Unterricht gibt’s nur nach Maß: Diese Hürden müssen Schulen in Pforzheim vor dem Start am 4. Mai nehmen
Pforzheim. Der Neustart an Schulen rückt näher. Es wird am 4. Mai eine schrittweise, eingeschränkte Wiederaufnahme des Betriebs sein, doch selbst diese ist in Coronazeiten eine enorme Herausforderung.
Genügend Lehrkräfte einsatzbereit
„Nach ersten Rückmeldungen sollte es genügend Lehrkräfte geben, die einsatzbereit sind“, sagt Schulamtsleiter Volker Traub. Das Kultusministerium habe am Montag umfangreiche Details zum Start des Unterrichts an die Schulen geschickt. Diese müssten – neben den Planungen und Hygienevorkehrungen – auch prüfen, welche Lehrkräfte weder in der Notbetreuung noch im Unterricht eingeplant werden könnten, wenn diese zu einer Risikogruppe gehörten. Das staatliche Schulamt frage die Lehrerressourcen ab und kläre mit den Schulen, wie die Lehrerversorgung geregelt werden könne. Es muss aus Sicht des Schulamts sichergestellt sein, dass die erweiterte Notbetreuung und der geplante Unterricht an allen Schulen umgesetzt werden können.
Schulen unterschiedlich ausgestattet
„Inständig“ hofft Edith Drescher, Direktorin des Hilda-Gymnasiums und Geschäftsführende Schulleiterin der Pforzheimer Gymnasien, dass der Schulträger es schaffe, die Anforderungen umzusetzen: „Die Schulen sind sehr unterschiedlich ausgestattet. Halterungen für Flüssigseife und Desinfektionsmittel, Warmwasser, überhaupt Waschbecken in den Klassenzimmern – das ist bei weitem nicht überall gegeben.“ Im Moment sei Nachschub für Desinfektionsmittel nicht zu bekommen, bei Papierhandtüchern und Seife sehe es wohl besser aus. Dass aus Kostengründen die Grundreinigung an den Schulen heruntergefahren wurde – das könne nicht bleiben.
Und wie sieht es mit Masken aus? Drescher: „Leider macht das Kultusministerium hier bisher keine klare Vorgabe. In der Schule soll es vorerst keine Maskenpflicht geben. Ich bin aber sehr dafür, dass Schüler und Lehrkräfte den einfachen Mund-Nasen-Schutz tragen.“ Für die Pausen werde man Aufenthaltsbereiche ausweisen und die Personenzahl dort begrenzen. Ein weiteres Problemfeld sind die Kollegen, die wieder zum Unterrichten erscheinen müssen, aber selbst Eltern sind. „Es geht ja nicht nur um Alleinerziehende, sondern um alle jungen Familien, in denen beide Eltern zur Arbeit gehen müssen.“ Diese nähmen in der Theorie die Notbetreuung ihrer Kita oder Schule in Anspruch. In der Praxis warteten einige ihrer Kolleginnen noch auf die Rückmeldung der Einrichtung, ob ihnen ein Platz angeboten werden könne. Wenn nicht, müssten sie die Betreuung privat organisieren.
Hygiene- und Abstandsregeln
Für den Gesamtelternbeirat bringt die Wiederaufnahme zunächst Anforderungen an Hygiene und Abstandsregeln mit sich, so die Vorsitzende Jutta Krammer. „Am einfachsten wird dies noch im Unterricht möglich sein“, vermutet die Ärztin. Doch auch in Pausen und auf dem Schulweg in öffentlichen Verkehrsmitteln müsse es gewährleistet sein. Für die ÖPNV-Monatskarten dürfe Eltern in dieser Situation kein Geld abverlangt werden, wenn die Busse nicht entsprechend fahren. Zur Entzerrung der Schülerzahlen stelle sich die Frage versetzter Unterrichtszeiten. Falls es zur Maskenpflicht auf dem Schulhof komme, „sollten diese von der Stadt bereitgestellt werden. Nicht jeder Schüler kann so etwas selbst herstellen, die medizinischen Masken sind ungeeignet, da nicht waschbar, und auf Dauer ist ein Schal bei 25 Grad auch nicht praktikabel“, so Krammer.
In den Schulen müssten Seife und ausreichend Wasser vorhanden sein, zudem sei die Frage regelmäßiger Reinigung von Griffen und Flächen zu klären. Um kleine Gruppen zu schaffen, müsse sich der Unterricht auf die Kernfächer beschränken. Für zu Hause beschulte Schüler müssten die Internet-Verbindungen verbessert werden. Diese unterschieden sich stark. Der Rotary-Club habe dankenswerterweise gebrauchte Laptops organisiert, die Stadt müsse gegebenenfalls Tablets verteilen und für Anschlüsse sorgen. Für Kinder finanzschwacher und von Kurzarbeit betroffener Eltern seien aber, wie sie höre, in der Krise im Gegenteil Wlan- und Handy-Verträge entfallen.
Umfangreiche Hinweise des Ministeriums
Die Hygienehinweise des Kultusministeriums sind umfangreich. Betont werden etwa das Abstandsgebot von mindestens 1,50 Meter, Händehygiene und Hustetikette. Eine Mund-Nasen-Bedeckung sei nicht erforderlich, aber zulässig. Räume seien regelmäßig zu lüften und zu reinigen – Oberflächen „mindestens täglich“. Zumindest in Pausen müssten Lehrer an Toiletten eine Eingangskontrolle vornehmen. Seifenbehälter müssten stets befüllt sein. Wegeführungen und Abstandsmarkierungen seien zu installieren, flexible Zeiten für den Unterrichtsbeginn zu erwägen.
