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Pforzheim -  03.09.2026
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Fotos Wohnsitzloser zeigen anderen Blick auf Pforzheim

Pforzheim. Sie haben ihre besonderen Momente in der Goldstadt eingefangen. Zwölf Frauen und Männer aus der Wohnungslosenhilfe erzählen Geschichten.

Fast ein Jahr lang hat Fotografin Ute Kästner (75) den Erfolg eines Experiments vorangetrieben: Sie hat zwölf Frauen und Männer aus dem Eutinger Tal und dem Wichernhaus Stück für Stück dafür gewinnen können, ihre Stadt und die Natur durch die Linse einer Kamera zu entdecken. Kai Neumann (49) und Christian Jaeger (64) sitzen an diesem Vormittag im Beratungstreff der Siedlung Eutinger Tal und denken gerne an ihre Ausflüge zurück. Neumann, der sich für Architektur und Gebäudestrukturen interessiert, lebt seit dem Winter in einer WG in einer der Notunterkünfte. Er habe viel verloren, sagt der Mann, der aus einer Leipziger Künstlerfamilie stammt.

Das Projekt habe ihm geholfen, sich zu fokussieren. Jaeger hat es besonders gefreut, dass er keinerlei Vorgaben bei der Motivwahl hatte. Ihn haben etwa die Gitter am Beratungstreff, die er seit zwölf Jahren kennt, genauso interessiert wie der Blick aus dem Thalia-Gebäude in der City. Die Kontakte und Gespräche seien wichtig gewesen, ergänzt Neumann.

Jutta Arndt, Geschäftsführerin des Wichernhauses der Pforzheimer Stadtmission, freut sich über das Ergebnis. Insgesamt zwölf Frauen und Männer im Alter von 25 bis 65 Jahren haben Orte wie den Bahnhof für sich entdeckt, oder einen Kaugummiautomaten in Szene gesetzt. Manche wollen nur ihren Vornamen nennen. Anlässlich seines 40-jährigen Bestehens und des „Tags der wohnungslosen Menschen“ zeigt die Obdachloseneinrichtung deshalb eine große Ausstellung mit rund 60 Fotomotiven, die Wohnungslose auf ihren Streifzügen durch die Stadt und die Grünzüge entlang der Flüsse aufgenommen haben.

Die Vernissage „Urbanfotografie – Einblicke. Ausblicke. Geteilte Orte“ soll am Freitag, 11. September, um 16 Uhr im Voba-Haus eröffnet werden. Das Wichernhaus berät bei Fragen der Existenzsicherung, bietet stationäre Hilfen sowie ambulant begleitetes Wohnen in den eigenen vier Wänden an. Die Einrichtung und das Team haben in den vergangenen Jahrzehnten viel geleistet, um Menschen zu stabilisieren und ihnen eine Perspektive an die Hand zu geben.

Sonst nicht im Mittelpunkt 

Das aktuelle Fotovorhaben soll einen anderen Zugang zu Menschen eröffnen, die sonst nicht im Mittelpunkt stehen. Der Lions Club Pforzheim ist maßgeblicher Unterstützer des Projekts. Präsident Gerhart Odenwald war es wichtig, die Interessierten auf ihrem Weg bestmöglich zu unterstützen. Er hat Ute Kästner mit ins Boot geholt, die über langjährige Erfahrung in der Fotobranche verfügt. Sie hatte vor Monaten begonnen, wohnungslose Menschen kennenzulernen und sie für das Fotografieren zu begeistern. Ihre gemeinsamen Streifzüge durch die Goldstadt hätten ihr viel Spaß gemacht, sagt Kästner. Denn sowohl die ungewöhnlichen Motive als auch die Biografien der Künstler hätten sie berührt. Der Lions Club hat mit einer Spende von 10.000 Euro auch zwei hochwertige Kameras finanziert, die künftig im Rahmen eines veränderten Konzepts für die Tagesstruktur eingesetzt werden sollen, erklärt Wichernhaus-Geschäftsführerin Jutta Arndt.

Das PZ-Medienhaus hat bei der Erstellung der Broschüre geholfen. Rund 250 Fotos lagen am Ende zur Auswahl auf dem Tisch. Zusammen mit den Fotokünstlern habe man über die einzelnen vorliegenden Arbeiten diskutiert, sagt Arndt. Waren sich die Perspektiven zu ähnlich oder war die Bildqualität zu schlecht, habe man sich gegen das jeweilige Foto entschieden. Rund 60 gerahmte Motive sind übrig geblieben. Vielleicht könne es weitere Projekte geben, die die Bewohner der Siedlung zusammenbrächten, überlegt Neumann. Er hofft außerdem, dass die Fotos nach Ende der Ausstellung einen guten Platz finden, wo sie gesehen werden.

Eröffnung mit Gästen 

Die Ausstellung des Wichernhauses „Urbanfotografie – Einblicke. Ausblicke. Geteilte Orte“ eröffnet im Pforzheimer Volksbankhaus Westliche Karl-Friedrich-Straße 53 am Freitag, 11. September, ab 16 Uhr und ist bis zum Sonntag, 27. September, zu sehen. Im Gespräch sind im Rahmen der Eröffnung die Dezernentin für Familie und Soziales im Enzkreis Katja Kreeb sowie Karlsruhes Ex-Sozialbürgermeister Martin Lenz. Schirmherr ist Oberbürgermeister Peter Boch. Er spricht Grußworte. Der Erlös aus verkauften Fotos geht an die einzelnen Künstler, allgemeine Spenden kommen dem Wichernhaus zugute.

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