Mit Struktur zum Erfolg: AfD-Landtagskandidat Alexander Steblau im PZ-Porträt
Knittlingen. Beim Skat würde man von einem Durchmarsch sprechen, bei der Politik wohl von einem rasanten Aufstieg. Auf jeden Fall hat Alexander Steblau bei der AfD in kurzer Zeit sehr viel erreicht. Der 40-Jährige ist der Partei im November 2023 beigetreten, bei der Kommunalwahl 2024 wurde er schon in den Knittlinger Gemeinderat gewählt, seit Frühjahr 2025 ist er Sprecher des Ortsverbands östlicher Enzkreis, im selben Jahr wurde er stellvertretender Kreisvorsitzender.
Außerdem setzte er sich bei der Wahl zum Landtagskandidaten für den Enzkreis durch – gegen Christoph Wichardt, den erfahrenen früheren AfD-Fraktionschef im Kreistag, der die Partei mittlerweile verlassen hat. Mehr geht eigentlich nicht. Dabei sei er nicht zielgerichtet vorgegangen, sondern gefragt worden, sagt Steblau.
Genaue Planung
Der Mann mit dem markanten Bart gehört nicht zu den Lautesten, wie er betont: Er setze auf sachliche Gespräche. Außerdem komme ihm seine strukturierte Arbeitsweise zu Gute, verrät der verheiratete Familienvater sein Erfolgsrezept. Das habe er bei seiner beruflichen Tätigkeit gelernt. Steblau, der in Pforzheim geboren wurde und dessen Familie später nach Zaisersweiher zog, hat in Maulbronn seinen Realschulabschluss gemacht und beim Stuttgarter Bosch-Konzern eine technische Ausbildung absolviert. Dort war er in verschiedenen Bereichen des Unternehmens tätig – mittlerweile als Projektmanager für den Einkauf.
„Ich gehe bei allem sehr genau vor, mir entgeht nichts“, so Steblau.
Damit gleiche er seine Vergesslichkeit aus, räumt er ein: Er vermerkt alle Vorgänge, plant genau, analysiert seine Arbeit und beurteilt, ob alles richtig lief und was er besser machen kann. Das beherzige er auch bei seiner politischen Arbeit. Ob nun im Gemeinderat, wo er alle Vorlagen lese, oder bei den Aufgaben im stressigen Wahlkampf, für die er extra einen Projektplan entwickelt hat. Zum Beispiel bei den Wahlplakaten: Sie werden aufgehängt, fotografiert und mit dem genauen Ort versehen. Alle Infos werden in eine Tabelle eingetragen – das helfe später, jedes einzelne Plakat beim Abhängen wieder zu finden, erklärt er. Bei all der Planung ist es natürlich besonders ärgerlich, wenn unvorhergesehene Dinge passieren. In Wurmberg habe man beispielsweise die Plakate ganz früh aufgehängt. „Wir waren die ersten.“ Aber schon nach einer Nacht seien alle verschwunden gewesen. Steblau hat Anzeige erstattet, macht sich aber wenig Hoffnung auf Aufklärung.
In der AfD müsse man mit Gegenwind umgehen können, räumt er ein – ob bei Demonstrationen oder Veranstaltungen. Er versuche, Beleidigungen an sich abprallen zu lassen. Bei ernsthaft vorgetragener Kritik sei er immer zu einem Gespräch bereit, auch wenn das oft anstrengend und unangenehm sei.
„Ich suche die Arbeitsebene, bei der man Argumente austauscht.“
Auch innerparteilich hat die AfD in Pforzheim und dem Enzkreis in jüngster Zeit nicht durch Harmonie von sich Reden gemacht – sondern durch eine Vielzahl von Austritten von Stadt- und Kreisräten, verbunden mit harscher Kritik. Er habe wenig Einblick in die Hintergründe, sagt Steblau. Vermutlich seien enttäuschte Hoffnungen der Auslöser gewesen. Mittlerweile gehöre der Streit aber der Vergangenheit an, betont er.
Aber zurück zu der Struktur, die man auch bei seinem Privatleben erkennen kann. Mit seiner Frau ist der 40-Jährige seit 19 Jahren verheiratet. Für ihn sei die frühe Heirat selbstverständlich gewesen, „denn wir wollten zusammen etwas aufbauen“, sagt er. Die beiden Söhne sind 17 und 15 Jahre alt und die Familie lebt in einem Mehrgenerationenhaus, das sie in Knittlingen gebaut hat. Dort leben neben seiner Familie auch seine Eltern und seine Großeltern – also vier Generationen unter einem Dach. Er schätze diese Gemeinsamkeit sehr, die Nähe erleichtere auch die Pflege seines 96-jährigen Opas und der 92-jährigen Oma: Er übernehme das Putzen und die Hausarbeiten, seine Frau erledige die Einkäufe oder die Begleitung bei Arztbesuchen.
Bart als Markenzeichen
Aber Steblau räumt ein: Mit den politischen Ämtern und den vielen Terminen im Wahlkampf ist der Stress natürlich gestiegen. Ausgleich findet er beim Kraftsport. Seit zwei Jahren besucht er mehrmals die Woche das Fitnessstudio in der Nähe. Da er oft im Homeoffice arbeitet, nutzt er die Mittagspause, um sich richtig auszupowern.
„Man sieht schnell Erfolge, das motiviert“, so Steblau.
Dabei komme es im Gegensatz zum Mannschaftssport nur auf einen selbst an. Natürlich tankt er dabei auch Kraft für den Wahlkampf: Steblau geht davon aus, dass er den Sitz im Landtag, den seit 2016 Bernd Gögel hat, erneut holen kann – und setzt auf das Direktmandat. Denn auf seinem Listenplatz 35 könnte es knapp werden, weiß er. „Ich rechne damit, dass es klappt. Aber ich mache mich nicht verrückt.“ Weil sowohl Gögel als auch der Pforzheimer Abgeordnete Alfred Bamberger nicht mehr antreten, steht bei den AfD-Abgeordneten ein Generationswechsel an. Sollte er Erfolg haben, lässt Steblau seine Arbeit bei Bosch ruhen. „Das würde mir schwerfallen. Schließlich habe ich mit 17 dort angefangen und bin mit der Firma verwurzelt.“
Im Wahlkampf hat er auf jeden Fall einen Vorteil: Mit seinem prägnanten Bart ist er leicht wiederzuerkennen.
„Der Bart ist zu meinem Markenzeichen geworden“, sagt er – und nutzt diese Tatsache.
Der nach oben gezwirbelte Schnauzer prangt als Logo auf seinem Auto oder auch auf Pullis. Außerdem sei der Bart ein guter Eisbrecher, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. „Man wird darauf angesprochen.“
Schnelle Fragen auf Social Media
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