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Pforzheim -  18.03.2026
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Exponat im Schmuckmuseum: Stadt Pforzheim äußert sich zu NS-Beutekunst-Ring aus Polen

Pforzheim. Ein geraubter Königsring aus Polen war jahrzehntelang verschollen, wurde dann aus einer Sammlung der Stadt Pforzheim geschenkt und liegt heute im Schmuckmuseum unter Verschluss. Warschau forderte die Rückgabe, in Pforzheim wurde gezweifelt. Ein neues Gutachten belegt nun seine Herkunft. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Stellungnahme des Nationalmuseums Krakau zu einem vom Schmuckmuseum im Frühjahr 2025 beauftragten Gutachten, wie es in einer Pressemitteilung der Stadt heißt. Bereits zuvor hat die PZ über das Ergebnis des Gutachtens berichtet.

Seit September 2025 hat die Stadt kein Bild des Rings herausgegeben oder erlaubt ihn anzusehen. Mit der Pressemitteilung wurde jetzt auch ein Bild veröffentlicht.
Seit September 2025 hat die Stadt kein Bild des Rings herausgegeben oder erlaubt ihn anzusehen. Mit der Pressemitteilung wurde jetzt auch ein Bild veröffentlicht. Foto: Schmuckmuseum/ Winfried Reinhardt

Für viele in Polen ist der Ring von König Sigismund I. mehr als ein Schmuckstück: „Es geht nicht nur um ein Objekt, sondern um ein Symbol für Erinnerung und Identität“, sagt Ewa Letkiewicz. Die polnische Historikerin hat die Debatte um den Ring mit angestoßen und zu seiner Geschichte geforscht. Im September vergangenen Jahres gab sie der PZ ein ausführliches Interview.

Ein zentrales Gegenargument für die These, dass der Ring 1939 von deutschen Soldaten in Polen gestohlen wurde, war die angebliche Gewichtsabweichung, die in einem früheren Gutachten eine Identifizierung verhinderte: Das frühere Gutachten habe die historische Angabe „¾ Lot“ falsch als polnische Maßeinheit interpretiert, obwohl „Lot“ je nach Zeit und Region variierte. Damit entfällt das wichtigste Argument gegen die Identität, so die Stadt. Genau diese Schwäche hatte die polnische Kunsthistorikerin Letkiewicz früh kritisiert.

Rechtlich bestehen laut Stadt keine Rückgabeansprüche mehr; das Eigentum dürfte auf Pforzheim übergegangen sein. Politisch gelte jedoch die Selbstverpflichtung, Beutekunst zurückzugeben. Über das weitere Vorgehen soll der Gemeinderat entscheiden, so Bürgermeister Tobias Volle; eine Beratung ist für April, eine Entscheidung für Mai vorgesehen. Parallel werden Modalitäten einer Rückgabe geprüft, auch im Austausch mit dem Auswärtigen Amt.

Für Staatsminister Gunther Krichbaum (CDU) ist die Sache klar: „Die Identität des Rings wurde bestätigt. Polen ist im Recht.“ Es gehe nun nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie und Wann einer Rückgabe. Die Kunsthistorikerin Letkiewicz, die den Ring früh als echt identifiziert hatte, reagierte zurückhaltend: „Das sind gute Nachrichten. Wie ich mich fühle, kann ich erst sagen, wenn ich den Ring sehe. Ich kann mich noch nicht freuen.“

Transparenzhinweis: In einer früheren Fassung bezeichneten wir den Ring als „NS-Raubgut“. Korrekt ist „NS-Beutekunst“. Raubgut meint NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter (etwa von jüdischen Eigentümern), Beutekunst hingegen kriegsbedingt aus besetzten Gebieten verbrachte Kulturgüter – mit unterschiedlichen rechtlichen Folgen für die Rückgabe.

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