Trauer um Unternehmer Fritz Berthold: Seniorchef von Berthold Technologies mit 97 Jahren gestorben
Bad Wildbad. Er war Physiker, Tüftler, Unternehmer – und ein passionierter Musiker: Fritz Berthold, Seniorchef von Berthold Technologies mit Sitz in Bad Wildbad, ist Mitte Juli im Alter von 97 Jahren verstorben. Er prägte maßgeblich die Entwicklung des Messgeräteherstellers Berthold Technologies und leistete insbesondere auf den Gebieten der Strahlungsmesstechnik, des Strahlenschutzes und der Bioanalytik bedeutende Beiträge.
Fritz Berthold wurde 1929 in Berlin geboren. Während des Zweiten Weltkriegs zog seine Mutter mit den Kindern nach Bad Wildbad. Dort gründete sein Vater, der Röntgenphysiker Prof. Dr. Rudolf Berthold, 1949 das Unternehmen – damals noch als Labor in einem ehemaligen Hotel.
Nach dem Abitur studierte Fritz Berthold Physik in Stuttgart, Mainz und Freiburg sowie zeitweise in den USA. 1957 promovierte er an der Universität Freiburg auf dem Gebiet der Kernphysik, anschließend arbeitete er in der Hochenergiephysik und forschte im Auftrag der Max-Planck-Gesellschaft an der Stanford University in Kalifornien.
Der Tod seines Vaters war ein einschneidendes Erlebnis für Fritz Berthold, der seine Zukunft eigentlich in der Wissenschaft sah. Er brach schließlich den USA-Aufenthalt ab, kehrte nach Bad Wildbad zurück und übernahm das Familienunternehmen. 1960 wurde er Geschäftsführer und zugleich Leiter der Entwicklungsabteilung.
Zu seinen wichtigsten Entwicklungen gehörte der Radio-Dünnschichtchromatographie-Scanner, mit dem radioaktive Marker erstmals zerstörungsfrei und quantitativ bestimmt werden konnten – eine Weltpremiere. Während seiner Unternehmensführung stieg der Jahresumsatz nach Firmenangaben von 1,5 Millionen DM auf rund 80 Millionen DM. 1989 verkaufte Berthold das Unternehmen an den US-Konzern EG&G. Dann kam die Wende: 2000 kaufte die Familie es gemeinsam mit Hans J. Oberhofer zurück.
Berthold war nicht nur Wissenschaftler und Unternehmer. Seine große Leidenschaft galt der Kunst und der Musik. Er spielte Geige und war zeitweise Mitglied in den frühen Anfängen des Südwestdeutschen Kammerorchesters unter Friedrich Tilegant. Außerdem unterstützte er junge Musiker ideell und finanziell und förderte Konzerte für Studierende der Hochschule für Musik Karlsruhe. „Fritz Berthold verstand Kultur nicht als Luxus, sondern als Bereicherung des Lebens und als Verantwortung gegenüber der Gesellschaft“, schreibt die Familie.
Die Trauerfeier findet am Donnerstag um 14 Uhr auf dem Hauptfriedhof in Pforzheim statt.
