Gemeinden der Region
Pforzheim -  09.04.2020
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Pforzheimer Jens Adam ist nun Landesjugendpfarrer: „Ergreif’einen Zipfel vom Regenbogen“

Pforzheim. Mehr als ein Jahrzehnt war Jens Adam zuerst Pfarrvikar, dann Pfarrer an der Bergkirche in Büchenbronn, zuletzt auch stellvertretender Dekan der evangelischen Kirche in Pforzheim. Zum 1. März trat der gebürtige Pforzheimer seine Stelle als Landesjugendpfarrer in Karlsruhe an.

PZ: Was hatten Sie erwartet? Und was ist alles anders geworden? Worum dreht sich Ihr Alltag an der Arbeitsstelle?

Jens Adam: Nach einer Woche ging der Status von „Sichten und Zuhören“ aufgrund der Herausforderungen durch Corona umgehend über in den Modus „Vernetzen, Kommunizieren, Entscheiden“. Das große und hochengagierte Team im Kinder- und Jugendwerk sowie in den Bezirksjugendwerken Badens musste sich erst einmal neu organisieren, was Kommunikation und Prozesse anging. Sehr schnell drehte sich auch viel um die Fragen: „Was müssen wir absagen? Was können wir zusagen? Was bieten wir alternativ?“

PZ: Ist das Arbeit oder eher seelsorgerische Aufgabe?

Jens Adam: Beides. Hinter organisatorischen Klärungen stehen immer Menschen, die sich mit unglaublichem Herzblut für die Belange von Kindern und Jugendlichen einsetzen. Teils steht da jahrelange Beziehungspflege dahinter – und vor allem das Ergriffensein durch den christlichen Glauben. Es macht etwas mit uns, nicht mehr so wie vorher für andere Menschen da sein zu können oder von anderen Impulse zu bekommen.

PZ: Wie reagieren Sie auf Fragen gerade der jungen Menschen, die in einer prägenden Entwicklungsphase sind – also Betroffenheit, Irritation, Verzweiflung?

Jens Adam: Ich reagiere mit dem, was mich in diesen Gefühlen selbst trägt: das Wissen um Gottes letztendlich heilvolle Perspektive für die ganze Welt; das Auftanken-Können im Beten und Nachdenken; das Befreit-Werden dazu, das jetzt Mögliche besonnen und energisch anzupacken – und anderes zu lassen.

PZ: Spielt da ein Fest wie Ostern eine Rolle, wo man perspektivisch nicht mit der Oma und dem Opa beisammen sein kann – oder noch viel schlimmer; sie bei deren Sterben allein lassen zu müssen?

Jens Adam: Definitiv. Ostern ist das Fest der Erinnerung an Gottes Protest in der Welt. Er reagierte auf die schlimmste menschliche Erfahrung – das Sterben – mit seinem lebenspendenden Protest: „So nicht!“ Gottes „So nicht!“ heißt in der Sprache von Ostern: „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Das verbindet Omas und Opas mit ihren Enkeln und Mamas und Papas mit ihren Kindern: Es verbindet nämlich alle Menschen untereinander – im Leben wie im Sterben.

PZ: Wenn Sie nicht, wie beim Konfirmandenunterricht, physisch bei den Kindern und Jugendlichen sein können: Sind Sie gefragt als digitaler Lotse, als Skype-Coach?

Jens Adam: Ich bin wie sehr viele andere Menschen im Home-Office. Nicht nur gefühlt, sondern auch sehr real bin ich im andauernden Skype-, Zoom-, WhatsApp-, Telko-Modus. Und damit vor allem im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen, die wunderbare Angebote für Konfis, für Kinder und Jugendliche – und generationenübergreifend – kreieren. Siehe Hashtag #seibegleitet oder www.ejuba.de.

PZ: Einmal Prediger, immer Prediger - was würden Sie einer Gemeinde in Tagen wie diesen sagen?

Jens Adam: „Die Hoffnung, die in mir ist, hat ihre Wurzeln in Gott. Die Hoffnung, die mir Kraft gibt, kommt durch Jesus Christus. Die Hoffnung, die ich weitergeben mag, leuchtet durch Gottes Geist auf. Es ist die Hoffnung, dass Gottes Wege immer noch weitergehen, als es unsere Sinne für möglich halten. Es ist der Blick auf den bunten Bogen Gottes, gesetzt als Zeichen des nie endenden Bundes (1. Mose 9,12). Und wenn du kannst, dann ergreif’ einen Zipfel von diesem leuchtenden Regenbogen und schenk ihn weiter: als buntstrahlendes Licht in grauer Zeit. Und denk dran: Sein Licht gilt auch dir.

Zur Person: Jens Adam

Geboren 1969 in Pforzheim, hat Jens Adam - nach der Schule und dem Zivildienst im Trudpert-Klinikum - in Tübingen, Jerusalem und Heidelberg Theologie (und Islamistik, Judaistik und Ethik in der Medizin) studiert und war dann in Allensbach am Bodensee und in Eppingen im Kraichgau im Pfarramt. Von 2001 bis 2011 war er Assistent bei Professor H.-J. Eckstein am Lehrstuhl für Neues Testament mit Schwerpunkt Evangelienforschung an der Universität Tübingen. Er wurde dort über die Versöhnungslehre des Apostels Paulus promoviert und habilitierte sich über das Thema der Auferstehung Jesu Christi. Adam ist seit 2018 verheiratet und Vater zweier Töchter. Die Familie werde weiter in Büchenbronn wohnhaft bleiben, sagt er – folglich müssen sich die Familienhunde nicht an ein neues Revier zum Gassigehen gewöhnen.