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Schömberg -  25.02.2026
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Wer sind die Schömberger Bürgermeisterkandidaten? Steffen Hoffmann — der Außenseiter mit starken Wurzeln

Schömberg. Am 8. März wird in Schömberg ein neuer Bürgermeister gewählt. PZ-news hat sich vorab mit allen drei Kandidaten getroffen, um sie näher kennenzulernen. Nun ist Steffen Hoffmann an der Reihe. Frisch aus Mexiko will er nun richtig mit dem Wahlkampf loslegen. Was hat er in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit vor?

Schömberg Kandidat Matthias Stepan
Steffen Hoffmann hat sich Anfang Januar – als zweiter Kandidat – um das Amt des Bürgermeisters beworben. Der 33-Jährige hat seinen Lebensmittelpunkt in Schömberg und will mit seiner Familie in die Gemeinde ziehen. Foto: Röhr

Von 30 Grad und Sonnenschein zu zehn Grad und Dauerregen. Für Steffen Hoffmann gibt es trotzdem gleich mehrere Gründe, seit Freitag lieber wieder in Deutschland zu sein. In Mexiko, wo er seit über zwei Jahren arbeitet, entlädt sich gerade die Gewalt eines Drogenkartells. Im Nordschwarzwald kann er nach zwei Monaten endlich wieder seine Frau und den einjährigen Sohn in die Arme schließen und sich um gesundheitliche angeschlagene Familienmitglieder kümmern. Und: Er kann endlich aktiv vor Ort Wahlkampf in Schömberg machen. Der PZ erzählt er, wie er jetzt noch von sich überzeugen will und was er die ersten 100 Tage im Amt vor hat.

„Ich sehe mich als Underdog, weil ich meinen Wahlkampf aus der Ferne starten musste. Ich weiß, dass ich dadurch Nachteile habe. Ich mache aber das Beste draus“, sagt der 33-jährige Werkzeugmechanikermeister über das Kandidatenfeld. „Viele sagen: Du bist nicht aus der Verwaltung und bekommst es besser hin.“

In den wenigen Tagen vor dem 8. März hat der gebürtige Pforzheimer noch einiges vor, um sich bekannter zu machen und mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. „Wobei mich die Leute schon erkennen. Ich bin hier stark verwurzelt.“ Sein kompletter Freundeskreis lebe in der Glückgemeinde. Früher oder später will er mit seiner Familie dorthin ziehen. Vergangenen Samstag hatte er schon einen Infostand vor dem Edeka. Eine Frau habe gewusst, dass er als Bürgermeister kandidiere und ihre Stimme versprochen. „Wegen des schlechten Wetters konnte ich leider nicht mit so vielen Menschen ins Gespräch kommen.“

Das soll sich jetzt ändern. Am 7. März steht Hoffmann wieder vor dem Edeka. Am Wochenende will er mit ein paar Unterstützern von Haustür zu Haustür ziehen und 5000 Flyer verteilen. Gesicht will er auch auf Instagram und im Gemeinderat zeigen. Diese Woche ist er das erste Mal in seinem Leben bei einer Sitzung dabei und will sich anschauen, wie das abläuft. „Ich versuche, präsent zu sein.“ Zur Aufholjagd – seine beiden Mitbewerber haben bezüglich Veranstaltungen und Aktionen schon ordentlich vorgelegt – sagt er: „Ich mache jetzt einen Sprint.“ Auch Plakate sollen ihm helfen. Die holt seine Frau bei seiner Schwiegermutter in Bad Teinach-Zavelstein ab, die ihn zum Termin mit der PZ gefahren hat.

