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Enzkreis -  01.09.2026
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Übervolle Regionalexpresse: Warum es viel zu kurze Züge gibt

Enzkreis. Pforzheim/Enzkreis/Mühlacker. Die Hinweise von Reisenden sind eindeutig: In den zurückliegenden Wochen sind die RE1-Zuggarnituren von Arverio mitunter enorm sparsam.

Ein RE1 von Arverio im Pforzheimer Hauptbahnhof: Kunden berichten von zu kurzen und übervollen Zügen.
Ein RE1 von Arverio im Pforzheimer Hauptbahnhof: Kunden berichten von zu kurzen und übervollen Zügen. Foto: Röhr

Ausgeschöpft

Sommerzeit ist Reisezeit. Auch wenn Schüler und so manche Berufspendler fehlen, die Regionalexpresse auf der Residenzbahn zwischen Stuttgart und Karlsruhe sind oft voll wie Sardinenbüchsen. In den Zügen selbst sind dann selbst die Stehplätze ausgeschöpft. Leser haben der Redaktion nun berichtet, dass die von Deutschlandticket-Reisenden so begehrten Regionalexpresse nun sogar noch voller sind. Der Grund: Die Zuggarnituren sind nicht selten deutlich verkürzt. Das sorgt für reichlich Ärger in der Kundschaft. Und besonders nervig ist das für Pendler, die beruflich auf den hiesigen RE1 angewiesen sind und nicht nur kostengünstig vollbepackt mit Rucksäcken und Koffern durch die Republik reisen.

Die Redaktion wollte sowohl von dem betroffenen Eisenbahnverkehrsunternehmen wissen, woran es hapert und bat überdies den Qualitätsanwalt für Fahrgäste der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) um eine Einschätzung.

Überlastete Infrastruktur

Die Arverio-Pressestelle antwortete wie folgt: „Die Linie RE 1 leidet generell unter der veralteten und überlasteten Infrastruktur. Verspätete Fernverkehrszüge und Anschlüsse in Stuttgart wie Karlsruhe machen den Betrieb immer wieder unzuverlässig. Die ständigen Einschränkungen und Sperrungen rund um das Vorhaben von Stuttgart 21 führen leider seit Jahren zu Zumutungen für die Fahrgäste in der Region.“

Dazu komme ein seit dem Deutschlandticket nochmals erhöhter Fahrgastandrang, der zwar sehr erfreulich sei und für die Beliebtheit der Linie spreche, „für den aber die Fahrzeugkapazität nie ausgelegt war, weil das niemand vorhersehen konnte“. Hinzu komme: Arverio habe beim RE1 derzeit Fahrzeugmangel. Es gebe einen Rückstand bei der Instandhaltung, der unter anderem auch deshalb entstanden sei, weil derzeit die Zuführung der Fahrzeuge in die Werkstatt nach Essingen bei Aalen aufgrund zahlreicher Baumaßnahmen im Netz der DB InfraGO erheblich eingeschränkt sei. Zusätzlich sei die Verfügbarkeit „unserer Fahrzeugflotte durch die laufende Umrüstung auf die neue Technik namens ETCS, die zukünftig rund um Stuttgart der Standard sein wird, angespannt“.

Fahrzeuge zum Umbau abgeben

Pressesprecher Winfried Karg erläutert: „Wir mussten also Fahrzeuge zum Umbau abgeben und haben von unserem Auftraggeber, dem Land Baden-Württemberg, dafür andere Fahrzeuge als Ersatz bekommen. Der fortlaufende Wechsel zwischen den Bestandsfahrzeugen vom Typ Flirt, die sich nach und nach in der Umrüstung befinden, und den Ersatzfahrzeugen klappt nicht immer so reibungslos, wie er sollte.“

Aufgrund dieses Fahrzeugmangels habe man dann manchmal die Wahl, einige Züge mit weniger Waggons als geplant zu fahren oder manche Züge ganz ausfallen zu lassen. Beide Alternativen seien naturgemäß schlecht – „und wir möchten sie unseren Fahrgästen nicht zumuten, haben aber manchmal keine Alternative“.

Entgegen der Annahme manches Lesers und Kunden habe das eingangs geschilderte Ärgernis zu kurzer Züge „nichts mit schlechter Planung zu tun – die Fahrten waren mit mehr Waggons geplant, mussten dann aber aufgrund der an diesem Tag verfügbaren Fahrzeuge mit weniger Waggons gefahren werden“. Die Beschwerden des Fahrgastes über zu volle Züge seien berechtigt. Arverio entschuldige sich dafür. Man versuche aber bereits, mehr Sitzplätze anzubieten und arbeite gemeinsam mit dem Werkstatt-Dienstleister EucoRail daran, die Fahrzeugsituation schnell weiter zu verbessern.

Hohes Fahrgastaufkommen

Auch Matthias Lieb von der Nahverkehrsgesellschaft des Landes (NVBW) bestätigt die Darstellung der Kunden: „Beim RE1 gab es in der letzten Zeit leider öfter die für die Fahrgäste sehr unbefriedigende Situation, dass anstelle der vom Land bestellten Kapazitäten – zumeist Züge mit 6+4 oder 6+6 Wagen – nur Züge mit 4 Wagen zum Einsatz kamen. Gerade in der Ferienzeit am Wochenende mit hohem Fahrgastaufkommen reichen vierteilige Züge auf dieser Strecke nicht aus, weshalb sich einerseits die Haltezeiten an den Bahnhöfen stark verlängert haben, da das Ein- und Aussteigen viel länger gedauert hat und es andererseits vorgekommen ist, dass nicht alle Fahrgäste mitgenommen werden konnten.“

Laut Rücksprache mit dem Betreiber Arverio gebe es mehrere Gründe für diese Minderkapazitäten, jeder für sich wäre noch verkraftbar, aber in der Summe führe dies dann zu den erlebten Problemen. Aktuell habe sich die Fahrzeugsituation wieder etwas entspannt. In Gesprächen mit Arverio habe er als Qualitätsanwalt für die Fahrgäste in Baden-Württemberg darum gebeten, dass „der Einsatz von nur Vierteilern beim RE1 möglichst zu vermeiden ist“. Sofern sich die Lage nicht durch unvorhergesehene Unfälle verschlechtere, sollten in der nächsten Zeit solche Engpässe entschärft werden können, so die Hoffnung von Lieb. Das Land Baden-Württemberg habe insgesamt eine Flotte von 156 neuen Zügen bestellt, die zukünftig für mehr Kapazität beim RE1 sorgen werde. Aber die Fahrzeugindustrie sei bei der Auslieferung der Züge verspätet dran: Statt Ende 2025 würden die Züge nun vermutlich erst im Verlauf des Jahres 2027 „langsam zur Verfügung stehen“, so die Einschätzung des Mobilitätsexperten aus Mühlacker.