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Enzkreis -  04.08.2020
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Spuckattacke auf Polizisten vor Gericht: Acht Beamte konnten eine Woche nicht zum Dienst

Enzkreis. Eines steht fest: Es war ein äußerst turbulenter Samstagabend im April, der am Dienstag vor dem Pforzheimer Amtsgericht aufgeklärt werden sollte. Auf der Anklagebank saß ein 52-jähriger Deutscher, dem nicht nur Handgreiflichkeiten gegen seine Frau vorgeworfen wurden. Die Liste reichte bis zum heftigen Widerstand gegen Polizeibeamte, die er auch  noch übel beleidigt hat. Besonders im Fokus standen mehrfache Spuckattacken gegen die Beamten. Sie waren so brisant, weil der Mann unter Corona-Verdacht stand und deshalb – wie die ganze vierköpfige Familie – in Quarantäne war.

Eine Auseinandersetzung ums Anlegen eines Mundschutzes wie auf diesem Symbolbild stand am Anfang der mutmaßlichen Spuckattacke. Foto: CHUTIDECH/Adobe Stock
Eine Auseinandersetzung ums Anlegen eines Mundschutzes wie auf diesem Symbolbild stand am Anfang der mutmaßlichen Spuckattacke. Foto: CHUTIDECH/Adobe Stock

In einem Folgetermin soll genauer geklärt werden, wie das Spucken einzuschätzen ist: Eher als Abwehr, weil der Lungenkranke keine Luft bekam und die Maske loswerden wollte, oder aber als Angriff auf die Beamten, die danach wegen eines Corona-Tests eine Woche nicht zum Dienst gehen konnten.

Wie der Angeklagte Richterin Stephane Ambs berichtete, habe an jenem 11. April schon den ganzen Tag gereizte Stimmung geherrscht. Er habe mit seiner Frau und den beiden Stiefsöhnen auf jemanden vom Amt gewartet, der Lebensmittel einkaufen sollte. Als niemand kam, habe er eine Wut gekriegt, die er mit Alkohol hinunter gespült habe. Etwa fünf Bier und drei Schnäpse seien es gewesen. Schließlich sei er mit seiner Frau in Streit geraten, der sich zum Teil auch auf dem Hof abspielte. Wegen der Auseinandersetzung alarmierten zwei Frauen aus der Nachbarschaft die Polizei. Es sei nicht der erste lautstarke Streit zwischen den Eheleuten gewesen. Diesmal habe der 52-Jährige seiner Frau ins Gesicht geschlagen, so die beiden Zeuginnen. Das bestritt der Mann jedoch und auch seine Frau und der 15-jährige Stiefsohn sagten aus, dass es sich eher um eine Rangelei gehandelt habe: Man wollte erreichen, dass er erstmal draußen bleibt und sich abregt.

Das klappte auch zunächst, aber als die Polizisten vom Revier Neuenbürg mit mehreren Streifenwagen ankamen, war er sofort wieder auf 180. Denn die Beamten waren informiert worden, dass die Familie in Quarantäne lebt und forderten die Beteiligten auf, Masken aufzusetzen. Dagegen setzte sich der Mann sofort zur Wehr, beleidigte die Beamten und griff sie an – schließlich spuckte er sogar um sich, als die Polizisten ihm die Maske aufsetzen wollten. Er sagte aus, das sei gar kein Spucken gewesen: Die Maske sei zum Teil in seinem Mund gelandet, deshalb habe er sie wieder loswerden wollen. Er habe den Beamten außerdem gesagt, dass er an einer  Lungenkrankheit leide und sie mehrfach darauf hingewiesen, dass er keine Luft bekomme. Aus Panik habe er getreten und um sich geschlagen. Der Mann verbrachte eine Nacht in Polizeigewahrsam, bevor er am nächsten Tag zurück nach Hause konnte.

Die Polizisten beschrieben, wie der Angeklagte sie von Anfang an lautstark beleidigt und beschimpft habe. Das sei auch im Auto noch weitergegangen, als er schrie, sie und ihre Familien sollten qualvoll an Corona sterben – und bei der ärztlichen Untersuchung habe er auch den Mediziner beleidigt. Nur zum Teil hatten sie mitbekommen, dass er auf seine Krankheit hingewiesen und gesagt habe, er bekomme keine Luft. Dafür habe er ziemlich viel Luft zum durchgängigen Schreien gehabt, so ihr Eindruck. Mehrere Beamte waren beschäftigt, ihn zu Boden zu bekommen, die Handschellen anzulegen und ihm schließlich eine Maske aufzusetzen. Ob der Mann zielgerichtet gespuckt hat, daran hatten manche ihre Zweifel. Dazu soll im Fortsetzungstermin ein weiterer Polizist befragt werden, der am Dienstag in Urlaub war.

Die Corona-Tests bei den acht Beamten der Nachtschicht endeten übrigens negativ. Auch bei dem Mann stellte sich heraus, dass er nicht erkrankt ist, in der Familie war nur der ältere Sohn betroffen.

Autor: sab