Globale Krisen und Katastrophen: Im Enzkreis ist man auf den Ernstfall vorbereitet
Enzkreis. Globale Krisen und Katastrophen rücken näher. Deswegen will der Enzkreis seine Bürger für die Zukunft wappnen und informieren.Also was tun, wenn plötzlich der Strom ausfällt, Starkregen die Straßen überflutet oder ein Brand ausbricht? Fragen wie diese stehen im Mittelpunkt einer neuen Kampagne des Enzkreises
— dabei setzen die Verantwortlichen nicht auf Panik mache, sondern auf Aufklärung und Spaß.
Am Donnerstag wurde im Landratsamt die Initiative „Sicher? - Sicher! Vorbereitet wenns drauf ankommt“, vorgestellt. Landrat Bastian Rosenau machte dabei deutlich, worum es gehe: „Es geht nicht darum, Panik zu machen“, sagt er. Vielmehr solle die Bevölkerung informiert und vorbereitet werden.
„Wenn jeder an sich denkt, wird niemand vergessen.“ Bastian Rosenau Landrat
Die Kampagne richtet sich an den gesamten Enzkreis. Ein begleitender Flyer wurde bereits mit dem Abfallbescheid an die rund 100.000 Haushalte verschickt — ein bewusster Schritt, wie aus dem Landratsamt zu hören war. Ein separater Versand per Post wäre schlicht zu teuer gewesen, sagt die Erste Landesbeamtin Hilde Neidhardt.
Inhaltlich setzt die Kampagne auf einfache, verständliche Botschaften. Neidhardt erklärte, man habe sich bewusst an bestehenden Konzepten orientiert: „Wir erfinden im Enzkreis nichts neu.“ Die Inspiration für „Sicher? – Sicher!“ kam unter anderem aus Nordfriesland, wo ein ähnliches Projekt laufe. Entscheidend sei gewesen, die Inhalte so aufzubereiten, dass sie jeder verstehe — und im besten Fall sogar mit etwas Spaß und gern aufnehme. Auf dem Flyer finden sich Themen wie „Was tun bei Starkregen?“ oder „Stromausfall & Blackout“.
Unter diesen Überschriften werden konkrete Tipps gegeben: Vorräte anlegen, Notfallausrüstung bereithalten, auf Warnmeldungen achten und vieles mehr. Auch Themen wie Großbrand oder ein möglicher Verteidigungsfall werden angesprochen. Bei diesen Tipps geht es aber nicht um das anlegen von perfekten Notvorräten. Was man machen möchte, müsse jeder für sich selbst entscheiden, so der Landrat.
Auf der Website enzkreis-sicher.de, gibt es dafür zum Beispiel einen genauen Vorratsrechner, der den Familien individuell berechnet, welche Vorräte sie anlegen müssten, um im Ernstfall gut vorbereitet zu sein.
Hilfe für die Einsatzkräfte
Kreisbrandmeister Carsten Sorg unterstrich die Bedeutung der Eigenvorsorge. Im Ernstfall könnten Einsatzkräfte nicht überall gleichzeitig sein.
„Wenn es zu so einer Situation kommt, können wir nicht jedem Einzelnen helfen, dann müssen wir priorisieren." Carsten Sorg Kreisbrandmeister
Dabei gehe es aber nicht nur um materielle Vorsorge, sondern auch um Wissen: Wie verhalte ich mich richtig? Welche Gefahren gibt es überhaupt? Die Kampagne wolle genau diese Fragen beantworten und „die Menschen handlungsfähig machen“, sagt Rosenau.
Nicht nur Papier
Ergänzt wird der Flyer durch eine eigene Website. Dort finden sich mehrere Rubriken, wie zum Beispiel „Szenarien“, „Vorsorgen“ und „Mitwirken“. Nutzer können sich hier gezielt über verschiedene Krisen und deren Auswirkungen informieren und erhalten konkrete Tipps. Beim Thema Starkregen wird geraten, aktuelle Wetterwarnungen zu verfolgen, Keller und Tiefgaragen rechtzeitig zu verlassen und überflutete Straßen zu meiden.
Wer bemerkt, dass das Wasser steigt, solle sich frühzeitig in höher gelegene Stockwerke begeben. Ab nächstem Monat soll auch ein WhatsApp-Kanal eröffnet werden, der die Bürger bestmöglich informieren soll.
Auch die Bildersprache der Kampagne ist gut durchdacht. Statt professionellen Models setzt der Enzkreis auf eigene Mitarbeiter. So ist am kommenden Freitag ein Videodreh geplant, bei dem der Landrat selbst auftreten wird — und auf eine Feuerwehrfrau aus Engelsbrand trifft. Sie werden einander sagen, dass alles „sicher“ ist.
