von ihren „großartigen Kollegeninnen und Kollegen“ aus den Gemeinden rund um Huchenfeld unterstützt wird. Koordiniert werden soll das Angebot über den ärztlichen Bereitschaftsdienst. So sollen Patienten entweder direkt von ihrem behandelndem Hausarzt oder über die Telefonhotline des Bereitschaftsdiensts in die neue Ambulanz geschickt werden. Die Ambulanz ohne Voranmeldung durch den Bereitschaftsdienst, den Hausarzt oder das Gesundheitsamt aufzusuchen, ist nicht möglich.

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Ausdrücklich lobte Buhlinger-Göpfarth die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt und dem Krisenstäben der Stadt Pforzheim und des Enzkreises. Ziel der Fieberambulanz ist es, die ambulante Versorgung von Fieberpatienten aufrecht zu erhalten und die Praxen und Krankenhäuser zu entlasten.

OB Boch und Landrat Rosenau

„Wir sind den Initiatoren sehr dankbar, die gemeinsam mit dem Gesundheitsamt eine schnelle und sehr praxisnahe Lösung erarbeitet haben. Mit dieser Fieber-Ambulanz sollen reguläre Versorgungsstrukturen aufrechterhalten werden und gleichzeitig Krankenhäuser entlastet werden“, so Oberbürgermeister Peter Boch und Landrat Bastian Rosenau in einer gemeinsamen Stellungnahme. „Es ist großartig zu sehen, wie an allen Stellen in Pforzheim und dem Enzkreis gearbeitet wird, um Angebote wie diese zu ermöglichen“. Nun werde an weiteren Infektpraxen in beiden Gebietskörperschaften gearbeitet.

PZ-news gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was genau ist eine Fieber-Ambulanz (Schwerpunktambulanz)?

Viele Praxen verfügen immer noch über keinerlei oder zu wenig Schutzausrüstung und mussten daher fieberhaft Erkrankte oder Patientinnen und Patienten mit Atemwegs-Beschwerden abweisen. Dies führte zur Überlastung der Rufnummer 116117 und der Krankenhäuser sowie der Hotline des Gesundheitsamts. Mit Schwerpunktpraxen können jetzt reguläre Versorgungsstrukturen aufrechterhalten werden.

An wen richtet sich das Angebot einer Fieber-Ambulanz?

Das Angebot richtet sich an die Hausärzte, die ihre fieberhaft Erkrankten oder Patientinnen und Patienten mit akuten Atemwegserkrankungen dort anmelden können. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass das Aufsuchen der Fieber-Ambulanzen nicht aus freien Stücken sondern nur nach Voranmeldung durch den Hausarzt möglich ist!

Wo befinden sich die Ambulanzen und welche Sprechzeiten haben sie?

Die Ambulanz in Huchenfeld befindet sich in der Hochfeldhalle, Zum Nagoldblick 2, und hat bereits ab Mittwochnachmittag, um 15 Uhr geöffnet. Die regulären Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag zwischen 9 und 11 Uhr und zwischen 15 und 17 Uhr. Samstags zwischen 11 und 15 Uhr. Öffnungszeiten können an die Bedarfe angepasst werden, wenn die Kassenärztliche Vereinigung oder weitere Kolleginnen und Kollegen der Betrieb unterstützen.

Die Ambulanz des Enzkreises befindet sich in der „Postscheuer“, Unterer Eingang Frankfurterstraße 2, in Maulbronn. Die regulären Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag 11 bis 13 Uhr. In dieser Zeit werden nur Patienten aufgenommen, die zuvor bereits Kontakt zu ihrem Hausarzt hatten und von ihrem Hausarzt ( Region Maulbronn/Ölbronn) in die Schwerpunktpraxis geschickt wurden.

Warum hat man sich dazu entschlossen?

Fieberhaft Erkrankte oder Patienten mit akuten Atemwegserkrankungen sollen über ihre Hausärzte Anlaufstellen für Diagnostik und Behandlung haben. Krankenhäuser und Notfallpraxen sollen so entlastet werden. Ziel ist auch mit dieser Lenkung der Patientenströme die Weiterverbreitung des Virus zu verlangsamen und Patienten und Personal bestmöglich zu schützen.

Welche Art von Beschwerden werden dort behandelt/ beraten?

Fieberhaft Erkrankte und Patienten mit akuten Atemwegserkrankungen.

Welcher Unterschied besteht zwischen der neuen Infektpraxis und einem Corona-Testzentrum?

Testzentren wie die Corona-Ambulanz am Helios-Klinikum bieten ausschließlich Diagnostik, die Infektpraaxen hingegen Diagnostik und Behandlung.

Wie kam es zur Einrichtung dieser Ambulanzen?

Es ist die Steuerungsgruppe medizinische Versorgung, an der unter anderem die Ärzteschaft, die Kliniken das Gesundheitsamt, der Enzkreis und die Stadt Pforzheim beteiligt sind, die das auf den Weg gebracht hat.

Wie sieht der klassischer Patient aus?

Die Kontaktdaten der Ambulanzen werden den Hausärzten zur Verfügung gestellt. Der Patient wird bei Bedarf durch seinen Hausarzt dorthin weiter vermittelt. Dieses Angebot wird durch die Hausärzte in Anspruch genommen.

Wie sind die Ambulanzen zusammengesetzt?

In einer Ambulanz arbeiten niedergelassene Ärzte und Medizinische Fachangestellte.

Welche Vorsichtsmaßnahmen werden in den Ambulanzen getroffen?

Die Patienten bekommen einen Mundschutz, die Hände werden desinfiziert und räumliche Trennungen werden sichergestellt.

Autor: Jeanne Lutz