Wichtige Unterschriften für den Nahverkehr in der Region: VPE und KVV sind jetzt eins
Enzkreis/Pforzheim/Karlsruhe. Zug- und Busfahren sollen einfacher, die Infos besser werden. Der Verkehrsminister erhofft sich vom Beitritt des Verkehrsverbunds Pforzheim Enzkreis zum Karlsruher KVV ein Signal fürs ganze Land.
Wer in Pforzheim, in Mühlacker oder irgendwo sonst im Enzkreis in den Bus steigt oder die Bahn nehmen will, der ist ab sofort in einem Verbundsgebiet unterwegs, das von Baden-Baden bis Germersheim und von Wissembourg im Elsaß bis Illingen reicht. Die Unterschrift zum Beitritt von Enzkreis und Pforzheim in den neuen, größeren KVV haben Landrat Bastian Rosenau und OB Peter Boch am Dienstagvormittag geleistet. Zusammen mit Karlsruhes OB Frank Mentrup als Aufsichtsratschef und Baden- Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Das Land ist nun ebenfalls neuer KVV-Gesellschafter mit 19 Prozent der Anteile.
Hermann spricht von einem schönen Tag für die Nahverkehrsfahrgäste der nun so großen Region. Die Fusion sei zukunftsweisend. Ihm würde es gefallen, wenn andere wie zum Beispiel der Kreis Calw, der Raum Heilbronn oder Oberschwaben ebenfalls den Weg in größere Einheiten suchen würden. Denn landesweit nun 28 Verkehrsverbünde sind für ihn immer noch viel zu viele. Der Nahverkehr müsste wie mit dem Deutschlandticket möglichst einfach werden und zum Alltag der Menschen passen.
Für Ticketpreise ändert sich durch die Fusion erst mal nichts, sagt Alexander Pischon, der KVV-Geschäftsführer. Passagiere würden Verbesserungen erst mal eher bei Service, Fahrgastinfos und Zusatzangeboten wie MyShuttle, Nextbike oder Stadtmobilen erleben. Teil der KVV Regiomove-App sei nun auch das landesweite System CiCo BW. Das erlaubt auch außerhalb des D-Tickets, dass man in Zug oder Bus ohne lange Ticketsuche oder Rücksicht auf Verbundsgrenzen einfach einsteigen kann. Das Check-in-Check-out-System rechnet für die Fahrt automatisch den günstigsten Preis ab.
Landrat Rosenau freut die Partnerschaft nach langjährigem Anlauf. Er betont, dass auch der Übergang in den Stuttgarter Raum mit dem dortigen VVS möglichst einfach gemacht werden solle. Eine wichtige Frage gerade für den östlichen Enzkreis. OB Boch betont den Wunsch der Bürger, dass das System einheitlich und unkompliziert funktioniert. Und OB Mentrup träumt schon von Auswirkungen auf weitere Kooperationen in der weiteren Region. In der Wirtschaftswelt zum Beispiel oder im Bereich der Hochschulen. Alle loben die zügige Arbeit am neuen Verbund, der letztlich binnen eineinhalb Jahren ausgearbeitet worden sei. Das gegenseitige Vertrauen sei riesig. 2026 geht es nun noch an die Zusammenführung des Tarifsystems und des Vertriebs. Erst zum Fahrplanwechsel im Dezember werden auch für Enzkreis und Pforzheim alle KVV-Tarife gelten.
Persönliche Seite der Fusion: Herz‘ Erfahrungen und Zukunft des VPE-Personals
Es war eine Menge Arbeit, den neuen Gesellschaftervertrag des größeren KVV auf die Beine zu stellen. Gelungen ist das ziemlich geräuschlos und schnell. Alle Chefs dankten deshalb bei der Vertragsunterzeichnung ihren Teams für diesen Kraftakt und das gute Miteinander. Beim Enzkreis hat die Erste Landesbeamte Hilde Neidhardt viel koordiniert, Pforzheims OB Peter Boch nennt den Ersten Bürgermeister Dirk Büscher. KVV-Chef Alexander Pischon blickt aber noch auf jemandem im Saal, der schon einige Zeit im Ruhestand ist, aber die lange Vorgeschichte der Nahverkehrsideen verkörpert: Neidhardts Vorgänger Wolfgang Herz. Mit ihm sei er schon vor rund zwei Jahrzehnten im Austausch über mögliche Verbesserungen gewesen, erinnert Pischon. Anfangs war er da noch beim für den Busverkehr der Region wichtigen Unternehmen RVS tätig. Immer wieder habe man nach möglichen Erleichterungen und gute Übergänge für Kunden gesucht, sagt Herz. Nach Westen wie nach Osten in den Stuttgarter Raum. Der frühere Erste Landesbeamte selbst ist schon in seiner Zeit im Landratsamt wegen seines Wohnorts immer schon mit einem KVV-Ticket unterwegs gewesen. Die neue Ära freut ihn deshalb besonders. Deshalb ist er als Gast bei der Unterzeichnung dabei. Den Vollzug der Fusion will er miterleben. „Vielleicht war es dafür jetzt einfach der richtige Zeitpunkt“, sagt er.
Dafür habe man Lokalpatriotismus beiseiteschieben müssen, sagt Landrat Bastian Rosenau. Karlsruhes OB Frank Mentrup verweist darauf, dass seine Stadt auf die frühere Anteilsmehrheit verzichtet. Im Enzkreis geben Verkehrsunternehmen gewohnte Einflussmöglichkeiten ab. Und so weiter. All das brauche großes Vertrauen, sagen alle. Das gilt besonders auch für die VPE-Beschäftigten, die sich voll eingebracht haben, obwohl ihr Verbund damit nicht mehr existiert. Alle, die nicht in Ruhestand oder zu neuen Arbeitgebern gehen, arbeiten beim KVV weiter.
