Gemeinden der Region
Pforzheim -  18.03.2026
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"Sie sollen im Ausland tanken": Zu diesen Mitteln müssen Unternehmer aus der Region wegen hoher Spritpreise greifen

Pforzheim. Pforzheim. Die hohen Spritpreise treiben die Handwerksbetriebe in der Region wegen der steigenden Kosten um. Laut Catarina Haberstroh, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis, seien vor allem die Branchen Sanitär, Heizung, Klima, die Auto-/Kfz-Branche sowie die Zimmerei und Dachdeckerbetriebe betroffen.

Spritpreis Rolf Benzinger
Wenn es geht, betankt er die Lastwagen im Ausland: Speditionschef Rolf Benzinger machen die hohen Spritpreise zu schaffen. Foto: Meyer

Mobiler Kran im Einsatz

Sorgenvoll schaut etwa Patrick Vester, Geschäftsführer der Firma „Die Holzmeister“ aus Straubenhardt und stellvertretender Kreishandwerksmeister. Die bittere Kröte müsse er erst einmal schlucken, die hohen Spritpreise könne er nicht einfach an die in der Regel privaten Kunden weitergeben.

„Viele Projekte haben einen langen Vorlauf.“

Seine fünf Gesellen und drei Lehrlinge sind momentan mit acht Vorhaben beschäftigt, vom Dachdecken bis zum Umbauen im Bestand. Zehn Tonnen Dachziegel beim Neudecken eines Daches irgendwohin zu fahren, koste reichlich Sprit. Dafür kommt auch ein Lastwagen mit mobilem Kran zum Einsatz, der mit Diesel betankt wird. Für diese Technik gebe es auf dem Markt keine Alternative, sagt Vester. Zu den hohen Tankkosten kämen noch Energieanlieferungen, auf die immer extra Aufschläge zu zahlen seien. Erst in vier Wochen kann Vester das Ausmaß der Mehrkosten kalkulieren.

„Es schmerzt“, sagt Asaam Akram. Auf lange Sicht gesehen sieht er durchaus „existenzgefährdende“ Signale. Das Problem: Der Mann, der seit 2022 mit seiner Schwester Rashida Akram den Fahrdienst „Minicar Pforzheim“ führt, sieht derzeit kein Licht am Ende des Tunnels der explodierenden Benzinpreise. Dann müsse man doch irgendwann die Preise erhöhen, wie das derzeit in vielen Sektoren der Fall sei, sagt er. Das könnte er für den Minicar-Fahrdienst auch in Eigenregie tun, für den er 15 rote Fahrzeuge bereithält. Das gilt aber nicht für die Taxi-Dienste, für die er zehn Fahrzeuge auf die Strecke schicken kann. Da hat die Stadt das Sagen, was die derzeit seiner Meinung nach noch moderaten Pforzheimer Taxi-Preise betrifft. Die aktuellen Benzinpreise, die teilweise um 70 Cent pro Liter höher seien, „treffen uns enorm“. Zwar sind in der Flotte auch fünf Hybridfahrzeuge unterwegs, da man aber die Wünsche der Anrufer außer bei einer Vorbestellung nicht einschätzen könne, müsse man ja auch spontan in der Lage sein, jemanden etwa zum Frankfurter Flughafen fahren zu können.

„Wir versuchen, effizienter voranzukommen“, sagt Akram. Aber an vielen Schrauben kann man seiner Darstellung nach nicht drehen. Fahrziel bleibt Fahrziel. Mit dem aktuellen Preisniveau für Dienste und dem an Tankstellen könne man auf ganz lange Sicht gesehen nicht existieren. Akram befürchtet, dass die Situation an den Tankstellen und generell der Konflikt „langfristig“ sein könnte. Als mittelständischer Unternehmer sieht Akram durchaus auch die Verantwortung für seine 80 Mitarbeitenden. „Wir sind ja eine Familie“, sagt er. Die ganze Situation schmerze ihn schon, er sei „schon besorgt“. Derzeit sei eine Tankfüllung um die 40 Euro teurer, rechnet er vor. „Statt 60 Euro zahle ich nun um die 100 Euro.“

Restaurants erhöhen Preise

Rolf Benzinger weist seine Fahrer mittlerweile an, wenn möglich im Ausland zu tanken.

„Da ist es billiger als bei uns“, sagt der Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition in Friolzheim.

Zwischen acht und neun Millionen Liter Kraftstoff braucht seine 400 Fahrzeuge starke Flotte pro Jahr, in deren Tanks zwischen 500 und 1200 Liter passen. Wegen der hohen Spritpreise müsse das Unternehmen daher 250.000 Euro an Liquidität vorschießen.

„Das belastet uns schon gewaltig“, sagt Benzinger.

Und damit auch die Kunden, die die gestiegenen Transportkosten übernehmen müssten, sowie die Endverbraucher, für die letztendlich Produkte teurer würden. Benzinger hofft daher, dass der Sprit wieder billiger wird und „das Kartellamt den Mineralölkonzernen auf die Finger schaut“.

Auch Restaurants mussten bereits ihre Preise erhöhen, teilweise um einen Euro pro Gericht. Einer, der sie anheben musste, ist Jing Xu, Betreiber des asiatischen Restaurants „East Wok“. „Ich muss vier Lieferwagen betanken.“ Das schlage sich nun auf die Preise nieder, sagt er mit einem entschuldigenden Lächeln. Ein notwendiger Schritt. Neben den Lieferungen an Privatpersonen versorge er unter anderem Firmen am Mittag und Abend mit Essen. „Alles wird teurer“, sagt er. Ob er jemals wieder seine Preise senken könne, wisse er nicht.

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