Wolf, Nilgans und Waschbär: Kreisjägermeister Dieter Krail über aktuelle Jagdthemen im Enzkreis
Neuhausen/Enzkreis. Das große Sommerfest der Jäger steht wieder an: Es soll ein „Erlebnis für alle sein“, unterstreicht Kreisjägermeister Dieter Krail (73) und betont: „Natürlich dürfen nicht nur unsere Mitglieder kommen.“ Die Veranstaltung der Jägervereinigung Enzkreis/Pforzheim wird ausgerichtet am Sonntag, 21. Juni, von 10.30 bis 18 Uhr in der Feldscheune Jost zwischen Tiefenbronn und Friolzheim. Im Vorfeld hat sich die Redaktion mit Dieter Krail in Hamberg über aktuelle Themen aus Jagd, Natur und Politik unterhalten.
„Pforzheimer Zeitung“: Die Landesregierung hat die Durchführungsverordnung zum Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) geändert. Nun gilt eine ganzjährige Jagdzeit auf gebietsfremde Tiere. Ein Fortschritt aus Sicht der Jäger?
Dieter Krail: Ja. Aus unserer Sicht ist das natürlich ein Fortschritt. Ob Nilgans, Waschbären oder Nutrias: Von vielen eingewanderten Tieren gehen besondere Gefahren aus. Weder ist der Waschbär ein niedlicher Zeitgenosse, noch sind es die aggressiven Nilgänse. Im Übrigen ist klar, dass der Muttertierschutz Priorität hat. Gebietsfremde Tiere kommen bis weit in die Städte. Ob Wildtierbeauftragte oder Stadtjäger: Es gibt viel zu tun. Dass außerhalb befriedeter Bezirke Nilgänse und Waschbären ganz jährig bejagt werden könnten, ist nicht zuletzt auch zum Schutz heimischer Arten positiv zu sehen.
Die Aufnahme des Wolfs in das JWMG-Entwicklungsmanagement ermöglicht laut Landesjagdverband ein zielführendes, nachhaltiges und zeitgemäßes Handeln und Eingreifen. War diese Änderung nötig und gegen welche Wölfe genau richtet sich das?
2026 wurde das Wolfsmanagement in Baden-Württemberg neu organisiert. Der Wolf fällt jetzt unter das erwähnte Jagd- und Wildtiermanagementgesetz. In der Praxis geht es um schnellere Eingriffsmöglichkeiten bei Konflikten und eine stärkere Rolle von Jagdstrukturen. Die Jagdbehörde ist zuständig für die Entnahme eines Problemwolfs. Dennoch bleiben Herausforderungen: Der Goldschakal ist nach wie vor unter der Einstufung streng geschützt im Naturschutzrecht eingestuft. Der Goldschakal droht allerdings künftig zu einer großen Gefahr für Ziegen- und Schafhalter im Nordschwarzwald zu werden.
Der Landesjagdverband fordert die Aufnahme von Bibern und Saatkrähen ins JWMG. Welche Gefahren gehen von diesen Tieren aus?
Einen Biber gibt es mittlerweile auch an der Enz. Dort, wo Biber aktiv werden, drohen erhebliche Probleme. In Bayern müssten jährlich rund 100 Tiere aus der Natur entnommen werden, um der Plage Herr zu werden. Saatkrähen sind bei uns kein großes Thema, aber Kolkraben stellen eine große Herausforderung dar.
Es wird vorbildlicherweise im Verbund von Drohnenpiloten, Wildtierschützern, Jägern und Landwirten jährlich viel Aufwand zum Schutz von Jungtieren in bewirtschafteten Feldern betrieben, um sie vor der Zerhäckselung zu bewahren. Andererseits sollen so viele Tiere wie möglich abgeschossen werden, um durch den Schutz der Jungpflanzen die klimastabile Umwandlung der Wälder voranzutreiben. Ist das kein Gegensatz?
Nein. Der Tierschutz in der Landwirtschaft ist ein hohes Gut und Jäger, Landwirte, Tierschützer und Drohnenpiloten arbeiten zum Glück mittlerweile an vielen Orten zusammen. Das ist eine sehr gute Sache. Der Rehwildabschuss wiederum ist nötig, damit die Jungpflanzen hochkommen. Am Ende ist die Mehrheit der Jäger aber für eine waidgerechte Bejagung. Was wir ablehnen, sind regelrechte Hetzjagden oder ein Zusammenschießen der Bestände. Alles in allem sind wir aber gegen eine polarisierende Debatte. Wichtig ist, dass Jäger und Förster vertrauensvoll zusammenarbeiten. Das ist das Erfolgsrezept. Wir sagen ja zu einer Schwerpunktbejagung und sind für ausgewogen organisierte Drückjagden.
Das LJV-Präsidium hat das Projekt Wild-Wald-Bewusstsein zu einem Schwerpunktthema fürs aktuelle Jagdjahr auserkoren. Was genau ist die Zielsetzung des Projekts?
