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Pforzheim -  04.06.2026
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Von der Kreisklasse bis zur Bundesliga: Pforzheimer Relegationsmarathonler sammeln Spiele wie Trophäen

Wenn der Schiedsrichter abpfeift, gibt es kein Halten mehr: Spieler sinken erschöpft zu Boden, Fans stürmen jubelnd den Platz, andere stehen fassungslos am Spielfeldrand. Relegationsspiele versetzen Fußballfans in einen Ausnahmezustand. Genau diesen Nervenkitzel suchen die Relegationsmarathonler, wie sich die Gruppe nennt. Ihr Ziel: So viele Relegationsspiele wie möglich besuchen – ganz egal, ob Bundesliga oder Kreisklasse C. Wer Lust hat, kann sogar ins Ausland fahren.

Die Idee für diese Gruppe mit diesem skurrileren Ziel kam selbstverständlich während eines Relegationsspiels. Es war im Juni 2017 im Stadion des TSV Grunbach. Damals spielte der FV Neuenbürg gegen den SC Pforzheim. „Wir saßen dort alle zusammen und haben uns dann gedacht, wir gründen die Relegationsmarathonler, sagt „Britschi“, wie ihn alle in der Gruppe nennen. Heute umfasst sie rund 20 Leute. „Einige sind mal mehr dabei, viele leider eher weniger“, sagt „Britschi“.

Punktesystem und Meister

Hinter der Gruppe und ihrem Vorhaben steckt sogar ein ausgeklügeltes Punktesystem, das am Ende aller Relegationsspiele einen Meister krönt. Die erste Grundregel lautet: Egal was man macht oder wo man ist – man muss das selbst designte Shirt anhaben und ein Selfie mit diesem Oberteil in die Gruppe schicken. Sonst zählt es nicht.

Einen Punkt gibt es jeweils pro besuchtem Spiel, einen weiteren, wenn man zu einem der Matches fährt. Wenn am Ende die verdienten Punkte durch die besuchten Spiele bei zwei oder mehr Spielern gleich sind, gewinnt derjenige mit den meisten zusätzlichen Fahrerpunkten. „Das ist sozusagen unser Torverhältnis“, sagt „Britschi“ und lacht. Im Schnitt sehen die Marathonler während der Relegationszeit zwölf bis 13 Spiele.

„Wir gucken zum Teil drei Spiele an einem Tag.“ „Britschi“, ein Mitglied der Gruppe

Letztes Jahr war Roman Walter der Sieger. Mit 17 Jahren ist er der Jüngste der Gruppe und sicherte sich die Relegations-Meisterschaft mit 17 gesehenen Spielen in rund 20 Tagen. Roman spielt selbst Fußball in der B-Jugend des SV Büchenbronn. Sein Vater Ronny Walter ist Vorstand der Relegationsmarathonler und kümmert sich unter anderem um die Planung sowie die Tabellen. Grundsätzlich kann jeder zu dem Spiel gehen, auf das er Lust hat. Partien von Pforzheimer Teams gehen aber immer vor.

Viele Erinnerungen

An ein Spiel erinnern sich die Mitglieder Yasar Gümüs und „Britschi“ besonders gerne. Es fand in der Pfalz statt. Dort gelten andere Relegationsregeln als in Baden. Wenn das erste Spiel unentschieden endet, gibt es nicht direkt eine Verlängerung oder ein Elfmeterschießen, sondern ein zweites Spiel.

Das erste Duell war tatsächlich unentschieden ausgegangen. Also machten sich die Marathonler auf den Weg zum zweiten Spiel. Weil sie unbedingt ein Elfmeterschießen sehen wollten, hofften sie erneut auf ein Remis.

Tatsächlich endete die Partie 1:1. Doch statt Verlängerung pfiff der Schiedsrichter plötzlich ab. Was die Gruppe nicht wusste: Wenn auch das zweite Spiel unentschieden endet, gibt es zunächst noch ein drittes Spiel. Erst dort kann es dann zur Verlängerung oder zum Elfmeterschießen kommen.

Mehr als nur das Spiel

Bei aller Leidenschaft für den Fußball geht es den Marathonlern aber um mehr als nur das Spiel. „Es geht uns hauptsächlich um den Spaß und den Zusammenhalt der Gruppe“, sagt „Britschi“. Manchmal rückt der Fußball dabei sogar in den Hintergrund.

„Wenn in allen Spielen zusammen 50 Tore fallen, sehe ich vielleicht zehn Stück, weil ich mich die meiste Zeit unterhalte.“, Yasar Gümüs, Mitglied der Relegationsmarathonler

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