Wie Befürworter für den Klinik-Erhalt in Neuenbürg gestimmt haben - und warum es am Ende nicht gereicht hat
Enzkreis/Mühlacker/Neuenbürg. Die Kreistagssitzung des Enzkreises am vergangenen Donnerstag, in der unter anderem über das Aus der Klinik in Neuenbürg abgestimmt wurde, hat für Aufruhr und emotionale Reaktionen gesorgt.
Dies allein ist Grund genug, sich die Abstimmungen der Kreisrätinnen und Kreisräte noch einmal genauer anzuschauen. In der Kreistagssitzung wurde über drei Varianten nacheinander abgestimmt.
Zunächst ging es um die Fortführung des Status quo. Um den Weiterbetrieb beider Klinikstandorte unter Fortführung der bestehenden Strukturen. Dies hätte die stationäre Versorgung sowohl in Mühlacker als auch in Neuenbürg erhalten. Für diese Variante stimmten insgesamt sechs Kreisräte, darunter auch Neuenbürgs Bürgermeister Fabian Bader oder der Neuenbürger Gemeinde- und Kreisrat Gerhard Brunner. 51 Räte lehnten diese Variante jedoch ab.
Anschließend folgte eine Abstimmung zu einer anderen Option: zum Weiterbetrieb beider Klinikstandorte, aber mit einem von mehreren vorgeschlagenen neuen Versorgungsmodellen für den Standort Neuenbürg. Auch mit diesem Konzept sollte die stationäre Versorgung sowohl in Mühlacker als auch in Neuenbürg erhalten bleiben. Die Muttergesellschaft RKH Gesundheit sieht aber weder in der Idee eines demenzsensiblen Krankenhauses eine wirtschaftliche Rettungschance, noch in einer altersmedizinischen Fachklinik oder einem mit den bundesweiten politischen Reformen erwarteten Modell eines Level 1i-Krankenhauses, einer Mischung aus Pflegeeinrichtung und teilstationärer Versorgung.
Für diese Variante stimmten insgesamt zehn Kreisräte. Darunter abermals Bürgermeister Bader und Brunner, weitere aus Reihen der Freien Wähler und CDU, vor allem aber der FDP. Am Donnerstag wurde auch diese Variante mit 47 Gegenstimmen abgelehnt.
Nachdem diese beiden Beschlüsse gefasst worden waren, war auch das aus der Neuenbürger Klinik besiegelt.
In einer dritten Abstimmung wurde dann darüber entschieden, ob ein medizinisches Versorgungs- oder Gesundheitszentrum in Neuenbürg, anstelle des Krankenhauses entstehen soll. Dieser Beschluss erfolgte einstimmig. Auch die Befürworter des Erhalts der Neuenbürger Klinik haben bei dieser Abstimmung mit "ja" gestimmt, "um so zumindest noch eine (ambulante) gesundheitliche Versorgung der Bürgerinnen und Bürger aus Neuenbürg und des westlichen Enzkreises zu gewährleisten", wie Bader bekannt gibt.
Die Entscheidung ist Teil einer neuen Gesundheitsstrategie. Für Neuenbürg soll das künftig ein größeres ambulantes Versorgungszentrum am Klinik-Standort bedeuten. Das Schwesterkrankenhaus in Mühlacker soll dagegen gestärkt werden, wichtige Angebote aus Neuenbürg – möglichst samt Beschäftigten – übernehmen. Geprüft wird eine Vergrößerung, womöglich auch ein 250 Millionen Euro teurer Neubau. Allerdings auf Antrag der Freien Wähler ergebnisoffen. Man sei für die Stärkung von Mühlacker, so Jörg Michael Teply, „aber nicht um jeden Preis“.
Betroffen sind in Neuenbürg aktuell 210 Beschäftigte. Für viele soll es in Mühlacker weitergehen, aber nicht für alle.
