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Pforzheim -  29.07.2020
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Tod einer 90-Jährigen in Engelsbrand: Haben Polizeibeamte zu spät reagiert? - Ludwigsburger Kripo ermittelt

Engelsbrand. Eine Zeitungsausträgerin der „Pforzheimer Zeitung“ hat am Mittwoch, 15. Juli, eine 90 Jahre alte Frau in Engelsbrand aufgefunden, die im Hof ihres Anwesens vor der Eingangstreppe lag. Offenbar hat die Seniorin zu diesem Zeitpunkt noch gelebt. Die Frage ist nur: Haben alarmierte Polizeibeamte zu spät reagiert? Hätte die 90-Jährige noch gerettet werden können? Antworten darauf sucht nun aus Neutralitätsgründen die Kriminalpolizei des Polizeipräsidiums Ludwigsburg.

Beamte des Polizeireviers Neuenbürg (Symbolbild) haben bei einem Notruf aus Engelsbrand richtig reagiert, Kollegen aus einem anderen Polizeirevier, die zuvor alarmiert wurden, hatten offenbar mit einer Reaktion gezögert. Jetzt ermittelt die Kripo Ludwigsburg.
Beamte des Polizeireviers Neuenbürg (Symbolbild) haben bei einem Notruf aus Engelsbrand richtig reagiert, Kollegen aus einem anderen Polizeirevier, die zuvor alarmiert wurden, hatten offenbar mit einer Reaktion gezögert. Jetzt ermittelt die Kripo Ludwigsburg.

Die nur schlecht Deutsch sprechende Zeugin verständigte das Polizeirevier Neuenbürg. Die Beamten fanden wenige Minuten später die offenbar gestürzte Person leblos vor. Bei der Vernehmung der Zeitungsausträgerin mit einer Dolmetscherin stellte sich heraus, dass diese bereits vor dem Telefonat mit dem Polizeirevier Neuenbürg ein anderes Polizeirevier kontaktiert hatte, dort jedoch aus noch zu ermittelnden Gründen keine Rettungsmaßnahmen eingeleitet wurden.

Nach der Obduktion der Verstorbenen ist davon auszugehen, dass die Frau ohne Fremdeinwirkung zu Fall kam und sich hierbei die tödlichen Verletzungen zuzog. Ferner sprechen die bisherigen Ermittlungen dafür, dass die Frau zum Zeitpunkt des ersten Anrufes der Zeitungsausträgerin noch lebte.

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Welche Telefonnummern hat die Zeugin gewählt? 

Was noch unklar ist: Welche Telefonnummern hat die Zeitungsausträgerin gewählt? Wer im Bereich des Polizeipräsidiums Pforzheim - und das zieht sich von Neulingen im Norden bis Freudenstadt im Süden - unter der klassischen Notrufnummer 110 anruft, landet automatisch im Führungs- und Lagezentrum der Polizei in Pforzheim und nicht auf einem Polizeirevier. Unter der Notrufnummer 112 wäre der Anruf aus Engelsbrand in der Integrierten Leitstelle in Pforzheim gelandet, und dort hätten für solche Telefonate ausgebildete Feuerwehrleute oder Rettungskräfte wohl sofort einen Notarzt alarmiert.

Die Staatsanwaltschaft hat daher gegen zwei Polizeibeamte ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es wird geprüft, ob möglicherweise gebotene polizeiliche Maßnahmen zu spät eingeleitet wurden und die Frau bei Einleitung sofortiger Maßnahmen noch hätte gerettet werden können. Gegen die Angehörigen des Polizeipräsidiums Pforzheim ermitteln nun Ludwigsburger Kriminalbeamte.

Autor: pol/tok