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Enzkreis -  16.02.2026
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Zwischen Konfetti und Sicherheitspersonal: Warum Umzüge in Neuhausen und Bilfingen immer aufwendiger werden

Neuhausen. Bunte Kostüme, aufwendige Masken und viel Kamelle – ein Muss für jeden Faschings-Fan. Erst auf den zweiten Blick fallen im Getümmel der Faschingsumzüge Traktoren, Feuerwehrleute und Sicherheitspersonal auf, ohne die die Veranstaltung so nicht möglich wäre. Denn heute sind Vorschriften, Warnhinweise und Sicherheitskonzepte längst zum festen Bestandteil von Veranstaltungen, Vereinen, Organisationen, Kommunen und Initiativen geworden. Und auch Formate, die früher mit vergleichsweise geringem organisatorischen Aufwand durchgeführt wurden, unterliegen inzwischen detaillierten rechtlichen und sicherheitsrelevanten Vorgaben.

Absperrungen und Zugangskontrollen gehören mittlerweile zum festen Bestandteil von Großveranstaltungen wie beimFasnetsumzug in Neuhausen.
Absperrungen und Zugangskontrollen gehören mittlerweile zum festen Bestandteil von Großveranstaltungen wie beimFasnetsumzug in Neuhausen. Foto: Georg Kost

Diese Entwicklung ist nicht zufällig entstanden. Sie steht im Zusammenhang mit veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, gestiegenen Haftungsrisiken, konkreten Schadensereignissen sowie einer zunehmenden Sensibilisierung für Gefahrenlagen.

Dass dies massive Auswirkungen auf die Planung von Faschingsumzügen hat, weiß Alexander Dörner, Umzugspräsident des Fastnachtsvereins Hau-Hu Neuhausen nur zu gut: „Es ist sehr aufwendig, so einen Umzug zu organisieren, und es wird immer schwerer.“

Beim jüngsten Umzug am Sonntag seien allein 17 Mitarbeiter einer privaten Security-Firma vor Ort im Einsatz gewesen. Dazu kämen mehrere Streifenwagen. Die Sicherheitskonzepte für eine solche Veranstaltung gebe das Landratsamt vor, so Dörner. „Die Traktoren, zum Absperren der Straßen kommen von örtlichen Bauern, da hilft man sich in der Gemeinde gegenseitig.“ Nach Rücksprache mit der Polizei, berichtet Dörner, sei es beim vergangenen Umzug zu keinerlei Vorfällen gekommen. „Es konnten alle schön und sicher Fasching feiern.“

Damit das auch in Zukunft so bleibt, kommt es in vielen Kommunen zu verschärften Auflagen. So sind Behörden und Veranstalter verpflichtet, Risiken zu minimieren und die Sicherheit von Teilnehmenden zu gewährleisten. Dies geschieht neben umfangreichen Sicherheitskonzepten durch Genehmigungsverfahren, Auflagen zu Jugendschutz und Brandschutz, Zufahrtssperren oder auch Haftpflichtfragen. Aspekte, die vor allem für ehrenamtlich Engagierte einen erheblichen zeitlichen und organisatorischen Aufwand bedeuten. Denn neben finanziellen Belastungen entsteht meist ein zusätzlicher administrativer Druck. Dieser kann dazu beitragen, dass sich Menschen aus der Vereinsarbeit zurückziehen oder das Engagement zumindest kritischer hinterfragen. Politisch wird das Ehrenamt regelmäßig als unverzichtbarer Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenhalts hervorgehoben. Gleichzeitig sehen sich viele Vereine mit wachsenden Anforderungen konfrontiert, die ohne professionelle Strukturen nur schwer zu bewältigen sind. Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld zwischen öffentlicher Wertschätzung und praktischer Umsetzbarkeit. Besonders deutlich wird diese Entwicklung während der Fastnachts- beziehungsweise Fasnetszeit.

Beim Narrenbund Kakadu Bilfingen mache man sich diesbezüglich keine Sorgen, denn für faschingsbegeisterte Bürgerinnen und Bürger sorge man gerne für Sicherheit. So seien insgesamt 30 Sicherheitskräfte eingeteilt, die das Umzugstreiben im Blick behalten würden, sagt der Umzugsleiter Christoph Gerhard. Zudem sei jede Straße mithilfe von Traktoren abgesichert. Um auch unter den Feiernden den Überblick zu behalten, würden auch in diesem Jahr wieder vermehrt Taschenkontrollen durchgeführt werden.

Die Frage nach den Ursachen dieser verstärkten Absicherungen ist komplex. Einerseits haben tatsächliche Vorfälle – etwa im Zusammenhang mit Gewalt, Missbrauch von Alkohol oder dem Einsatz verbotener Substanzen – ihre Berechtigung. Andererseits wird diskutiert, ob die fortschreitende Regulierung Ausdruck eines allgemeinen gesellschaftlichen Wandels ist, in dem Risikoakzeptanz sinkt und Absicherung an Bedeutung gewinnt.

Rückblickend wird häufig auf eine Zeit verwiesen, in der Feste stärker von informeller sozialer Kontrolle, gegenseitiger Bekanntschaft und persönlicher Verantwortung geprägt waren. Gemeinschaftliche Strukturen ermöglichten es, auf problematische Situationen unmittelbar zu reagieren. Heute erfolgt Risikosteuerung stärker formalisiert und institutionell abgesichert.

Ob diese Entwicklung als notwendige Anpassung an veränderte gesellschaftliche Realitäten oder als Verlust an Unbeschwertheit wahrgenommen wird, hängt von der jeweiligen Perspektive ab. Unstrittig ist, dass Sicherheit und Haftungsfragen für Veranstalter inzwischen zentrale Aspekte darstellen. Gleichzeitig bleibt die Frage bestehen, wie viel Regulierung erforderlich ist, um Schutz zu gewährleisten, ohne ehrenamtliches Engagement unverhältnismäßig zu belasten.

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