Mühlacker
Mühlacker -  17.01.2026
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Groove im Gremium: Warum Mühlackers Gemeinderat als Band auftreten sollte

Mühlacker hat einen neuen Oberbürgermeister. Und was für einen. Stephan Retter spielt Saxofon. Nicht nur so nebenbei, sondern ernsthaft, leidenschaftlich, mit Taktgefühl. Bis zum Ende des vergangenen Jahres hat er in der Big Band in Freiberg am Neckar sogar die Geschicke geleitet und den Swing vorgegeben. Jetzt also Rathaus statt Proberaum, Gemeinderat statt Big Band.

Eine Kolumne von PZ-Redakteur Johannes Rose

Wobei: Ganz so eindeutig ist die Trennung gar nicht. Denn schaut man genauer hin, sitzt im Mühlacker Gemeinderat erstaunlich viel musikalische Kompetenz. Ulrich Seibold (SPD) an der Trompete, Jazz im Blut. Paul Renner (SPD) am Klavier, Rolf Leo (FW) am Mikrofon. Reiner Müller (FW) greift zur Gitarre und singt. Das ist kein Gremium mehr, das ist fast ein Line-up. Warum also nicht den nächsten logischen Schritt gehen? Wenn die Haushaltslage angespannt ist, wie zuletzt oft betont, muss man kreativ sparen. Eine Gemeinderatsband wäre da ein Anfang.

Dann braucht man das Geld nicht für externe Musiker ausgeben. Der erste Auftritt: Mühlacker Frühling. Bühne steht, Publikum auch. Gage? Entfällt. Ehrenamt, versteht sich. Ein Schlagzeuger fehlt noch. Aber vielleicht findet sich jemand mit Taktgefühl – notfalls kann man ja auf den Tisch klopfen. Der Rest des Gremiums übernimmt den Background-Gesang. Das wäre nicht einmal Neuland: Auch in Sitzungen summen manche eher mit, während andere den Ton angeben. Auf der Bühne wie im Rat wird sich dann zeigen, wer führt und wer nur begleitet. Und die Bewirtung? Kein Problem. Der Oberderdinger Gemeinderat eilt da sicherlich zur Hilfe. Immerhin hat das Gremium der 12.000-Einwohner-Stadt einen eigenen Weinberg. Vielleicht ist das ja die neue Form kommunaler Zusammenarbeit: weniger reden, mehr Musik. Und wenn es mal schief klingt – dann schiebt man es einfach auf Land oder Bund.