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Pforzheim -  14.01.2026
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Von Grillhähnchen bis Döner-Spezialitäten: Mittendrin in Pforzheims neuer Fast-Food-Meile

Pforzheim. Der Wandel vollzieht sich seit Jahren. Deshalb gibt es bereits echte Platzhirsche auf dieser Pforzheimer Meile vom Leo hinunter bis weit hinein in die Zerrennerstraße, aber auch Neulinge. Alle eint das Ziel, hungrige Passanten in ihre Fast-Food-Stuben zu locken. Der Wettbewerb ist also groß. Aber auch die potenzielle Kundschaft. Denn in einer Stadt mit Einwohnern aus mehr als 130 Nationen dürfte die Nachfrage nach internationalen Speisen besonders hoch sein. Doch offenbar gibt es etwas, das alle in Pforzheim eint: das Verlangen nach einem Kult-Snack.

Innenstadt Gastronomie
Die Hähnchen sind im „Paradies-Grill“ ein Dauerbrenner: Zemar Alhamka (links) mit seinem Kollegen Ranjo. Foto: Meyer

„Döner!“ – „Döner!“ – „Döner!“ Immer wieder hört das PZ-Team diese Antwort auf die Frage nach dem Bestseller des Hauses. Doch natürlich haben die Befragten auch anderes Spannendes zu erzählen. Anlaufstellen für die Reporter finden sich genug – und es werden noch mehr. Gleich oben an der Leopoldstraße lässt sich beim Blick durch die Schlitze der großflächig abgeklebten Schaufenster erahnen, welch umfassender Umbau gerade dort läuft, wo bis vor Kurzem „ReSales“ gebrauchte Kleidung an die Frau und den Mann brachte. „Bald eröffnen wir!“, steht auf den Folien, hinter denen eifrig gewerkelt wird. „Happy Baker“ geht demnächst an den Start. Visualisierungen versprechen modernes Ladendesign und sowohl eine große Verkaufstheke als auch einen Café-Bereich.

Backshops dieses Namens gibt es bereits in der West- wie in der Nordstadt. Jüngst hatte zudem im Gelben Haus beim Waisenhausplatz die Balkan-Bäckerei „Lejla“ eröffnet. In der City finden sich weitere solcher internationaler Bäckereien. Auch an der Leopoldstraße selbst, wo unweit einer „Katz“-Filiale „Damla’s Backstub“ Lahmacun und Pide zum Frühstück serviert, aber auch Brot und Brötchen feilbietet.

Konkurrenzdruck allerorten. Der Reigen der Imbisse beginnt mit „Leol Grill“, vor gut einem Jahr von dem aus dem Irak stammenden Shaheen Al-Omar eröffnet, der die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Natürlich spüre er den steigenden Konkurrenzdruck, sagt er der PZ: „Aber wir sind dankbar und zufrieden.“ Mit Sonderangeboten über die Mittagspause für Schüler kurbelt er das Geschäft an. Es müsse sich weisen, ob die gesunkene Mehrwertsteuer ein wenig Spielraum bei der Preisgestaltung gewähre.

Einst Möser, jetzt Döner

Als Happen schnappen kann man hier direkt an der Bushaltestelle Pizzen, Grillgerichte, Hähnchen wie beim traditionsreichen Nachbarn „Kochlöffel“ – und eben Döner. So wie ein paar Schritte weiter in dem Schnellrestaurant, das bis vor kurzem noch unter dem Namen „Bam Bam Keb’Up“ firmierte. Ganz früher waren in diesem exponierten Eckgebäude Modebewusste im Traditionshaus Möser ein- und ausgegangen.

Gleich um die Kurve versucht Riad Hamze seit rund einem halben Jahr im „Baytuna“ mit libanesischer Küche sein Glück. Hier war zuletzt ebenfalls ein Backshop am Start. Als der auszog, schlug Hamzes Stunde: „Das war meine Chance.“ Seither sind Fleiß und Geduld gefragt. „Viele kennen uns noch nicht“, weiß der Betreiber, der auf Wünsche reagiert. Zunächst habe er es alleine mit libanesischen Spezialitäten versucht: Reis mit Hähnchen oder Rind, Fattoush- und Tabulé-Salat, Hummus und Schawarma, ein gefülltes Fladenbrot mit sauren Gurken und Knoblauchsoße.

„Aber alle lieben Döner“, erläutert Hamze, warum er die klassische Variante ins Sortiment aufnahm.

Gewinnen will er die Herzen Hungriger auch über den Preis. Die fünf Euro pro Döner sind ein aktuelles Angebot und wohl nicht dauerhaft zu halten. Andernorts werden dafür bis zu 8,50 Euro aufgerufen. Sauberkeit sei ein wichtiger Faktor.

Stolz erzählt der Libanese, dass eben erst der behördliche Check stattgefunden habe: „Alles in Ordnung!“ Klar: Miete, Strom, Gas, das koste. Deshalb laute die Maxime: „Man muss arbeiten!“ Mit der Familie bewirtschaftet Hamze das „Baytuna“ nonstop von Montag bis Sonntag.

Ein Takt, der nicht nur hier vorherrscht. Denn spaziert man auf der Zerrennerstraße weiter – vorbei am Handyshop „PhoneStar“, dem „multimarkt“ mit orientalischen Lebensmitteln und einem Nagelstudio –, rennt man beim „Paradies-Grill“ eigentlich immer offene Türen ein. Seit etlichen Jahren hat dieser Imbiss quasi einen Dauer-Lauf.

Zeitweise steht die Kundschaft hier Schlange, in die sich nicht selten ein lokaler Promi einreiht. Uwe Hück sei sein Trainer und hier Stammkunde, berichtet strahlend Zenar Alhamka, der begeisterter Thaiboxer ist, wenn er mal ausnahmsweise nicht Bestellungen annimmt. „Das Paradies schließt nie“, erläutert der Iraker augenzwinkernd die umfassenden Öffnungszeiten. Burger gibt es hier auch, aber die Hähnchen sind der Renner dieser Braterei. Warum bleibt das so, während ringsum ähnliche Läden im Zeitraffer öffnen und schließen? „Freundlich sein, das ist unsere Regel Nummer eins“, versucht Alhamka einen Erklärungsansatz: „Wir hören den Kunden zu und sind immer für sie da.“

Der Gegensatz zur Kontaktpflege ist in unmittelbarer Nachbarschaft zu bestaunen. Dort hat einer dieser Automaten-Kioske eröffnet, die derzeit ebenfalls im gesamten Stadtgebiet boomen. Ob dieser Trend Bestand hat? Manchmal wendet sich recht schnell das Blatt, und wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. So ist etwa der große Bubble-Tea-Run längst wieder Geschichte. Der kleine Laden an der Leopoldstraße, in dem diese süße Tee-Variante noch zu haben ist, schwimmt inzwischen auch auf der Matcha-Welle mit.

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