Zwischen Dreck und Hoffnung: Abriss des Ex-Sinn-Leffers-Gebäudes belastet umliegende Läden
Pforzheim. Staub weht durch die Lammstraße als oben am ehemaligen Sinn-Lefers-Gebäude eine Mauer zunächst nachgibt und dann einstürzt. Am Bagger wird Wasser gesprüht, damit die Staubentwicklung nicht so groß ist. Zuletzt hat das nicht immer geklappt. Hört man sich bei den benachbarten Unternehmen und Läden um, so war es vor allem am vergangenen Donnerstag noch anders.
Da traf der Staub die draußen aufgestellte Ware bei Läden in der Leopoldpassage. Eva-Maria Dettinger, Ladeneignerin der „Schuhmode am Leo“, erzählt am Dienstag, dass man am Donnerstagabend erstmal großflächig gefegt habe. Ware draußen aufstellen werde man erstmal nicht. Am Folgetag habe sie sich dann an die Vermieter der Leopoldpassage gewandt, die Passage doch bitte nass auszuspülen. Das sei auch gemacht worden. Und auch so staube es bereits deutlich weniger. Das mag auch damit zusammenhängen, dass sie sich direkt an die Bauarbeiter gewandt habe. „Inzwischen verspritzt der Bagger auf jeden Fall Wasser. Davor habe ich das nicht gesehen“, so Dettinger. Insgesamt seien Projektleitung, Baufirma und auch die eigenen Vermieter sehr entgegenkommend. Die Stützen etwa, welche das gläserne Dach der Leopoldpassage neuerdings auf der Südseite tragen, seien erst gesetzt worden, als die Geschäfte in der Passage abends bereits geschlossen hatten.
Die Schuhhändlerin sagt aber auch, dass sie durchaus Umsatzeinbußen zu verzeichnen habe: „Am Ende des Februars stand ein zweistelliges Minus.“ Zwar sei Februar gemeinhin der umsatzschwächste Monat im Jahr, aber dass der März ihn wohl nicht kompensieren könne, sei ein klarer Fingerzeig.
Die alten Zeiten zurück?
Nicht nur mit Dreck und Lärm hat man gegenüber beim Modeladen „Zeitgeist“ zu kämpfen, hier spüre man es laut einer Mitarbeiterin regelrecht durch den Boden, wenn im Ex-Sinn-Leffers eine Wand umstürzt. Der Staub sei zwar lästig – „Ich habe am Donnerstag eineinhalb Stunden lang gestaubsaugt, ich hab immer noch was gefunden“ –, aber gleichzeitig müsse die Baustelle halt sein. Eine Hoffnung beim Neubau sei mehr Leben in der Stadt „und hoffentlich auch mehr Laufkundschaft“. Von einem kleinen Revival der Lammstraße träumt derweil Menduh Sahin-Yilmaz, Besitzer der alteingesessenen Änderungsschneiderei „Atelier Menduh“. „Ich bin froh, dass das Gebäude endlich wegkommt“, sagt er. Der Leerstand sei eine Katastrophe gewesen, überall der Müll gelegen. Was jetzt kommen soll, sei auf jeden Fall besser. Da nehme man auch ein bisschen Dreck und Lärm in Kauf. So geht es offensichtlich auch der Kundschaft, denn im Atelier ist am Dienstagvormittag reger Betrieb. Was sich Menduh wünscht? Eine Lammstraße, wie er sie noch aus den 1980er-Jahren kennt: ordentlich, schön anzuschauen und vor allem keine Autos. „Ordnung muss wieder her“, sagt er. Mit Supermarkt und Sozialrathaus statt Leerstand in der direkten Nachbarschaft könne das etwas werden.
Keine Sorgen bereitet die Baustelle Tina Dahlke, Filialleiterin beim Sanitätshaus „OrthoCon“ an der Leopoldstraße. „Wir merken vom Lärm und Staub eigentlich nichts. Wir sind aber auch das zweite Haus nach der Baustelle.“ Tatsächlich ist es im Raum ausgesprochen ruhig, gerade wenn man von der Straße kommt. Probleme bei Lieferungen? Nein, sie würden von den Bauarbeitern sogar darüber informiert, wenn diese größere Lieferungen erwarten.
Und auch so sieht Dahlke die ganze Situation entspannt: „In Pforzheim ist so viel Bewegung, da stellt man sich auf sowas ein.“ Und: Ins Sanitätshaus kämen die Leute, „Baustelle hin, Baustelle her“. Dass ihr Kunden wegbleiben, sei entsprechend nicht der Fall. So sei es ihres Wissens nach auch beim „Euro Shop“ direkt neben der Sinn-Leffers-Baustelle: „Die Mädels dort halten tapfer durch.“
Eine Sache ärgert sie dann aber doch: Der benachbarte Friseur – „mein Friseur“ – hat seit Dezember geschlossen. Das sei aber, im wahrsten Sinne des Wortes, eine ganz andere Baustelle.
