Schmuck aus den eigenen Haaren: Ungewöhnliche Designs bei der Werkschau der Fakultät für Gestaltung in Pforzheim
Pforzheim. Pforzheim. Regeln brechen, Materialien neu denken, Designs verbessern. Bei der Werkschau der Fakultät für Gestaltung zeigen Studierende, wie Innovation aussehen kann.
Es geht um den Menschen bei der Werkschau der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim. Angefangen beim Motto „Wir sind Werkschau“ – meint: der Mensch hinter dem Projekt soll sichtbar werden – bis hin zu den einzelnen Arbeiten.
















Die „Kinetic aid“ (deutsch: kinetische Hilfe) von Industrial-Design-Student Leon Kast bringt die oft unbequeme handelsübliche Krücke in eine neue, bessere Form. Oder wie Kast sagt: „Das Entwicklungsdesign ist noch nicht ausgeschöpft.“ Mit austauschbaren Teilen, weicheren Griffen und Armmanschetten und mit Carbon-Blattfedern – die sind vielen von den Beinprothesen paralympischer Läufer bekannt. Das Design ist der menschlichen Gehbewegung angepasst und unterstützt durch die Federung den Benutzer.
Auch „Die Runde“ von Lilly Englert unterstützt Menschen. Allerdings dabei, ein Gespräch zu führen. Mit ihrem Projekt im Studiengang Visuelle Kommunikation will sie Räume für den respektvollen Austausch untereinander schaffen. Dabei helfen unter anderem Poster mit klaren Regeln, Bieruntersetzer, die anzeigen, wer Lust auf Gespräche hat, und passende Flyer, die das Konzept erklären. Entwickelt hat sie „Die Runde“ für Eckkneipen, aber auch privat könne so ein Gesprächskreis entstehen.
Maria Eunice Clarissa studiert Creative Direction, ist Migrantin und erschöpft. Ihre Erfahrungen hat sie in der Ausstellung „The Tired Immigrant“ zusammengefasst. Sie erzählt von den alltäglichen Problemen, die Clarissa aufgrund ihrer Herkunft widerfahren. Der Bürokratie und den Erwartungshaltungen von anderen an sie, aber auch von sich selbst. Immer wieder müsse sie sich beweisen. Ein Teil der Ausstellung ist ein Zauberwürfel, dessen Felder aus Farben verschiedener Hauttöne bestehen. Clarissa stellt die Frage: „Wann ist er gelöst?“
In Samuel Bemmers Abschlussarbeit „Leder Beton“ in Accessiore Design wendet er den Brutalismus auf Taschen, Schuhe, eine Halskrause und ein Armband an. Regeln werden gebrochen, Nähte liegen frei, das Metall soll eine Patina bilden. Für die Verschlüsse hat sich Bemmer teilweise vom Karosseriebau inspirieren lassen.
Felix Stöhr ließ sich für sein Projekt „grains“ von seiner Zeit als Schreiner beeinflussen. Er schuf aus feinen Holzlagen Kleider und Röcke. Setzen könne man sich damit zwar nicht, aber laufen gehe – solange keine Stufe komme.
Etwas anderen Schmuck gibt es von Lissy Ossig. Sie hat ihre Haare gesammelt, farblich sortiert und in Ketten und Ringe geflochten. Heraus kam feiner Schmuck, der aus eigenen Materialien besteht. Der Name ihrer Abschlussarbeit: „Temperence and Overflow“ (deutsch: Mäßigung und Überfluss). Der Überfluss kommt vom teilweise verwendeten Silber.
Eine Kette gibt es auch bei „sein und zeit“ von Yasutaka Okamura. Inspiriert von dem gleichnamigen Buch von Martin Heidegger und buddhistischen Lehren schuf Okamura Keramiken, die mit verschiedenen Materialien durchsetzt sind. Dadurch entstehende Risse sind gewollt und Teil des Prozesses. Die Kette ergänzt die Arbeit. Integriert sind Steine, die mit Morsecode gleich zwei Sprichworte schreiben: „Wer rastet, rostet“ und „Ich liebe dich mehr als gestern, aber weniger als morgen“.
Das eigene Auto einfach zusammenbauen? Das ist die Idee hinter „MINI mini“ von Transportation-Design-Student Nici Lindsay. Für den urbanen Raum entwickelt, könnte es auf einer Europalette geliefert und zu Hause zusammengebaut werden. Da es ein Leichtkraftfahrzeug ist, fehlen allerdings die Türen, und die Höchstgeschwindigkeit beträgt 45 Stundenkilometer.
Auch Alessandro Castiglioni hat ein Auto entwickelt im Projekt „Cupra Escalador“ im Bereich Transportation Design. Die Anforderung von Cupra: „Mach’ es extrem.“ Heraus kam ein Fahrzeug ohne Boden und Dach. Die Sitze sind am Rahmen befestigt. Inspirieren lassen hat sich Castiglioni dabei von Kletterern. Für die Straße sei das Gefährt allerdings nicht geeignet.
Tao Zhang experimentierte mit Luftkissen. In „Mensch-Objekt-Interaktion mittels kinetischer Strukturen“ – seiner Abschlussarbeit in Design und Future Making – befasst er sich mit den Möglichkeiten, Luftkissen in andere Formen zu bringen. Daraus könnten unter anderem Lampen und Möbel entstehen. Oder auch praktische Verpackungen für Pakete.
