Tagespflege in Pforzheim stellt plötzlich den Betrieb ein: Was passiert jetzt mit den Betroffenen?
Pforzheim. Was tun, wenn die Mutter oder der Vater, die Großmutter oder der Großvater tagsüber Betreuung brauchen, ein Umzug ins Pflegeheim aber nicht infrage kommt? Die Lösung für viele lautet oft: Tagespflege. Neben wichtiger Betreuung bieten sie aber vor allem eines: Gemeinschaft. Auch Einsamkeit im Alter ist ein wachsendes Problem. Gleichzeitig bieten Tagespflegeeinrichtungen den Seniorinnen und Senioren einen strukturierten Tagesablauf.
Doch was, wenn eine Einrichtung, die ältere Menschen besuchen, überraschend schließt? Genau das ist nun bei der Tagespflege „Schauinsland“ an der Carl-Schurz-Straße im Sonnenhof geschehen. Gregor Metzler kann das nicht verstehen. Seine Mutter besuchte die Einrichtung. „Das ist ein super Gebäude, und die Mitarbeitenden haben auch einen sehr guten Job gemacht“, erklärt er im Gespräch mit der PZ. Und auch die Art, wie die Schließung kommuniziert wurde, kritisiert der Betriebswirt.
„Am 25. Oktober hatten wir ein Schreiben im Briefkasten, dass wir (Angehörige, Mitarbeiter, Pflegegäste) am 28. Oktober zu einer Versammlung eingeladen sind“,
berichtet Metzler weiter.
Doch so kurzfristig sei es für ihn und viele andere Angehörige schwierig gewesen, den Kalender für dieses Treffen zu leeren.
Per Mail wandte er sich an den Betreiber der Einrichtung, das Unternehmen Korian Eichenpark. „Eine derart einschneidende Maßnahme ohne transparente Kommunikation wirft Fragen auf und hinterlässt bei allen Beteiligten den Eindruck mangelnder Wertschätzung“, kritisierte er die Entscheidung.
Laut Metzler seien die Mitarbeiter ebenso überrascht über die Schließung gewesen. Gründe, wieso die Tagespflege geschlossen werden muss, wurden nach Aussage des Pforzheimers den Betroffenen nicht kommuniziert. „Gerade bei einer Einrichtung mit so hoher sozialer Bedeutung wäre es zwingend erforderlich gewesen, alle Optionen zur Fortführung oder Unterstützung auszuschöpfen, bevor eine endgültige Schließung beschlossen wird“, schrieb er an die Korian-Geschäftsführung weiter. Bis heute aber habe er weder Antworten auf seine Mail, noch eine Entschuldigung bekommen. „Ich finde es einfach schade, dass wieder eine Einrichtung geschlossen wird“, betont er.
Auf Nachfrage der Redaktion nennt Korian einen auslaufenden und nicht verlängerten Mietvertrag als Grund für die Schließung.
„Hintergrund ist, dass der Standort aufgrund der gegebenen Rahmenbedingungen wirtschaftlich leider nicht mehr tragfähig ist. Insbesondere die deutlich gestiegenen Personal- und Mietkosten stehen in keinem Verhältnis mehr zu den erzielbaren Einnahmen, so dass ein Fortführen der solitären Tagespflege leider nicht möglich ist“,
heißt es weiter.
Den Mitarbeitenden wurden laut Korian Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten in umliegenden Pflegeeinrichtungen angeboten. Die Gäste und Angehörigen unterstütze man auf Wunsch bei der Suche nach einem neuen Platz.
Von dieser Unterstützung hat zumindest Gregor Metzler nichts mitbekommen. Bis zur Schließung Ende Dezember hatte er für seine Mutter noch keinen Platz in einer anderen Einrichtung. Für ihn glücklicherweise kein Problem, doch für viele andere Betroffene war das vermutlich nicht so einfach.
