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Maulbronn -  13.10.2026
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Warum die Maulbronner Bahn trotz vorhandener Gleise ausgebremst wird

Maulbronn. Die Strecke ist kurz, eine Machbarkeitsstudie liegt vor – trotzdem gibt das Land anderen Bahnprojekten den Vorzug. Jetzt erklärt das Verkehrsministerium die Gründe. Die Eisenbahngewerkschaft reagiert mit scharfer Kritik.

Die Gleise zwischen Maulbronn West und Maulbronn Stadt sind noch vorhanden. Bis hier wieder regelmäßig Personenzüge fahren, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen.
Die Gleise zwischen Maulbronn West und Maulbronn Stadt sind noch vorhanden. Bis hier wieder regelmäßig Personenzüge fahren, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Foto: Fotomoment

Nicht allein die Kosten für die Wiederherstellung der Gleise entscheiden über die Zukunft der Maulbronner Bahn. Auch der Aufwand für den späteren Zugbetrieb spielt eine Rolle. Das geht aus einer Stellungnahme des baden-württembergischen Verkehrsministeriums hervor. Auf Anfrage von PZ-news erläutert das Land, warum die Verbindung zwischen Maulbronn West und Maulbronn Stadt nicht zu den vorrangig geförderten Reaktivierungsprojekten gehört.

Maßgeblich sei vor allem gewesen, wie weit die einzelnen Vorhaben bereits fortgeschritten seien. Vorrang erhielten insbesondere Strecken, bei denen aufgrund früherer Landeszusagen bereits Planungen angelaufen sind oder kommunale Partner dafür schon Geld ausgegeben haben. Entscheidend sind dabei Planungsschritte, die über erste Untersuchungen zur Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit hinausgehen, etwa die Vor- oder Entwurfsplanung.

Für Maulbronn liegt bereits eine Machbarkeitsstudie vor. Auch der Gemeinderat hat sich für weitere Schritte ausgesprochen. Diese Vorarbeiten reichten für eine Aufnahme in die erste Prioritätsstufe jedoch nicht aus. Hinzu kommt die Frage der Betriebskosten. Zwar misst die vorhandene Stichstrecke zwischen Maulbronn West und Maulbronn Stadt nur rund 2,3 Kilometer. Ein attraktives Zugangebot müsste aber über diesen Abschnitt hinausführen. Dafür würden auch auf dem bestehenden Schienennetz erhebliche Betriebskosten anfallen, erklärt das Ministerium. „Es kann daher nicht allein der kurze Reaktivierungsabschnitt betrachtet werden“, heißt es in der Stellungnahme. Welche Rolle das prognostizierte Fahrgastpotenzial und die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen konkret bei der Entscheidung spielten, lässt das Ministerium offen. Es verweist lediglich auf eine Abwägung verschiedener Gesichtspunkte.

Deutliche Kritik an der neuen Priorisierung kommt von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Ihr baden-württembergischer Vorsitzender Manuel Amberger spricht von einem „Offenbarungseid“ und einem „Zwei-Klassen-System“ beim Schienenausbau. „Wer die Klimaziele im Verkehrssektor ernst meint, darf beim Netzausbau nicht den Rückwärtsgang einlegen!“, erklärt er. Die Gewerkschaft fordert, auch die zurückgestellten Projekte weiter voranzutreiben.

Für die Klosterstadt bedeutet die Einordnung in die zweite Prioritätsstufe allerdings, dass vorerst nicht mit weiterer Unterstützung des Landes für die Planung oder Umsetzung zu rechnen ist. Auf entsprechende Nachfrage der PZ heißt es aus dem Ministerium: „Ja, im Grundsatz ist dies die Folge einer Priorisierung.“ Eine erneute Bewertung ist nach dem neuen Konzept erst in fünf Jahren vorgesehen.

Eine endgültige Absage sei die Entscheidung dennoch nicht. Das Ministerium sieht weiterhin verkehrliches Potenzial für die Strecke. Dass das Land bereits eine Machbarkeitsuntersuchung sowie Teile der Nutzen-Kosten-Untersuchung gefördert habe, zeige, dass Maulbronn grundsätzlich ein Kandidat für eine Reaktivierung bleibe. Vorerst allerdings haben andere Strecken Vorrang.