Um den klimawandelbedingten Waldumbau erfolgreich zu bewältigen, ist ein ganzheitlicher Ansatz sowie die enge Zusammenarbeit aller relevanten Interessengruppen unerlässlich. In der Region wird das seit meiner Zeit als Kreisjägermeister längst praktiziert. Es geht nur zusammen und nicht gegeneinander.
Wie steht die Jägerschaft zur Windkraft in den Wäldern des Nordschwarzwalds?
Da gibt es bei uns keine politische Agenda des Kreisverbandes. Jeder einzelne Jäger hat auch seine ganz persönliche Meinung zur Windkraft. Umso mehr, wenn die Windkraft vor der eigenen Haustür installiert wird. Vorzugsweise werden die Anlagen im Staatsforst errichtet. Grundsätzlich wird zunächst für die Errichtung hektarweise Wald abgeholzt. Nach einer Übergangsphase gewöhnt sich das Wild an die Windräder. Ob das auch auf die Anlieger zutrifft, stellt sich dann vor Ort heraus.
Über die Grünbrücke Hagenschieß bei Niefern sind auch Wildkatze und Luchs in der Region mobil. Ein gutes Zeichen?
Der Luchs kommt aus der Schweiz und dringt bis Pforzheim vor. Dann biegt er quasi nach rechts ab und kann die waldbasierte Grünbrücke bei Niefern nutzen. Das ist strategisch eine gute Sache, um die Autobahn zu überwinden und Richtung Stromberg und Odenwald vorzudringen. Gleiches gilt für die Wildkatze. Auch auf die Aktion Wanderhirsch ist hinzuweisen. Wir brauchen Wanderrouten für diese wichtigen Tiere.
Können Jagdprodukte aus Wald und Wiese unbedenklich konsumiert werden?
Auf jeden Fall. Unsere Jagdwaren sind erstklassige Naturprodukte. Wir erlegen die Tiere und führen auch die Fleischbeschau durch. So ist aus einer Hand sichergestellt, dass ein gesundes Produkt angeboten wird.
Auch beim Sommerfest der Jäger in Tiefenbronn gibt es leckere Wildspezialitäten. Welche Getränke passen da jetzt im Sommer am besten dazu?
Bei einem Braten sollte es ein trockener Rotwein sein. Bei gegrilltem Fleisch bietet sich im Sommer auch ein trockener Rose-Wein an.
Welche Agenda hat das Sommerfest am Sonntag?
Wir bieten ein Angebot für alle und nicht nur für Mitglieder. Diese Offenheit ist uns besonders wichtig. Wir als Jäger möchten uns als lebendigen Bestandteil unserer Gesellschaft präsentieren und auf unsere Anliegen hinweisen.
Zur Veranstaltung
Die Veranstaltung in der Feldscheune Jost zwischen Tiefenbronn und Friolzheim am Sonntag, 21. Juni, erstreckt sich beim Programmangebot über einen Zeitraum von 10.30 bis 18 Uhr. Ab 10.30 und ab dann über den ganzen Tag verteilt, kommt es zu Einsätzen der Jagdhornbläser aus Heimsheim und Pforzheim. Ab 10.30 Uhr bietet das Marvin-Team Wildschweinbratwürste, Pommes, Fassbier, Wein und nichtalkoholische Erfrischungsgetränke. Und ebenfalls von Anfang an gibt es bei Renates Kaffee-Kuchen-Team ein großes Kuchenbüfett, einen Eisstand, Kaffeespezialitäten und Eistee. Um die Mittagszeit ist auch ein ganzes Wildschwein am Drehspieß im Angebot. Ab 14 Uhr erfolgt die Überreichung der Jägerbriefe an die Jungjäger 2026. Ab 15 Uhr darf mit einer Vorführung der Hundegruppe gerechnet werden. Und bei einer Flugschau wird der Einsatz von Drohnen zur Kitzrettung demonstriert. Gegen 18 Uhr ertönt das Halali und das große Jagdfest ist vorbei. Ganztägig dabei ist übrigens der „Lernort Natur Anhänger“ mit vielen Präparaten. Und es gibt diverse Verkaufsstände mit Honig, Jagdutensilien und weiteren Angeboten.
Zur Person
Dieter Krail wurde am 1. Februar 1953 in Königsbach geboren. Der Hamberger ist vielen in Pforzheim und dem Enzkreis seit Jahren als Kreisjägermeister bekannt. Sein Leben hat er neben dem Waidwerk dem Forstwesen gewidmet. In einer Widmung zum 70. Geburtstag wurde er als Vollblutjäger charakterisiert, der sich seit frühester Jugend Jagd und Forst verschrieben habe. Nach mehreren beruflichen Stationen war er zuletzt Revierleiter im Enzkreis-Forstamt. Er wohnt in Hamberg. Krail (73) war lange Zeit auch Präsidiumsmitglied im Landesjagdverband und gilt weit über den Kreis hinaus als bestens verdrahtet. Als Kreisjägermeister hat er jede Menge zu tun. Nach wie vor ist er auch Wildtierbeauftragter des Stadtkreises Pforzheim.
