Zur Vermehrung von Amphibien: Ehrenamtliche baggern in Königsbach-Stein
Königsbach-Stein. Weil die Tümpel durch die Trockenheit immer früher austrocknen, soll das Wasser künftig länger stehen bleiben. Damit wollen Helfer den Nachwuchs schützen.
Hochkonzentriert bereiten die Ehrenamtlichen den Bagger auf seinen nächsten Einsatz vor. Nachdem sie mit ihm schon zwei Tümpel ausgegraben haben, wollen sie jetzt noch die Quelle freilegen, die einen der beiden speist. Einen ganzen Vormittag ist die vierköpfige Gruppe beschäftigt, um Amphibien die Vermehrung zu erleichtern. Denn die beiden Tümpel gehören zu den letzten Laichgewässern, die in Königsbach-Stein von den Tieren noch stark frequentiert werden.
Am Ende des Gengenbachtals zwischen Bäumen und Büschen verborgen, erfüllen sie damit eine wichtige ökologische Funktion, auch mit Blick auf die immer trockener werdenden Sommer.
„Mir liegt das schon seit Jahren am Herzen“, sagt Harry Faaß: „Wenn es hier Wasser hat, dann ist das das Highlight in Königsbach-Stein, was die Amphibien angeht.“
Faaß muss es wissen, denn er leitet die Bachpaten des Karlsruher Anglervereins, die sich ehrenamtlich um die Pflege des Kämpfelbachs samt Zuläufen kümmern und an diesem Vormittag wertvolle Unterstützung vom Garten- und Landschaftsbaubetrieb Zengerle erhalten. Faaß kommt schon seit vielen Jahren regelmäßig an der Stelle im Gengenbachtal vorbei, um sich die Situation anzuschauen. Früher, erinnert er sich, ist an beiden Teichen noch „so richtig die Post abgegangen“, vor allem im Frühjahr. Im Februar und März waren sie „voll mit Laich“, ein paar Wochen später, nach dem Schlüpfen, „schwarz vor lauter Kaulquappen“. Doch in den vergangenen Jahren ist Faaß aufgefallen, dass das Wasser immer schneller zurückgeht, nicht nur an den beiden Teichen im Gengenbachtal.
Wasser trocknet aus
Die mittlerweile oft schon im Frühjahr einsetzende Trockenheit sorgt dafür, dass der Grundwasserspiegel sinkt. Dieses Jahr hat Faaß im April in den Teichen nur noch „eine kleine Pfütze“ gesehen, voll mit Kaulquappen. Solange sie feucht bleibt, ist alles gut. Doch sobald das Wasser verschwindet, ist der Amphibien-Nachwuchs auf der Stelle tot, weil er noch keine Lungen hat und über seine Kiemen nicht mehr atmen kann.
Als Faaß die Situation gesehen hat, war ihm sofort klar: „Wenn man etwas machen will, dann muss man es jetzt machen.“ Der Leiter der Bachpaten suchte den Kontakt zum Landschaftserhaltungsverband (LEV), der nicht nur grünes Licht für die Arbeiten gab, sondern sogar die komplette Finanzierung übernahm. „Das ist gegangen wie geschnitten Brot“, sagt Faaß, der damit auch die Firma Zengerle meint, zudem die bewirtschaftenden Landwirte, den Staatsforst und das Land, die alle zugestimmt haben.
Helfer packen mit an
Bevor die Arbeit losging, haben die Ehrenamtlichen geschaut, wo die Grenze verläuft zwischen dem gewachsenen Boden und der Sedimentschicht, die über Jahrzehnte durch herabfallendes organisches Material wie Blätter entstanden ist. Mit Schaufeln, Muskelkraft und einem Bagger haben die Ehrenamtlichen die Teiche tiefer gemacht, damit das Wasser länger stehen bleibt, vor allem in der „Niedrigwassermulde“, die in der Mitte etwas steiler tief wird als der Rest. In der Umgebung wurden einige Bäume entfernt, damit künftig weniger Laub und dafür mehr Sonne in die Teiche fällt. Ziel ist es, den Tieren mehr Zeit zu verschaffen, um sich zu entwickeln. Faaß weiß, dass Umweltschützer die beiden Seen vor mehr als 30 Jahren künstlich angelegt haben. Einer der beiden ist ein Himmelssee, der keinen natürlichen Zulauf hat und nur über das Grundwasser und Regenfälle gespeist wird. Je weniger Niederschlag es gibt, desto schneller fällt der See trocken. Der andere wird von einer kleinen Quelle gespeist, die rund 20 Meter entfernt entspringt. Zum Teich kommt das Wasser über einen Graben, der allerdings ebenso verlandet war wie die Quelle. Mit Bagger und Schaufel haben die Ehrenamtlichen beides wieder freigelegt, in der Hoffnung, dass das Wasser wieder fließt und bei der Quelle ein weiterer kleiner Tümpel entsteht.
Dass die Seen auch künftig ab und zu austrocknen, wird man nicht verhindern können. Doch wenn das im Hochsommer passiert, macht das Faaß und seinen Kollegen nichts aus, denn dann sind die Amphibien bereits ausgewachsen. Für die kommenden Monate wünscht sich Faaß vor allem eines: Regen, viel Regen. „Uns fehlt das Wasser, auch für die Bäume.“
