App statt Personal: Kann so ein Wertstoffhof im Enzkreis funktionieren?
Enzkreis/Kreis Karlsruhe. Am 4. März wurde in Pfinztal der erste „Self-Service-Wertstoffhof“ im Landkreis Karlsruhe offiziell in Betrieb genommen. Bürgerinnen und Bürger können ihre Materialien auf dem Wertstoffhof in Pfinztal ab sofort auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten flexibel und eigenständig abgeben. Ziel des Pilotprojekts sei es, Entsorgungswege zu vereinfachen, Wartezeiten zu reduzieren und die Abfallentsorgung besser an Bürger-Bedürfnisse anzupassen.
Die Einführung des Self-Service-Systems sieht der Landkreis zugleich als eine Antwort auf Herausforderungen wie den Fachkräftemangel.
Bestimmte App im Einsatz
Die Nutzung erfolge über die kostenlose App „MAEX“. Dort wählen die Nutzerinnen und Nutzer ihren gewünschten Anlieferungstermin sowie die entsprechende Wertstofffraktion aus. Nach erfolgreicher Buchung erhalten sie Zugang zum Gelände und können das Tor selbstständig öffnen. Jürgen Hörstmann von der Pressestelle des Landratsamts antwortet auf PZ-Anfrage, ob im Enzkreis so ein Angebot ebenfalls denkbar wäre:
„Im Grundsatz kann sich der Enzkreis die Möglichkeit eines ,Self-Service‘ auf den Wertstoffhöfen vorstellen.“
Aktuell werde dies in mehreren Stadt- und Landkreisen deutschlandweit, nicht nur in Karlsruhe, erprobt.
„Wir warten auf die dort gemachten Erfahrungen und wägen dann ab, ob und wie dies im Enzkreis umsetzbar wäre“, so Hörstmann. Sagen lasse sich, dass die Umstellung der Wertstoffhöfe eine große Investition sei. Auf der anderen Seite ermögliche dies, auch außerhalb der Öffnungszeiten Wertstoffe anzuliefern, was den Andrang während dieser Zeiten reduzieren könnte. „Allerdings wäre die Anlieferung auf kostenlose Annahmen, zum Beispiel Papier, Kartons, Metall, Elektro-Kleingeräte beschränkt“, sagt Hörstmann. Gebührenpflichtiges wie Holz und Bauschutt müsste im Enzkreis weiter zu den Öffnungszeiten angeliefert werden, „da hier mengenabhängig abgerechnet wird“, sagt Hörstmann. Weitere Hürden könnten illegale Ablagerungen oder die Gefahr von Fehlwürfen sein, wie zum Beispiel Lithiumbatterien in falschen Behältern mit entsprechend hoher Brandgefahr.
Aus diesen Gründen warte der Enzkreis zunächst die Ergebnisse der Pilotversuche ab.
Wie viel wird illegal abgelagert und falsch eingeworfen in Self-Service-Wertstoffhöfen?
Da auf den Wertstoffhöfen des Enzkreises festes Personal im Einsatz ist, kommen laut Landratsamt mit seinem Sitz in Pforzheim „kaum Fehlwürfe und Müllablagerungen“ vor. Aber wie würde es sich beim „Self-Service“ verhalten? Dafür will die Kreisbehörde das Pilotprojekt abwarten. Auf den ebenfalls ohne festes Personal betriebenen Häckselplätzen zum Beispiel gebe es ehrenamtliche Paten, aber durch diese natürlich keine engmaschige Kontrolle. Wilde Müllablagerungen im öffentlichen Raum finden sich laut Sprecher Jürgen Hörstmann „leider überall, auch auf den Häckselplätzen. Genaue Zahlen dazu liegen uns nicht vor“, teilt Hörstmann weiter mit. Das Niveau sei aber relativ gleichbleibend.
