Vorfreude auf Panoramabahn: Dieser Zug fährt bald bei uns
Pforzheim/Enzkreis. Beim Coradia Max von Alstom handelt es sich quasi um einen Zug mit Panoramabahn-Optik. In Teilen des Doppelstöckerzuges soll ein geradezu himmlisches Fahrerlebnis möglich sein. Die Redaktion fragte nach beim Qualitätsanwalt für Fahrgäste bei der Nahverkehrsgesellschaft des Landes, dem aus Mühlacker stammenden Mobilitätsexperten Matthias Lieb: „Diese Züge kommen zuerst beim RE1 zwischen Karlsruhe und Friedrichshafen und später bis Lindau zum Einsatz.“ Den begehrten Zug hätten neben Baden-Württemberg mehrere Bundesländer bestellt, die nun alle auf die Auslieferung warten würden, so der Bahnspezialist im Gespräch mit der Redaktion. Erfreulicherweise verzeichne man auf den „schnellen Linien ein überdurchschnittliches Ansteigen der Fahrgastzahlen, weshalb man seitens des Landes weitere Züge bestellt habe.
Ausgangspunkt der Nachfrage war die Meldung aus dem Landesverkehrsministerium, dass zusätzliche Coradia-Max-Züge für Baden-Württemberg bestellt worden sind. In der Mitteilung heißt es: „Alstom hat einen Vertrag zur Lieferung von 26 weiteren Doppelstockzügen vom Typ Coradia Max an die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg (SFBW) unterzeichnet. Der Auftrag umfasst außerdem eine Vereinbarung über die Wartung und Instandhaltung der Fahrzeuge bis Ende 2055.“ Der Auftragswert für die zusätzlichen 26 Züge und den langfristigen Full-Service-Vertrag betrage rund 500 Millionen Euro. Die Lieferung solle Mitte bis Ende 2028 erfolgen. Die Bestellung sei Teil eines Optionskontingents, das im Rahmen eines Großauftrags über 130 Fahrzeuge sowie die zugehörige Wartung und Instandhaltung bereits im Mai 2022 vereinbart worden war. Damals hatte man die Möglichkeit zum Abruf von bis zu 100 weiteren Zügen vereinbart.
Winfried Hermann, Verkehrsminister des Landes Baden-Württemberg (Grüne), unterstrich: „Rund drei Milliarden Euro investieren wir insgesamt für 156 hochmoderne und komfortable Coradia-Max-Züge. Damit stehen wir in Deutschland an der Spitze mit zahlreichen neuen leistungsfähigen Zügen. Wir schaffen damit Kapazitäten für die hohe Fahrgastnachfrage der letzten Jahre.“ Mehr Kapazität helfe dort, wo es heute schon voll sei. Mehr Komfort sorge dafür, dass sich die Fahrgäste an Bord wohlfühlten. Hermann: „Mit diesen Fahrzeugen können wir das Nah- und Regionalverkehrsangebot vor allem nach der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 deutlich verbessern. Wir haben darauf geachtet, dass die sehr antriebsstarken Fahrzeuge mit großer Spitzengeschwindigkeit gleichwohl energiesparsam sind.“ Baden-Württemberg sei Vorreiter für nachhaltige und klimagerechte Mobilität im Schienenverkehr. Der Minister weiter: „Wir legen großen Wert auf qualitativ hochwertige Fahrzeuge.“
Tim Dawidowsky, Präsident für die Region Zentral- und Nordeuropa bei Alstom, sagte: „Die Erweiterung der Coradia-Max-Flotte wird den Fahrgästen noch mehr Kapazität, Komfort und Geschwindigkeit im Regionalverkehr bieten.“ Als Partner für die langfristige Wartung und Instandhaltung werde man über Jahrzehnte entscheidend zu einem zuverlässigen Betrieb der Fahrzeuge beitragen.
Die Doppelstockfahrzeuge würden ab Dezember 2026 eingeführt und schrittweise auf verschiedenen Linien im Südwesten eingesetzt. Die neuen Züge kämen zunächst auf ausgewählten Linien bei DB Regio Baden-Württemberg und Arverio zum Einsatz. Dawidowsky: „Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometer sorgt der Coradia Max in Baden-Württemberg für das schnellste Reiseerlebnis im deutschen Regionalverkehr. Die vierteiligen Züge bestehen aus zwei doppelstöckigen Steuerwagen und zwei einstöckigen Mittelwagen mit insgesamt 380 Sitzplätzen. Sie können in Mehrfachtraktion fahren. Leistungsfähige Klimaanlagen, kostenloses WLAN, Lademöglichkeiten für Handys und Laptops sowie Leselampen tragen zu einem angenehmen Reiseerlebnis bei.“ Zusätzlich sorgten Loungebereiche sowie Konferenz- und Familienabteile für einen hohen Komfort für alle Fahrgastbedürfnisse, während geräumige Mehrzweckabteile Platz für Gepäck, Kinderwagen und Fahrräder bieten würden. Breite, einflügelige Türen ermöglichten einen schnellen Ein- und Ausstieg. Die Fahrzeuge seien für Reisende mit Mobilitätseinschränkungen barrierefrei gestaltet. So ermöglichten die Türschwellen einen stufenlosen Zugang vom Standardbahnsteig mit einer Höhe von 760 Millimetern über der Schienenoberkante, und für Bahnhöfe mit unterschiedlichen Bahnsteighöhen verfügten die Fahrzeuge über spezielle Lifte für Fahrgäste im Rollstuhl. Die Züge seien zudem mit moderner Signal- und Automatisierungstechnik ausgestattet.