Viel Positives aus Mexiko

Nach einer kurzen Runde durch den Kurpark geht es in ein Café. Der Familienvater ist leger und in Sneakern gekommen. An seinem Pullover hat er eine Stecknadel mit dem grünen Kleeblatt, dem Symbol der Glücksgemeinde. „Um Werbung für den Ort zu machen.“ Er bestellt einen Kaba und Zwetschgenkuchen. „Das habe ich in Mexiko vermisst. Dort sind die Kuchen sehr süß.“

Von dem lateinamerikanischen Land, in dem er für einen Königsbacher Automobilzulieferer in einer Fabrik für alles Technische zuständig ist, hält er viel. „Die Menschen sind immer superfreundlich und immer glücklich, obwohl sie weniger haben als wir. In Deutschland gibt es dagegen immer etwas zu bruddeln.“ Auch die Arbeitsmoral sei höher. „Dort bleiben die Arbeiter, bis der Kunde seine Teile hat.“ Sollte er gewählt werden, erwarte er das nicht von seiner Verwaltung, betont er. „Die Rathausmitarbeiter haben genug Überstunden.“ Eher von sich selbst. „Als Bürgermeister ist nach acht Stunden nicht Schluss.“

Wenn er es ins Rathaus schafft, will Hoffmann Schulungen an der Verwaltungshochschule in Kehl belegen, um sich für die Aufgaben eines Bürgermeisters zu wappnen. „Die muss ich machen. Sonst kann mir jeder irgendetwas erzählen.“ Dort will er auch lernen, wie Kommunen an Förderungen kommen. Die braucht es in seinen Augen, um die Kitagebühren in Schömberg zu senken. „Wir haben viele Plätze, aber die Preise stimmen im Vergleich zu anderen nicht“, findet er. Und er will bei dem Thema mehr Druck auf Stuttgart ausüben. „Die Gemeinde kann das Problem nicht lösen, also muss das Land helfen.“

Auch Hoffmann hat Schömbergs finanzielle Lage als „größtes Dilemma“ ausgemacht. In den ersten Tagen seiner Amtszeit will er daher erst einmal die finanzielle Lage sondieren, Einnahmen den Ausgaben gegenüberstellen. Danach will er den Gemeinderat und die Bevölkerung entscheiden lassen, wohin die Reise geht. In den Haushaltsplan, der diesen Dienstag im Gemeinderat vorgestellt wurde, hat er noch nicht geschaut.

Ein großes Thema für ihn ist der Turm. „Viele sind dafür, viele dagegen. Er steht da, ich bin der Letzte, der ihn abreißt. Ich will ein Erlebnis draus machen.“ Zum Beispiel mit einem kleinen Kiosk, wo es zu Essen und zu Trinken gibt. Der Weg dorthin solle für Fahrradfahrer asphaltiert werden, zudem müsse ein Spielplatz für Familien kommen. Und mehr Events. „Das After-Work ist bekannt.“ Hoffmann denkt ans Sterneschauen auf 50 Metern Höhe.

Bei solchen weitreichenden Entscheidungen wie dem Turm will er die Bevölkerung künftig mehr ins Boot holen. „Viele fühlen sich übergangen und sind richtig sauer.“ Die junge Bevölkerung will er mit Social Media erreichen. Auf Festen will er kurze Infos vermitteln. Und die Gemeinde soll künftig Plakate drucken und aushängen.

Damit das nicht nur Zukunftsmusik bleibt, bereitet sich der 33-Jährige seit Tagen auf die Kandidatenvorstellung vor. „Bei der Rede werde ich sicher etwas Lampenfieber haben. Ansonsten bin ich entspannt. Was soll schon passieren. Ich nutze meine Chance.“ Er vertraue den Schömbergern, dass sie den Richtigen wählen.

Falls es nichts wird am 8. März, wird Hoffmann mindestens bis Sommer 2027 geschäftlich in Mexiko sein, irgendwann mit seiner Familie nach Schömberg ziehen – dort wohnen die Freunde, dort sei der Lebensmittelpunkt. Daher kann er sich vorstellen, in acht Jahren bei der nächsten Wahl noch mal zu kandidieren. „Wenn es gut in der Gemeinde läuft nicht. Wenn es schlecht läuft, würde ich es noch einmal probieren.“